Bewährung nicht genutzt

Weil die Angeklagte schon kurz nach der Aussetzung ihrer Haftstrafe wieder Diebstähle beging, gab es diesmal keine Gnade.

Zwickau.

Eine 58 Jahre alte Frau aus Hartenstein muss für sechs Monate ins Gefängnis, weil sie in einem Zwickauer Einkaufsmarkt Druckerpatronen im Wert von rund 1000 Euro gestohlen hatte. Dass Richter Heiko Eisenreich die Strafe nicht zur Bewährung aussetzte, hat mit der Vorgeschichte zu tun.

Im Mai 2017 war die arbeitslose gelernte Dreherin vom Schöffengericht bereits zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten verurteilt worden, weil sie in ein und demselben Einrichtungsgeschäft 76-mal unter anderem Kissen und Decken an sich gebracht hatte, ohne diese zu bezahlen. In der Berufsverhandlung am Landgericht wurde die Strafe jedoch auf zwei Jahre herab- und zur Bewährung ausgesetzt. Viel bewirkt hatte dieser Warnschuss aber nicht, wie Richter und Staatsanwältin einschätzten. Kurz darauf war die Angeklagte wieder beim Stehlen erwischt worden.

Zunächst hatte die Frau am Donnerstag vor Gericht gar nichts sagen wollen. Erst, als der Richter sie darauf hinwies, dass ein Geständnis nur sinnvoll ist, bevor Zeugen aussagen, kam ein leises "Ich habe es getan" über ihre Lippen. Immerhin gibt es Beweisfotos, die zeigen, wie sie die Patronen erst in einen Beutel steckt, um sie später in der Jacke und im Hosenbund verschwinden zu lassen. Warum sie es getan hatte, wisse sie nicht, versuchte sie dem Gericht zu erklären. Ihre Anwältin vermutete eine krankhafte Kleptomanie und wollte diese Krankheit durch einen Gutachter vor Gericht nachweisen lassen.

Doch den Beweisantrag lehnte der Richter ab. Sie habe ausreichend Zeit gehabt, sich einem Psychiater vorzustellen. Bis heute habe sie es nicht getan. In seiner Urteilsbegründung sagte Richter Eisenreich, dass er ihr nicht abnehme, dass sie nicht wisse, was sie tut. "Sie haben gezielt Dinge gestohlen, die sie gut zu Geld machen konnten", sagte er. Die Erklärung, dass sie die Patronen nur verkauft habe, damit sie ihr Sohn nicht im Haus finde, sei mehr als dürftig. Vor allem lastete der Richter der Angeklagten an, dass sie kurz nach dem Bewährungsurteil wieder auf Beutezug ging. "Wer kurz nach dem Verhängen einer Bewährungsstrafe wieder straffällig wird, der hat keine neue Bewährung verdient", sagte Eisenreich.

Juristisch ist für die 58-jährige die Sache noch nicht beendet. Die Strafkammer am Landgericht wird jetzt die verhängte Bewährungsstrafe prüfen. Entscheiden sich die Richter für eine Aufhebung, muss die Angeklagte auch die beiden Jahren aus der ersten Verurteilung absitzen. Ein Rechtsmittel dagegen gibt es nicht.

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