Bizarrer Streit unter Zwickauer Flaschensammlern

Zwei Sammler von Pfandflaschen liefern sich eine Fehde. Allerdings lief diese völlig anders ab, als am Amtsgericht angeklagt.

Zwickau.

Ein vermuteter Revierkampf unter zwei Pfandflaschensammlern endete am Montag vor dem Strafrichter am Amtsgericht in Zwickau mit einem Freispruch des Angeklagten. Der 67-jährige Zwickauer sah sich vor Gericht mit Vorwürfen konfrontiert, die so nicht stimmten. Das hat Richter Jürgen Dietel erkannt, ebenso sah es die Staatsanwaltschaft. "Die einzige belastende Aussage hat sich als nicht zutreffend herausgestellt, sagte Staatsanwältin Waltraud Schnurrbusch in ihrem Plädoyer.

Dabei hatte das vermeintliche Opfer bei der Polizei sehr präzise Angaben über die Nötigung mit Sachbeschädigung gemacht. Der 58Jahre alte Mann war dort im Sommer 2017 gleich zweimal aufgetaucht, weil er sich von seinem Rivalen mit einem Messer bedroht sah. Offenbar habe der dem arbeitslosen Mülsener die zusätzlichen Einnahmen aus dem Pfand nicht gegönnt und ihn aus seinem Revier vertreiben wollen. Mit einem Messer in der Hand habe der ihm in Pölbitz am Ernst-Schneller-Platz klarmachen wollen, dass er hier nichts verloren habe. Worte wie "Hau ab aus Zwickau" sollen gefallen sein. Mit der Waffe sei der Angeklagte auf ihn zugekommen. Erst als sein Handy geklingelt habe, habe der Angreifer abgelassen und stattdessen den Hinterreifen seines Fahrrades "mit einem langen Messer" zerstochen.

Ein paar Tage später standen sich die beiden wieder in den frühen Morgenstunden gegenüber. Diesmal an der Katharinenstraße im Stadtzentrum. Aus Sicht des vermeintlichen Opfers und jetzigen Belastungszeugen war es diesmal sogar noch schlimmer gekommen. Da habe ihm der Angeklagte das Messer an den Hals gehalten und ihm gedroht, ihn abzustechen. Doch vor Gericht konnte er sich an die Angaben, die er selbst handschriftlich als Anzeige bei der Polizei gemacht hatte, nicht mehr erinnern. Er lieferte harmlose Versionen der angeblichen Taten. Bei der zweiten war nun nicht einmal mehr ein Messer im Spiel gewesen. Warum er damals das Protokoll mit den belastenden Aussagen unterschrieben hatte, konnte er nicht erklären. "Sie wissen aber schon, dass Sie sich strafbar machen, wenn Sie bei der Polizei falsche Aussagen machen", machte ihm die Staatsanwältin die Tragweite seines Handelns klar.

Dass sich die beiden kannten und sich in den frühen Morgenstunden begegnet waren, bestätigte der Angeklagte. "Aber dass ich ihn mit einem Messer bedroht habe, ist völlig absurd", sagte er. Er sei fast 70 Jahre alt, da laufe man nicht mit einem Messer durch die Gegend. Viel mehr sieht er in den Strafanzeigen eine Retourkutsche, weil er den Mann, den er schon länger kennt, selbst schon vor Gericht gebracht hatte. "Er hatte einfach Geld von meinem Konto auf seines überwiesen", sagte der Angeklagte. Dabei habe er ihm zuvor immer wieder mit kleinen Summen ausgeholfen. "Er war immer in Notlagen", erklärte er. Da der Zeuge zu seiner Schwester in die alten Bundesländer ziehen wollte, habe er ihm seine Bankverbindung gegeben, damit er seine Schulden, die er sogar auf einem Schuldschein quittiert hatte, zurückzahlen konnte. "Dass der Geld vom Konto abhebt, wäre mir ja nie in den Sinn gekommen." Tatsächlich war der Zeuge, der sich jetzt wohl rächen wollte, im Mai vom Amtsgericht Zwickau zu 650 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Von den 310 Euro, die er damals genommen hat, habe er bisher keinen Cent zurückgezahlt.

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