Cainsdorf bekommt ein eigenes Bus-Taxi

Fast sechs Monate war der untere Teil von Cainsdorf vom Nahverkehr abgeschnitten. Jetzt kommt ein Anruf-Linien-Taxi.

Cainsdorf.

Außer Ortsvorsteher Gerd Drechsler (CDU) hat im Zwickauer Ortsteil Cainsdorf wohl kaum noch jemand daran geglaubt, dass der Ort jemals wieder vollständig an den Nahverkehr angebunden wird. Doch der Ortschef hat nach hartnäckigen Verhandlungen sein erklärtes Ziel erreicht. Fast ein halbes Jahr, nachdem der Stadtbus von Wilkau-Haßlau wegen der Umstellung auf den Taktbus-Verkehr seine Fahrten in den unteren Ortsteil eingestellt hat, wird dort ab 3. Februar mit der neuen Linie 11 der Städtischen Verkehrsbetriebe Zwickau (SVZ) der Verkehr wieder aufgenommen. In der Zeit ohne Busanschluss hatte es viele Beschwerden von Anwohnern gegeben. Es handelt sich ja nicht nur um die Anwohner der Brauereistraße, sagte Drechsler. Auch die Einwohner im unteren Teil der Cainsdorfer Hauptstraße waren plötzlich ohne Vorwarnung vom Busverkehr abgeschnitten.

Ab Montag soll das der Vergangenheit angehören - allerdings nicht in gewohnter oder bisher bekannter Weise. Der Bus muss nun wie ein Taxi bestellt werden und nennt sich daher auch Anruf-Linien-Taxi, oder in der Kurzform einfach "Alita". Mindestens 60 Minuten vor der Abfahrt muss die Anforderung in der Leitstelle der SVZ unter Angabe der Personenzahl vorliegen. Anders als beim Taxi kommt der Bus dann aber nicht zur gewünschten Zeit. Denn einen Fahrplan gibt es dafür auch. Ab der Haltestelle "Wiener Spitze" (Brauereistraße) fährt morgens um 7.46 Uhr der erste Bus - sofern er bestellt wurde - zum Planitzer Markt. Von da an stehen sechs Fahrten im geregelten Zwei-Stunden-Takt im Fahrplan. Zurück fährt der Bus erstmals um 9.30 Uhr. "Die Abfahrtszeiten sind auf den Fahrplan der Stadtbuslinie 10 abgestimmt", sagte Michael Geyer, Abteilungsleiter Verkehr bei der SVZ. An den Haltestellen "Cainsdorf Gemeindeverwaltung" und "Planitz Markt" kann demnach in Richtung Wilkau-Haßlau umgestiegen werden. Vom Planitzer Markt führen die Fahrten auch zum Hauptbahnhof und zum Neumarkt. Außerdem bedient die Linie 11 die Haltestellen "Cainsdorf Bahnhof" und "Cainsdorf Niederdorf". Für Gerd Drechsler ist das Thema Nahverkehr damit allerdings noch nicht erledigt. "Wir sind zwar sehr froh und dankbar für diese Lösung, aber wir haben jetzt nur den Spatz in der Hand", sagte er. Er will weiter für eine bessere Anbindung seines Ortes an den Nahverkehr kämpfen. Zunächst jedoch will Drechsler das neue Angebot bekannt machen. "Wir haben Flyer an allen wichtigen Stellen im Ort ausgelegt", sagte er. Denn die Sache hat einen Haken: Das Anruf-Linien-Taxi verkehrt vorerst nur im Probebetrieb. Im August wollen die SVZ Bilanz ziehen, die Linie bewerten und dabei auch die Nutzung prüfen. "Danach wird über eine Fortführung oder mögliche Anpassungen entschieden", sagte Geyer. Zum Einsatz kommen Kleinbusse. "Diese sind jedoch barrierefrei zugänglich", sagte Drechsler. Melden sich große Personengruppen an, wird ein normaler Linienbus eingesetzt.

Die Linie 11 ist die erste Linie, die komplett mit Anruf-Linien-Taxis bedient wird. Das Angebot gibt es vor allem in den Abendstunden bereits auf der Linien 18, 21, 24 und derzeit auch auf der Linie 10. Die Linie 11 ist langjährigen Nutzern des Nahverkehrs nicht unbekannt. Bis zur Übernahme der Linie nach Eckersbach durch die Straßenbahn trug eine Buslinie vom Poetenweg nach Eckersbach-E1 diese Bezeichnung.


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