Bekommt Zwickau noch ein Parkhaus?

Seit rund 20 Jahren wird ein Areal an der Marienstraße als Stellfläche genutzt. Jetzt könnte aus der Übergangs- eine Dauerlösung werden.

Zwickau.

Für den unbefestigten Parkplatz an der Marienstraße/Ecke Rosengässchen in Zwickau deutet sich eine Lösung an. Wie "Freie Presse" erfuhr, hat ein neuer privater Investor Interesse am Kauf der Flächen. Er will auf dem innerstädtischen Filetstück ein Parkhaus errichten - es wäre das vierte im Zentrum.

Vor allem mit Blick auf die vielfach kritisierte Parksituation in der Innenstadt wird die Idee in Zwickaus Kommunalpolitik weitgehend positiv gesehen, zumal gleichzeitig die letzte innerstädtische Brachfläche verschwinden würde. Zusätzliche Stellflächen könnten schon bald dringend notwendig sein, denn die Verhandlungen über den Verkauf des leerstehenden Kaufhauses Joh scheinen sich entgegen ersten Erwartungen positiv zu entwickeln. Dazu kommt, dass das Schocken-Kaufhaus, auch hier ein Verkauf vorausgesetzt, zu einem Geschäfts- und Bürokomplex umgestaltet werden soll.

Sascha Aurich

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Aktuell hat die Stadt die letzten unbebauten Grundstücke im Herzen der Stadt noch nicht zum Verkauf angeboten. Wie Heike Reinke von der Pressestelle des Rathauses sagte, ist die Verwaltung bestrebt, eine Gesamtlösung zu finden. Das heißt, eine mögliche Bebauung sollte, auch unter Beachtung der Vorgaben des Denkmalschutzes, das komplette Areal zwischen Rosengässchen und dem ersten Gebäude umfassen. Dazu allerdings werden mehr Grundstücke benötigt als die Stadt in ihrem Besitz hat. Trotz des Rückkaufs mehrerer Flächen fehlen der Kommune noch drei. Derzeit werde mit dem Eigentümer der Grundstücke verhandelt, sagte Baubürgermeisterin Kathrin Köhler (CDU). Erst wenn die Gespräche erfolgreich verlaufen, können weitere Pläne geschmiedet werden. Offenbar ist der Parkhausinvestor auch nicht der einzige Interessent. Laut Heike Reinke gibt es Vorstellungen mehrerer privater Investoren.

Der unbefestigte Parkplatz hat sich erst Ende der 1990er-Jahre zu dem entwickelt, was er heute ist. Ursprünglich standen dort mit den Hausnummern 34 bis 46 insgesamt sechs dreigeschossige Wohn- und Geschäftshäuser mit Erd-, Ober- und Dachgeschoss. Vier dieser Grundstücke befanden sich schon zu DDR-Zeiten in Volkseigentum. Da keine Rückübertragung durch Alteigentümer beantragt wurde, gingen diese an die öffentliche Hand über. 2011 wurden drei der Flächen an einen Investor verkauft, der darauf ein Wohn- und Geschäftshaus errichten wollte. Da er die Pläne nie umsetzte - stattdessen aber fleißig Geld mit der Parkplatzvermietung verdiente - wurde der Grundstückskauf im Jahr 2018 rückgängig gemacht.

Wann die alten Gebäude, die zumindest teilweise unter Denkmalschutz gestanden haben sollen, abgerissen wurden, ist nicht mehr vollständig feststellbar. Das Haus 44 war schon vor der Wende verschwunden. Aus einem Luftbild geht hervor, dass es sich im Jahr 1992 bei den Nummern 40 bis 46 bereits um Freiflächen handelte. Die Häuser Marienstraße 36 und 38 wurden 1997 und 1998 als letzte abgerissen. Diese beiden Gebäude waren ebenso wie das Hausnummer 34 in der Abbruchliste als privates Eigentum aufgeführt.


Kommentar: Schnell handeln

Parkplätze in der Zwickauer Innenstadt sind rar, vielleicht zu rar. Zumindest taucht dieses Argument immer dann auf, wenn es mal wieder um die mühsame Belebung der Einkaufsstraßen geht. Aber ob das nun tatsächlich ein Haupthindernis ist oder nicht: Auf jeden Fall werden Parkflächen benötigt, wenn die Kaufhäuser Joh und Schocken in der City wieder mit Leben gefüllt werden sollen. Jetzt hätte die Stadt die Chance, möglichen Kaufhausinvestoren einen starken Anreiz zu bieten und gleichzeitig eine Brachfläche aus dem Stadtbild zu verbannen. Gefragt ist schnelles Handeln. Und nicht nur dort. Die Stadt muss in diesem Zusammenhang auch schnell den bereits beschlossenen Ausbau der Marienstraße umsetzen.

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1Kommentare
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  • 4
    0
    branderweg
    16.05.2019

    Der Bebauung zentraler Flächen in der Innenstadt wie dieser an der Marienstraße sind grundsätzliche Überlegungen voranzustellen: Ziel eines ortstypischen Städtebaus und des Denkmalschutzes an dieser Stelle sollte die Wahrung bzw. Fortschreibung kleinteiliger, gemischter Strukturen (soweit möglich aus Wohnen und Arbeiten) sein. Das heißt Bauen im Maßstab der umgebenden Grundstücke und benachbarten Gebäude, wobei eine zeitgemäße Architektur, ausgerichtet an heutigen Bedürfnissen, gemeint ist. Dies fördert im Gegensatz zu einer Großform, die ein Parkhaus immer darstellt, ein vitales Quartier und einen lebendigen Straßenraum. Die Errichtung eines Parkhauses an dieser Stelle steht aus mehreren Gründen einem attraktivem Stadtzentrum entgegen: es zieht weiteren Autoverkehr mitten in die Kernstadt, die mit "Einkaufserlebnis" wirbt und in erster Linie den Fußgänger im Blick haben sollte; es macht durch den zusätzlichen Verkehr Wohnen noch unattraktiver; es fördert dadurch die funktionale Zweiteilung der Innenstadt: Wohnen in östlicher Hälfte - Einkauf im westlichen Teil, der dann abends als verlassen und tot wahrgenommen wird.
    Flächen sind kostbar, städtische Flächen um so mehr, wie nach dem jahrelangen ungebremsten Verkauf solcher Areale heute vielerorts beklagt. Meiner Meinung nach sind gerade die zentralen Flächen zu schade, um Autos darauf abzustellen.
    Und rein aus Verkehrssicht sei hinzugefügt: Mit jedem weiteren Auto-Stellplatz, der in zentralen 1-A- B- oder C-Stadtlagen entsteht, werden dem Nahverkehr weitere Fahrgäste entzogen und Tram und Bus geschwächt, wie es in dieser Zeitung die SVZ-Chefin zum 125. Tram-Jubiläum ganz richtig gesagt hat.



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