Charmant und verschmust: "Eisbrecher" Henry

Familie Weigel hätte sich gern besser auf ihren besonderen Sohn vorbereitet. Heute reichen ihr Wissen und ihre Kraft sogar für zwei Trisomie-21-Kinder.

Glauchau.

Die Diagnose nach der Geburt ihres Sohnes fuhr Jana Weigel ins Mark: Trisomie 21. Henry, eines von heute fünf Kindern der Glauchauer Familie, hat 47 statt 46Chromosomen. "Ich hätte das Kind nie abtreiben lassen, aber ich hätte gern früher gewusst, dass es ein besonderes Kind wird", sagt die 34-jährige Diplom-Sozialpädagogin.

Zeit für intensive Beschäftigung mit dieser Anomalie blieb ihr nicht. Henry kam mit schwerem Herzfehler auf die Welt. "Diese Sorge stand für uns im Vordergrund", sagt der 39-jährige Vater Johannes Weigel, der selbstständig ist. Es folgten zahlreiche Krankenhausaufenthalte und Therapien. Henry geht heute in die erste Klasse der Dr.-Päßler-Schule in Meerane. "Wir sind sehr zufrieden", sagt die Mutter.


Mit der Diagnose zerplatzten bei den Eltern viele Träume. Wird dieses Kind je Rad fahren, einen Führerschein machen können, heiraten, fragten sie sich. Heute sind die Antworten nicht mehr wichtig, Weigels haben seit kurzem noch ein Kind mit Trisomie 21 in ihrer Familie, ein Pflegekind, das ihrer Meinung nach nicht in ein Heim gehört.

Nachdem Henrys kaputtes Herz repariert wurde, kam die Kraft. Er begann zu robben, zu krabbeln, zu hüpfen. "Heute ist er ein richtiger Draufgänger, klettert, fährt sogar Fahrrad und schwimmt schon ein paar Meter", erzählt die Mutter. Der Achtjährige probiert viel, ist ausdauernd, zudem unheimlich charmant, verschmust, fast immer gut gelaunt. "Ein richtiger Eisbrecher. Er lebt im Hier und Jetzt", sagt die Mutter.

Logo- und Ergotherapeuten kommen in die Schule, die Eltern gehen mit ihm zur Krankengymnastik ins Schwimmbad. Obwohl Henry erst seit ein paar Monaten in die Schule geht, kennt er schon alle Buchstaben. Frühes Lesen ist nicht untypisch für Kinder mit Down-Syndrom. Dafür dauere es beim Sprechen. Und Verstehen: Die Eltern haben sich angewöhnt, kurze Sätze zu formulieren. Geh ins Bad und putz die Zähne - so rede niemand mit Henry. Stattdessen: Geh Zähneputzen. Das klappt. Es brauchte seine Zeit, bis er allein auf die Toilette ging. Sein Draufgängertum sei auch damit begründet, dass er Risiken schlecht einschätzen könne.

Weigels geben ihm die Zeit, die er benötigt. "Bei den anderen Kindern haben wir viel verpasst, weil sie sich so rasant entwickelt haben. Bei Henry geht alles langsamer", sagt die Mutter und gibt zu, das zu genießen:. "Wir haben schließlich Kinder bekommen, um sie zu begleiten." Ihr Mann ergänzt: "Unsere Kinder müssen keine Raketenforscher werden, sie sollen glücklich sein."

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