Besucher flanieren durch die Jahrhunderte

Das historische Markttreiben erwies sich am Wochenende einmal mehr als Besuchermagnet und lockte zahlreiche Schaulustige in Zwickaus Innenstadt. Manch einer hat sogar sein Outfit gewechselt.

Zwickau.

Historisches Markttreiben - wie zu Schumanns Zeiten, so war am Wochenende der bunte Trubel in der Innenstadt überschrieben. Allerdings hätte der große Sohn der Stadt am Ende seines Lebens wohl ein paar hundert Jahre auf dem Buckel haben müssen, wäre dieses Motto von den Beteiligten stur umgesetzt worden. Stattdessen durften die Besucher locker zwischen dem Mittelalter und der Moderne flanieren. Wer indes wirklich auf einen Hauch Biedermeier aus war, fand den auf alle Fälle bei einem Abstecher ins Schumannhaus.

Oder aber er ließ sich von Fotograf Peer Bolte im Biedermeierkostüm ablichten. Tasso und Elenore Fröse aus Werdau machten gerne davon Gebrauch. "Wir haben uns schon im vergangenen Jahr so fotografieren lassen. Es war umwerfend, denn Freunde und Bekannte haben uns auf den Bildern kaum erkannt. Da diesmal mit dem Planitzer Schlosspark eine ganz andere Kulisse zur Verfügung steht, haben wir uns erneut für diesen Spaß entschieden und auch andere Kleidungsstücke als voriges Jahr getragen", sagte Tasso Fröse. Die wenigen schweißtreibenden Minuten in den sicherlich etwas unbequemen Kleidern, nahmen die beiden Werdauer dabei gerne in Kauf.

Während sie sich nach ein paar Minuten wieder umziehen konnten, blieb für Rosemarie und Günter Öhler nur, sich mit ihrem Leierkasten ein schattiges Plätzchen zu suchen, um dort die Passanten zu unterhalten. "Ach, das geht schon, und schließlich gehört bei so einem Fest das passende Outfit dazu. Irgendwie erwarten das die Leute ja auch", sagte der Zwickauer Leierkastenmann, der einige seiner Kleidungsstücke vom Großvater geerbt hatte.

Nicht minder mit der brütenden Hitze zu kämpfen hatten die Pedalritter des Radfahrervereines Weinböhla. Auf ihren betagten Rädern und zeitgenössisch gekleidet unternahmen sie mehrfach Radtouren durch die Innenstadt. "Das sind wir schon gewohnt. Und Sonne ist immer noch besser als Regen. Hin und wieder eine kleine Verschnaufpause - und schon geht es in aller Ruhe weiter", sagte Vereinsvorsitzende Ilona Thieme. Allerdings mussten speziell die hölzernen Räder ihrer Vehikel zum Schutz vor Austrocknung immer wieder zum Quellen angefeuchtet werden. Ein Zwischenstopp am Kornmarkt-Brunnen erwies sich hierfür als nahezu ideal. Dort konnten dann auch die Besucher des Markttreibens die Fahrräder ausgiebig unter die Lupe nehmen. Robert Köhler aus Zwickau: "Diese Truppe stellt eine echte Bereicherung des Festes dar. Meiner Meinung nach muss auch nicht alles aus Schumanns Zeiten sein. Hauptsache, es weht an solchen Tagen ein wenig historisches Flair durch die Gassen und lockt Leute in die Stadt."

Und die scheuten offensichtlich auch nicht vor ein paar Kilometer Anreise zurück, wie das Beispiel von Carolin und Heike Martini aus Plauen zeigte. "Es ist einfach eine tolle Atmosphäre. Mir persönlich haben besonders die herumziehenden Musikanten und die Handwerkerstände gefallen", sagte Heike Martini. Außerdem sei es für die beiden Vogtländerinnen eine nette Erfahrung gewesen, auf dem Kornmarkt alte Spiele auszuprobieren und dabei gegen wildfremde Leute anzutreten.

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