CDU räumt trotz Verlusten wieder ab

Wahlen 2019 Alle fünf Zwickauer Wahlkreise gehen wieder an die Union. Das Rennen war am Ende weniger knapp als vorher angenommen. Mit einer kleinen Ausnahme.

Zwickau.

Der erste, der etwas zum Wahlausgang sagt, ist ausgerechnet der Zwickauer CDU-Kreischef. Marco Wanderwitz, der zugleich Staatssekretär im Bundesinnenministerium ist, steht 18 Uhr vor dem Mikrofon der ARD und bewertet den Wahlausgang als Erfolg. Zumindest "wenn ich bedenke, wo wir noch im Mai zur Europawahl gestanden sind." Jetzt habe man wieder den klaren Auftrag zur Regierungsbildung in Sachsen, sagt er noch. Dem wolle man nachkommen.

Seine Parteifreunde, die für den Landtag kandidieren, müssen länger zittern, ob sie in ihren Wahlkreisen wieder vorne liegen. Als erstes meldet sachsenweit traditionell die Gemeinde Schönberg (Wahlkreis 8, Zwickau 4) ihr Ergebnis. 19.12 Uhr steht fest, dass die 519 Wähler mehrheitlich für die Mandatsinhaberin Ines Springer (CDU) gestimmt haben. Wenig später kommt ein bezeichnendes Ergebnis aus Hartmannsdorf bei Kirchberg (Wahlkreis 5, Zwickau 1) hinzu, wo Direktkandidatin Kerstin Nicolaus (CDU) ehrenamtliche Bürgermeisterin ist. Nicolaus erhält in ihrer Heimatgemeinde zwar 69,2 Prozent der Stimmen, die CDU aber nur 50,7 Prozent.

Verluste bei Erst- und Zweitstimmen werden für die CDU überall gemeldet, aber überall im Landkreis Zwickau reicht es für die Mehrheit. Die AfD schafft es nur in Zwickau-Stadt (Wahlkreis 7, Zwickau 3), bei den Erststimmen knapp am Mandatsinhaber dran zu bleiben. Am Ende siegt aber auch dort die Union. Die Erleichterung ist im Anschluss allen Unionskandidaten anzumerken. Auch wenn Kerstin Nicolaus in der Nacht sagt, sie sei trotz des sich abzeichnenden Sieges noch immer angespannt. "Es ist ein regelrechter Wahl-Kampf gewesen, im wahrsten Sinn des Wortes", sagt sie. Sie sei unglaublich viel unterwegs gewesen und habe mit vielen Wählern gesprochen. "Ich bin mit den Menschen hier sehr verbunden, von daher freut es mich, dass ich sie in Dresden weiter vertreten kann."

"Super happy" sei er, sagt Jan Löffler (CDU, Wahlkreis 6, Zwickau 2). "Ich weiß, dass ich eine große Verantwortung habe. Ich werde mit Sicherheit nicht alles richtig machen in den nächsten fünf Jahren, aber wer das von sich behauptet, hat eh schon verloren." Auf die Frage, ob er ein knapperes Ergebnis erwartet hätte, sagt er: "Man rechnet wirklich mit Vielem." Besonderen Dank richtet er speziell an seine Konkurrenten von der FDP und den Linken. Das sei ein faires Miteinander gewesen, ein Streit um die Sache.

In Zwickau-Stadt (Wahlkreis 7, Zwickau 3) ist es am längsten spannend. Mandatsinhaber Gerald Otto (CDU) gewinnt dann aber nach Auszählung der 59 Stimmbezirke mit 700 Stimmen Vorsprung vor seinem ärgsten Konkurrenten Wolfram Keil (AfD). Vor allem die Briefwähler haben für Otto gestimmt. "Ich bin erleichtert und dankbar", sagt er. "Der Wahlkampf war so anstrengend wie überhaupt noch nie. Und es war irre knapp." Den Wahlsieg der Union führt er auf den Einsatz von Ministerpräsident Michael Kretschmer zurück, dem es gelungen sei, "gegen den Trend die Herzen zurückzuerobern", sagt Otto.

"Ich bin dankbar und demütig zugleich", sagt Ines Springer (Wahlkreis 8, Zwickau 4). Wenn man zum dritten Mal antrete und zum dritten Mal gewinne, sei dies keine Selbstverständlichkeit. Die Verantwortung und die Aufgabe bestünden nun darin, die momentan gespaltene Gesellschaft wieder zusammenzuführen. Springer wäre zwar wohl auch über die Landesliste in den Landtag eingezogen, ihr Anspruch war es aber, das Direktmandat zu gewinnen. "Ein Zusammengehen mit der AfD im Landtag ist mit mir nicht zu machen", sagt sie.

Jan Hippold (CDU, Wahlkreis 9, Zwickau 5) ist ebenfalls erleichtert: "Ich hätte nicht gedacht, dass es so deutlich wird." Der Limbach-Oberfrohnaer, der nicht über die Landesliste abgesichert war, distanzierte seinen stärksten Konkurrenten, Stefan Frünke (AfD), um mehr als zehn Prozentpunkte. Hippold sagte, sein Wahlkampf habe sich ausgezahlt: Er hatte öfter Stände in den Innenstädten aufgebaut und an Haustüren geklingelt als vor fünf Jahren. (mit sto/jop)

Zum Nachlesen: Liveticker zur Landtagswahl

Zur Wahlpräsentation: Alle Daten aus den Gemeinden und Wahlkreisen


Wahlkreis 5 (Zwickau 1)

Kerstin Nicolaus (CDU)

Langenweißbach, Lichtentanne, Hartenstein, Hartmannsdorf, Hirschfeld, Kirchberg, Crinitzberg, Mülsen, Reinsdorf, Wildenfels, Wilkau-Haßlau

Direktstimmen

Kerstin Nicolaus (CDU)          39,7%

Daniel Dölitzsch (AfD)          29,0%

Thomas Koutzky (Linke)          9,7%

Steffi Heinzig (SPD)          6,5%

Susan Heinrich (FW)          5,8%

Manuel Korn (Grüne)          4,7%

Joachim Roßberg jr. (FDP)          4,6%

Listenstimmen           (2014)          2019

CDU          (46,5%)          39,2%

AfD          (9,5%)          28,9%

Linke          (17,3%)          8,8%

SPD          (10,1%)          6,6%

Grüne          (3,0%)          4,2%

FDP          (3,6%)          3,9%

Freie Wähler          (2,4%)          3,4%

Sonstige          (7,6%)          4,0%

Ergebnis nach 11 von 11 Gemeinden

Wahlbeteiligung (2014: 49%)          67,7%


Wahlkreis 6 (Zwickau 2)

Jan Löffler (CDU)

Zwickau (Stadtwesten), Neukirchen/Pleiße, Werdau, Dennheritz, Fraureuth, Crimmitschau, Langenbernsdorf

Direktstimmen

Jan Löffler (CDU)          39,1%

Christopher Hahn (AfD)          29,8%

Heiko Döhler (Linke)          13,5%

Sebastian Lasch (SPD)          6,8%

André Oehler (Grüne)          6,5%

Leon Köhler (FDP)          4,3%

Listenstimmen           (2014)          2019

CDU          (43,8%)          36,4%

AfD          (8,5%)          28,3%

Linke          (19,6%)          10,8%

SPD          (11,3%)          7,4%

Grüne          (3,4%)          5,1%

FDP          (3,4%)          4,2%

Freie Wähler          (2,1%)          2,2%

Sonstige          (7,6%)          4,6%

Ergebnis nach 7 von 7 Gemeinden

Wahlbeteiligung (2014: 43%)          61,5%


Wahlkreis 7 (Zwickau 3)

Gerald Otto (CDU)

Zwickau, Stadt (ohne Marienthal, Brand und Gebiet Reichenbacher Straße)

Direktstimmen

Gerald Otto (CDU)          32,1%

Wolfram Keil (AfD)          30,0%

René Hahn (Linke)          14,2%

Franziska Laube (Grüne)          7,3%

Stefan Kolev (FDP)          6,2%

Mario Pecher (SPD)          5,5%

Christiane Drechsel (FW)          4,7%

Listenstimmen           (2014)          2019

CDU          (40,0%)          33,5%

AfD          (9,3%)          28,7%

Linke          (21,9%)          11,5%

SPD          (13,1%)          7,6%

Grüne          (4,2%)          6,2%

FDP          (3,2%)          4,3%

Freie Wähler          (1,1%)          2,0%

Sonstige          (7,3%)          5,2%

Ergebnis nach allen Stimmbezirken

Wahlbeteiligung (2014: 39%)          58,8%


Wahlkreis 8 (Zwickau 4)

Ines Springer (CDU)

Remse, Schönberg, St. Egidien, Waldenburg, Meerane, Oberwiera, Lichtenstein, Glauchau, Bernsdorf

Direktstimmen

Ines Springer (CDU)          36,7%

Thomas Seifert (AfD)          27,2%

Marlies Schneider (Linke)          10,7%

Matthias Ulbricht (FW)          7,8%

Felix Beyer (SPD)          7,1%

Nico Tippelt (FDP)          5,3%

Wolfgang Wetzel (Grüne)          5,3%

Listenstimmen           (2014)          2019

CDU          (42,7%)          36,3%

AfD          (8,3%)          25,7%

Linke          (19,0%)          9,9%

SPD          (12,1%)          7,9%

Grüne          (3,5%)          5,2%

FDP          (4,1%)          4,6%

Freie Wähler          (3,1%)          3,9%

Sonstige          (7,3%)          5,4%

Ergebnis nach 9 von 9 Gemeinden

Wahlbeteiligung (2014: 46%)          64,4%


Wahlkreis 9 (Zwickau 5)

Jan Hippold (CDU)

Callenberg, Gersdorf, Limbach-Oberfrohna, Hohenstein-Ernstthal, Niederfrohna, Oberlungwitz

Direktstimmen

Jan Hippold (CDU)          39,6%

Stefan Frünke (AfD)          28,0%

Alexander Weiß (Linke)          13,5%

Iris Raether-Lordieck (SPD)          7,7%

Lars Dörner (Grüne)          6,1%

Florian Groß (FDP)          5,1%

Listenstimmen           (2014)          2019

CDU          (43,6%)          36,4%

AfD          (8,9%)          26,1%

Linke          (18,6%)          9,9%

SPD          (11,7%)          7,4%

Grüne          (3,9%)          5,4%

Freie Wähler          (3,3%)          5,2%

FDP          (3,8%)          4,4%

Sonstige          (6,2%)          4,1%

Ergebnis nach 6 von 6 Gemeinden

Wahlbeteiligung (2014: 46%)          65,6%


Kommentar: Alles beim Alten?

Die fünf Direktmandatsträger für den Landkreis Zwickau, allesamt von der CDU, sind wiedergewählt worden. Trotzdem hat sich in Westsachsen etwas verändert, und zwar nicht erst am Wahlabend. Über die Landesliste dürften es erstmals zwei AfD-Vertreter aus der Region in das sächsische Parlament geschafft haben - Vertreter einer Partei, die im Raum Zwickau ihren Wahlkampf auf ihr vermutetes Klientel zugeschnitten hatte. Via sozialen Netzwerken, mit Wahlständen, einer Anzeigenkampagne und einigen wenigen eigenen Veranstaltungen. Die direkte Auseinandersetzung mit den Mitbewerbern - etwa bei den von der Landeszentrale für politische Bildung und der "Freien Presse" organisierten Wahlforen in Crimmitschau, Zwickau, Meerane und Wilkau-Haßlau - haben die AfD-Männer dagegen weitgehend gescheut. Oder einfach nicht für nötig gehalten. Eine Einstellung, in der sich Verachtung offenbart: nicht nur des politischen Gegners, was niemanden überrascht, sondern auch der Wahlberechtigten, die sich ein Bild von den Kandidaten, ihren Einstellungen und ihrem Umgang mit Kritik machen wollten. Trotzdem haben die Diskussionsverweigerer mehr als ein Viertel der Wähler hinter sich vereinen können - Wähler, die von den anderen offenbar nicht mehr zu erreichen sind.

Nichts also wäre falscher, als zu glauben, es wäre alles beim Alten geblieben. Das wissen die Fünf von der CDU selber ganz genau. Man kann das gut finden oder nicht, aber man muss es anerkennen: Mit großem Einsatz haben sie in den Vorwahlwochen das Ruder noch einmal herumgerissen. Nun müssen sie nur noch für die Zukunft einen besseren Kurs finden.

Bewertung des Artikels: Ø 3.3 Sterne bei 3 Bewertungen
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...