Busfahrer machen erneut Druck

Der 24-Stunden-Streik beim Regionalverkehr Westsachsen könnte auch der Vorbote eines tagelangen Ausstandes gewesen sein.

Zwickau.

Beim Regionalverkehr Westsachsen brannte am Mittwoch sprichwörtlich die Luft. Im Kampf für eine bessere Entlohnung hatten mehr als zwei Drittel der Mitarbeiter ihren Dienst nicht angetreten und waren stattdessen dem sachsenweiten Streikaufruf der Gewerkschaft Verdi gefolgt. Von 2 Uhr an und ganze 24 Stunden lang blieben die Busse im Depot, auch der Schülerverkehr ruhte. "Es reicht, wir machen jetzt ordentlich Druck", sagte Betriebsratsvorsitzender André Hahn. "Das Angebot der Arbeitgeber bei der letzten Verhandlung ist in- akzeptabel."

Während Verdi eine Lohnerhöhung von 12,30 Euro auf 15,66 Euro innerhalb eines Jahres und damit auch eine Angleichung an die Löhne in Sachsen-Anhalt fordert, wollen die Arbeitgeber diese Erhöhung innerhalb von drei Jahren vollziehen. Für die Busfahrer, Schlosser und Angestellten des Regionalverkehrs Westsachsen ist das aber keine Option. "In drei Jahren ist Sachsen-Anhalt bereits weiter, und wir hinken bei der Lohnentwicklung weiter hinterher", meinte Hahn. Dabei sei Sachsen das wirtschaftlich stärkere Land.


Neben dem Lohn müssen nach Ansicht der Mitarbeiter auch die Arbeitsbedingungen verbessert werden. Schichten würden oft geteilt - in einige Stunden früh und einige nachmittags oder abends. Familien- und Vereinsleben bleiben so auf der Strecke. Die Zulage für solch eine geteilte Schicht beträgt 8 Euro. Auch die Notdurft der Busfahrer ist ein Dauerthema. Bei kommunalen Verkehrsgesellschaften können die Busfahrer zumeist speziell für sie errichtete Toiletten nutzen. Den Fahrern im Über-Land-Verkehr bleiben oftmals nur Tankstellen - und der Unmut der Fahrgäste über solche Zwischenstopps.

Die Sparpolitik der Arbeitgeber hat für die Beschäftigten starke Auswirkungen weit über das Arbeits- leben hinaus. Mit dem derzeitigen Verdienst wird laut Verdi jährlich nicht einmal ein Rentenpunkt erzielt. "Busfahrer im Erzgebirge haben nach 47 Jahren Arbeit rund 970Euro Rente", rechnet der Zwickauer Verdi-Sekretär Sven Vogel vor.

Sollten die Arbeitgeber bei den Verhandlungen nicht einlenken, dann wollen die Busfahrer weiter kämpfen. Der Ausstand könnte dann auch länger als einen Tag dauern. Beim Regionalverkehr Westsachsen mit einer Gewerkschafts-zugehörigkeit von rund 70 Prozent hat Verdi die Mitarbeiter hinter sich. "Wir sind entschlossen, höhere Löhne durchzusetzen, die Bereitschaft war noch nie so groß wie jetzt", meinte Busfahrer Hahn.

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