Bombendrohung: Und plötzlich war die Innenstadt leer

Nach rund zwei Stunden gab die Polizei Entwarnung. Es wurde nichts Verdächtiges gefunden. Trotzdem hatte der Täter den Markthändlern gründlich das Geschäft vermiest - und Zwickau war nicht allein betroffen.

Zwickau.

Wegen einer Bombendrohung gegen die Stadtverwaltung ist das Rathaus in Zwickau am Mittwochvormittag für gut zwei Stunden evakuiert worden. Zudem mussten alle Menschen den Hauptmarkt verlassen, der an diesem Vormittag voller Buden mit Waren stand. Die Umgebung einschließlich des Marktes, an dem auch Cafés und Restaurants angesiedelt sind, wurde gesperrt.

Die Drohung hatte das Rathaus gegen 10.45Uhr erreicht - auf "elektronischem Wege", wie Polizeisprecher Oliver Wurdak zunächst sagte. 12.23 Uhr konnte er aber bereits Entwarnung geben. Die Ermittler, die auch einen Sprengstoffspürhund einsetzten, hatten nichts gefunden. Viele Händler, die ihre Stände auf dem Hauptmarkt aufgebaut hatten, packten danach trotzdem verärgert ein.


Als die Polizei von der im Rathaus per E-Mail eingegangenen Drohung erfuhr, hatte sie nicht lange gezögert. Alle in der Innenstadt verfügbaren Kräfte wurden für die Evakuierung mobilisiert. Was genau in der E-Mail stand, verriet der Polizeisprecher nicht. Laut Stadtsprecher Mathias Merz arbeiten an die 70Mitarbeiter im Rathaus. Doch nicht nur sie mussten ihre Plätze verlassen. Auch die Mitarbeiter im Modehaus Kress und im Marktcafé waren betroffen.

Merz bedauerte, dass die Drohung ausgerechnet an einem Tag erfolgte, an dem der Sachsenmarkt stattfand - und dann noch zu einer Zeit, in der die Händler wegen der anstehenden Mittagspause vieler der Beschäftigten in der Innenstadt Geschäfte hätten machen können. Arndt Simon, der auf dem Markt Fleisch- und Wurstwaren verkauft hatte, schimpfte über die Unterbrechung: "So was passiert jetzt bestimmt öfter." Daran sei die Politik schuld, sagte er, ohne konkret zu werden. Andere Anbieter winkten ab: "Heute ist aufgrund des Wetters eh nicht viel los, dennoch ist es bitter für uns." Friedrich Lieberwirth, der Töpfe verkaufte, sah das anders: "Die Platzräumung war sehr ärgerlich. Die zwei Stunden in der Mittagszeit, die uns nun gefehlt haben, sind die wichtigste Verkaufsphase." Es sei eine Frechheit, dass Leute so etwas machen. "Am Ende werden sie dann noch nicht einmal richtig dafür bestraft!" Ein Obst- und Gemüsehändler versuchte am Nachmittag, seine Ware wenigstens zum Einkaufspreis an den Kunden zu bringen, um sie nicht wegwerfen zu müssen.

Zwickau war nicht allein betroffen: Auch in der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt und im baden-württembergischen Pforzheim führten am Mittwoch Bombendrohungen zur Räumung der Rathäuser. Im Zuge der Ermittlungen werde ein möglicher Zusammenhang geprüft, so ein Polizeisprecher.

Einige der Rathausmitarbeiter in Zwickau haben bereits "Erfahrungen" in Sachen Bombendrohung. Der letzte vergleichbare Fall hatte sich Ende Oktober 2007 zugetragen. Damals legte ein Unbekannter eine flache grüne Holzkiste mit der Aufschrift "Dynamit" und einem Schalter an der Seite vor dem Eingang des Zwickauer Rathauses ab und löste damit einen Polizeieinsatz in der Innenstadt aus. Die Kiste enthielt allerdings nur Steine, wie die Untersuchung ergab.

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