Brücke in die Welt der Forschung

Das Fraunhofer-Anwendungszentrum steht in den Startlöchern. Heute öffnet es nicht ganz offiziell seine Türen.

Zwickau.

Es riecht nach frischer Farbe, auf den Werkbänken sieht es zum Teil noch etwas unaufgeräumt aus, und noch steht nicht jeder Stuhl dort, wo er hingehört. Dennoch steht das Fraunhofer-Anwendungszentrum für Optische Messtechnik und Oberflächentechnologien heute das erste Mal im Licht der Öffentlichkeit -wenn auch nur äußerlich. In dem extra umgebauten Haus an der Keplerstraße findet das 4. Forschungsforum der Westsächsischen Hochschule (WHZ) statt.

Offiziell eröffnet wird das Zentrum erst in einigen Tagen. Dann fügt sich neben die WHZ eine Forschungseinrichtung ein, die sich mit der Hochschule verzahnt. An der Spitze des Zentrums steht Peter Hartmann, der an der WHZ die Physikalische Technik leitet. Ihm zur Seite stehen bereits einige junge Ingenieure, die schon Forschungsaufträge übernommen haben. Insgesamt sollen in den kommenden Jahren zehn Ingenieursstellen in dem Zentrum entstehen, die sich aber auf mehr Köpfe verteilen werden.

Einer dieser Köpfe ist Bryan Nelsen, der vor zwei Jahren von der Universität im amerikanischen Pittsburgh nach Zwickau gekommen ist. Der junge Mann hat seinen Doktortitel bereits in der Tasche und hält an der WHZ Vorlesungen auf Englisch. Er hat am Anwendungszentrum eine halbe Stelle inne, um dort Grundlagenforschung zu betreiben - etwas, das traditionell eher den Universitäten vorbehalten ist. Die Zusammenarbeit mit Fraunhofer aber gibt den Mitarbeitern der Hochschule diese Möglichkeit - zum Beispiel, wenn sie eben zwei halbe Stellen hier wie dort besetzen. Darüber hinaus haben Studenten die Möglichkeit, in der neu entstandenen Einrichtung ihre Qualifikationsarbeiten anzufertigen.

Bryan Nelsen forscht derzeit an einer neuen Endoskopie-Technologie. Sein Ziel ist es, statt der bisher recht dicken Sonden hochfeine Glasfasern einzusetzen. Die haarfeinen Drähte könnten dann selbst Blutgefäße untersuchen. Als Werkzeug soll ein Laser dienen, der das kranke Gewebe behandelt. Um das möglich zu machen, arbeitet Nelsen gleichzeitig an einer neuen Darstellungsform der Endoskopie, die dem Arzt dreidimensionale Daten liefern kann.

Zwar sind Fraunhofer und Hochschule rein rechtlich zwei voneinander getrennte Einrichtungen, doch sie profitieren voneinander, sagt Hartmann. "Deswegen bin ich froh, dass auch die WHZ Labore in dem Gebäude mit hat." Der Freistaat schießt für den Aufbau der Einrichtung 2,6 Millionen Euro über fünf Jahre zu. Das hat die Anschaffung zahlreicher hochwertiger Messgeräte ermöglicht. "Wir haben uns bei unserer Aufgabenstellung zum Teil an der regionalen Wirtschaft orientiert", sagt der Professor. Doch die ersten Aufträge für das Zentrum kommen nicht nur aus Zwickau. Das findet Hartmann gut: Das Zentrum soll eine Brücke schlagen zwischen Westsachsen und der Welt.


Ein neues Steinchen in einem großen Mosaik

Die Fraunhofer-Gesellschaft ist eine Organisation, die anwendungsorientierte Forschung betreibt und unterstützt. Es ist die größte ihrer Art in Europa. Die Forschungsfelder reichen von Themen wie Gesundheit und Sicherheit über Kommunikation und Mobilität bis hin zu Energie und Umwelt.

Insgesamt 67 Institute gehören zu dem großen Verbund. Dazu gehört auch das Institut für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden. Das beschäftigt sich hauptsächlich mit Laser- und Oberflächentechnik und forscht an Technologien wie dem Schweißen oder der Nanotechnologie.

Das Anwendungszentrum in Zwickau ist das erste seiner Art im Osten Deutschlands. Es gehört derzeit zum IWS, soll aber nach fünf Jahren auf eigenen Beinen stehen. Bis 2012 hat sich die Fraunhofer-Gesellschaft ihre Partner ausschließlich unter Universitäten gesucht, jetzt arbeitet sie auch mit ausgesuchten Hochschulen.

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