Bäckerfamilie Clauß rettet alte Sägemühle

Die Mühlenbäckerei mit ihren 16 Filialen ist ein Begriff in der Region. Nach der Wende wurde viel in die Backstube auf dem Niclaser Mühlenhof investiert. Jetzt rettet die Familie die marode Sägemühle, weil Meister Manfred Clauß nicht mehr dazu gekommen ist.

Mülsen.

Über viele Jahre "klebte" die kleine Sägemühle ein wenig unscheinbar am großen Mühlenhof im Mülsener Ortsteil Niclas und verfiel zusehends. Seit der Wende wurde dort kein Holz mehr geschnitten. "Mein Mann Manfred hatte sich vorgenommen, sie zu sanieren, wenn er einmal Rentner ist", erzählt Christine Clauß. "Doch dann ist er 2015 mit 63 Jahren verstorben, sodass er sein Vorhaben nicht mehr umsetzen konnte. Deshalb machen wir es jetzt."

Die Witwe berichtet, dass die Geschichte der Claußmühle bis ins 13.oder 14. Jahrhundert zurückreicht. "1894 hat der Urgroßvater meines Mannes, Ludwig Hermann Clauß, das Mühlengut übernommen. Er war aus Crossen gekommen, wo er als Getreide- und Holzmüller ausgebildet worden war", erzählt sie. Doch das Müllerhandwerk habe nicht genügend eingebracht. Also wurde ein Backofen errichtet. Die Brote seien damals noch im Hausflur verkauft oder mit einem Hundegeschirr an Gasthöfe in der Region ausgeliefert worden. Später übernahm sein Sohn Leo Clauß die Mühlen und die Bäckerei. Da dieser kinderlos blieb und sein Bruder früh an einer Kriegsverletzung starb, zog dessen Sohn Heinz als Jugendlicher mit auf den Hof, machte seinen Müller- und Bäckermeister und übernahm 1971 das Mühlengrundstück samt Inventar.

Ab 1985 führte dann sein Sohn, Bäckermeister Manfred Clauß, die Firma. "Die Getreidemühle war da schon lange stillgelegt worden, weil die Welle vom Mühlrad gebrochen und der einzige Spezialist in der DDR, der sie hätte reparieren können, verstorben war", erinnert sich Christine Clauß. "Mittels Elektroenergie wurde aber noch bis 1978 geschrotet. Die Sägemühle dagegen lief noch bis zur Wende."

Dann konzentrierte sich die Familie auf den Erhalt der Bäckerei. Christine Clauß verkaufte Backwaren anfangs beispielsweise in Thurm aus dem Pkw heraus. Später wurde ein DDR-Wohnwagen für Verkaufszwecke umgebaut, ehe die Mühlenbäckerei sich ein Filialnetz aufbaute. Heute gibt es insgesamt 16Verkaufsstellen im Landkreis Zwickau und im Erzgebirge. Roman Clauß, Bäckermeister und Diplombetriebswirt, stieg 2011 als Geschäftsführer in das Unternehmen ein. Er berichtet, dass die Familie seit der Wende viel Geld in die Bäckerei gesteckt hat. Bei laufender Produktion wurde sie saniert und erweitert. Darüber entstanden Wohnungen. "Inzwischen haben wir 81Mitarbeiter, bilden derzeit je zwei Bäcker, Konditoren und Verkäuferinnen aus und würden uns über weitere Verstärkung in der Backstube freuen. Es ist gar nicht so einfach, Fachkräfte zu bekommen", sagt er. "Trotz der Größe der Bäckerei ist mir wichtig, dass die Produktionsprozesse nicht automatisiert werden, sondern wir noch richtiges Bäckerhandwerk pflegen. Allerdings gibt es etliche Vorrichtungen, die die schwere körperliche Arbeit erleichtern."

Weil das Bäckereigebäude nicht unter Denkmalschutz steht, war dessen Ausbau leichter zu bewerkstelligen. "Aber die Sägemühle ist denkmalgeschützt. Deshalb standen wir vor der Wahl, sie weiter verfallen zu lassen oder wieder herzurichten, wie es sich mein Vater vorgenommen hatte", sagt Roman Clauß. Seine Mutter berichtet, dass sie lange mit Vertretern von Denkmalbehörden diskutiert haben, was nötig und machbar ist, damit der Bau erhalten werden kann. Neben Geld der Familie Clauß fließen auch Fördermittel in die Sanierung. Die morschen Hölzer der Gebäudegründung sind bereits durch neue ersetzt worden. Derzeit wird die Dachschalung heruntergerissen. Nach ihrer Erneuerung kommen dort sowie auf die Giebel wieder Schiefer. Der größte aus dem Bestand, auf dem "L.Clauß Schneidemühle" steht, wird restauriert und wieder mit verwendet. Das Holz aus dem Fachwerk muss teilweise ersetzt werden, ehe es zum großen Teil mit alten Ziegeln wieder ausgemauert und verputzt wird. Die Technik zum Sägen funktioniert noch. "Alle Firmen, die hier arbeiten, sind aus dem Mülsengrund", betont Roman Clauß. "Wir freuen uns schon auf den Tag, wenn alles fertig ist." Eigentlich brauche man die Sägemühle nicht. Aber sie gehöre nun mal zum Hof, sei ein Stück Familiengeschichte. An besonderen Tagen, beispielsweise dem Mühlen- oder dem Denkmaltag, könnte das Sägewerk künftig angeworfen werden. Dann werden vielleicht die Stämme, die seit der Wende neben der Mühle lagern, zu Brettern verarbeitet. Weil es derzeit kein Mühlrad mehr gibt, wird das Gatter dann über einen Elektromotor angetrieben.

"Aber den Mühlgraben, der früher Wasser vom Hegebach auf die beiden Mühlräder geleitet hat, den wollen wir gemeinsam mit unseren Nachbarn wieder entschlämmen", berichtet Romans Schwester Jasmin Schubert. "Das wurde schon früher immer so Ende November/Anfang Dezember gemacht, wenn das meiste Laub von den Bäumen war. Schließlich nimmt der Mühlgraben auch weiterhin überschüssiges Regenwasser von den Feldern auf und leitet es in den Mülsengrundbach. Wie gut das funktioniert, hat sich beim jüngsten Hochwasser 2013 gezeigt. Davon profitieren viele Anwohner."

0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...