Baufachmann rettet gemeinsam mit Stadtimker ein Bienenvolk

Bei einem Außenwanddurchbruch in einem alten Haus in Zwickau flogen den Bauarbeitern plötzlich die Insekten um die Ohren. Einer von ihnen holte Hilfe und hat viel über die Honigsammler gelernt.

Zwickau.

Ein Stück weg von den sechs Bienenvölkern von Siegfried Gerber steht jetzt ein siebtes. "Das habe ich in einer Wochenendaktion aus der Wand eines Zwickauer Altbaus geholt. Es war bei Sanierungsarbeiten entdeckt worden. Die aufgeschreckten Bienen hatten die Bauarbeiter in die Flucht getrieben", erzählt Gerber und präsentiert die neue Beute neben seinem Grundstück an der Walther-Rathenau-Straße.

Der Stadtimker freut sich, dass Andreas Pawela, der mit seiner Firma an den Sanierungsarbeiten beteiligt ist, das Bienenvolk nicht einfach ausgeräuchert, vergiftet oder den Hohlraum mit Bauschaum verschlossen, sondern sich um die Rettung der Insekten bemüht hat. "Ich kannte zwar keinen Bienenfachmann, dann habe ich mich aber daran erinnert, dass auf dem Honigglas zu Hause ein Name steht", erzählt Pawela. "Ich hole meinen Honig in der Bäckerei Kunert. Und über die bin ich an Siegfried Gerber gekommen. Der hat mir sofort geholfen."

Das Umweltamt des Landkreises geht davon aus, dass es sich bei den Insekten um kein "wildes Bienenvolk" handelt. Die würden nur sehr selten vorkommen. "Es ist wahrscheinlich ein Volk, das während der Schwarmzeit der Honigbiene im Mai oder Juni einem Imker entwischt ist. Normalerweise fängt dieser den Schwarm wieder ein", sagt Landkreissprecherin Ines Bettge. Die Tiere hatten aber einen Hohlraum im Mauerwerk gefunden und waren darin verschwunden. Die Behörde bestätigt Pawela, richtig gehandelt zu haben. Insektenvölker, dazu zählen auch Wespen, dürfen nicht einfach getötet werden.

Bei der Bienenrettung erwiesen sich Pawela und Gerber als gutes Team. Der Imker stellte dem Baumeister spezielle Schutzkleidung zur Verfügung, in der er ohne Probleme die Wand von innen öffnen und das Volk freilegen konnte. "Ich habe etwa 1,5 Kilogramm Bienen abgekehrt, auch die Waben mitgenommen und das Volk in eine Beute umgesiedelt. Natürlich habe ich es auch gegen Varroamilben behandelt und versorge es mit Bienenfutter", berichtet Gerber. Damit sich das Volk ungestört entwickeln kann, wurde die Beute ein wenig weg von seinen anderen Völkern positioniert.

Beim Besuch der "Freien Presse" fliegen die Insekten fleißig ein und aus, herrscht Leben in der Beute. "Ich hoffe, dass ich die Königin mit erwischt habe", sagt Gerber, der im Mülsener Imkerverein organisiert ist und dort viel über den richtigen Umgang mit den Insekten gelernt hat. Laut Vereins-Chef Peter Gruner, der schon einige Völker umgesiedelt hat, die bei Arbeiten in alten Fachwerkhäusern und Bauernhöfen entdeckt wurden, wird sich in Kürze zeigen, ob es Brutpflege gibt. "Wenn das so ist, dann gibt es auch eine Königin. Ansonsten muss eine zugesetzt werden, um das Überleben des Volkes zu sichern", sagt er.

Andreas Pawela hat sich über die schnelle Hilfe des Imkers gefreut. "Wir konnten nach dem Wochenende mit den Sanierungsarbeiten ohne Verzug fortfahren, und ich habe bei dem Rettungseinsatz viel Interessantes über Bienen gelernt", sagt er.

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