Aus leer stehender Klinik wird Wohnhaus

Bis 2005 wurden in dem Gebäude an der Karl-Keil-Straße in Zwickau Kinder und Jugendliche behandelt. Nun will ein Investor die Immobilie aus dem Dornröschenschlaf wachküssen.

Zwickau.

Der weitläufige Rasen ist frisch gemäht. Gar nicht frisch sieht dagegen das Gebäude an der Zwickauer Karl-Keil-Straße aus. Die Scheiben der Eingangstür und einiger Fenster sind mit Spanplatten verschlossen, die Rettungstreppe rostet. Das Objekt hatte einst als Haus 10 zum Heinrich-Braun-Klinikum gehört. Seit 2005 steht es leer.

"Es soll sogar ein Abriss im Gespräch gewesen sein, weil die Klinik keinen Bedarf mehr an der Immobilie hatte", sagte Marko Seidel, der das Gebäude erworben hat. Er will daraus ein Wohnhaus machen. Innerhalb des Tages der Architektur, den die Architektenkammer Sachsen am Wochenende veranstaltet hat, konnte die ehemalige Klinik gestern und vorgestern noch einmal im alten Zustand besichtigt werden. Außerdem informierten der Investor, die Architekten vom Büro "Ahoch4" und der Vermarkter über den Umbau der Klinik zur "Villa Marienthal". Sechs Eigentumswohnungen sind darin geplant. Auf dem Gelände nebenan sollen zudem auf jeweils mehr als 1000 Quadratmeter großen Grundstücken drei Eigenheime entstehen.

Marko Seidel hat nach eigenen Angaben in Marienthal schon mehrere Objekte saniert und vermietet. "Dabei bin ich auf das Terrain hier aufmerksam geworden. Eigentlich widme ich mich größeren Objekten. Aber das Gebäude hat mich gereizt", sagte er. Architekt Dirk Martin von "Ahoch4" berichtete, dass man die Fassade weitestgehend erhalten werde. Im Inneren sei das Haus mehrfach umgebaut worden, sodass es vom Denkmalschutz kaum Vorschriften gebe. Man könne das Gebäude also entkernen und große Räume schaffen. Es wird einen Aufzug geben, sodass die Wohnungen barrierefrei erreichbar sind. Für hohen Komfort werde ein Smart-Home-System eingebaut. Investor Seidel rechnet damit, dass der Quadratmeter Wohnfläche am Ende etwa 2300 Euro kostet - die großen Wohnungen werden sich also nur sehr gut Verdienende leisten können.

Die Einladung zur Besichtigung wurde rege genutzt. Nicht nur Kaufinteressenten kamen, sondern auch ehemalige Klinikmitarbeiter. Ramona Bochmann aus Lichtenstein freute sich, dass das Gebäude nicht abgerissen, sondern umgenutzt wird. "Und die Lage am Stadtrand ist sehr schön", sagte sie. Auch Petra Göschel sah sich alles an: "Ich suche aber nach einer kleineren Wohnung."


Gebäude fast 100 Jahre alt

Das ehemalige Haus 10 des Heinrich-Braun-Klinkums (HBK) Zwickau ist 1922 erbaut worden. Es war damals eines von vier Gebäuden des sogenannten "Krüppelheimes" und wurde für Büros und Wohnungen für den Direktor sowie den Hausmann genutzt.

Zuletzt beherbergte die Immobilie die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin (Neonatologie). Seit dem Umzug dieser Klinik in das Haus 1 im Jahr 2005 war das Haus 10 nicht mehr genutzt worden.

Das Grundstück, auf dem das denkmalgeschützte Gebäude steht, sowie eine unbebaute Fläche nebenan (insgesamt 5882 Quadratmeter) waren im Februar von der Stadt Zwickau an die Firma Seidel Immobilien aus Borna zu einem Preis von 281.000 Euro verkauft worden.

Die seit mehr als zehn Jahren leer stehende Klinik hat Seidel vom Heinrich-Braun-Klinikum erworben, da sie für den Krankenhausbetrieb nicht mehr benötigt wird.

Vorgesehen ist, darin auf jeder Etage zwei Eigentumswohnungen, also insgesamt sechs, zu schaffen. Die Drei- bis Fünf-Raum-Wohnungen werden 127bis 176 Quadratmeter groß. Gleich nebenan sind drei Eigenheime auf jeweils gut 1000 Quadratmeter großen Grundstücken vorgesehen.

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