Cineastisch gut

Kulturkolumne: Wo es diesen Monat in Zwickau geklatscht hat - oder auch nicht

Jede Stadt soll sich glücklich schätzen, die ein Kino hat. Dieser Überzeugung ist Maik Honscha, seit Kindesbeinen glühender Cineast - und jetzt im Erwachsenenleben Regionalleiter der Firma Kieft und Kieft Filmtheater Sachsen. Demzufolge kann sich Zwickau gleich doppelt glücklich schätzen, denn in der Stadt gibt es zwei Kinos: das "Casablanca" im "Alten Gasometer" an der Kleinen Biergasse und den Filmpalast "Astoria" am Poetenweg - letzterer mit gleich acht Kinosälen. Diese beiden Filmstätten bescheren uns Zwickauern demnach insgesamt das Neunfache an Glücksgefühlen.

Na gut, im "Casablanca" ist zwar immer nur dienstags ab 20 Uhr Kinozeit, die sich dann auch auf nur einen Film beschränkt. Dafür ist diese Spielzeit stets bestückt mit ausgesuchten "Perlen" aus Dokumentar- und Kinofilmen. Im "Astoria" dagegen gibt es Kino an 365 Tagen im Jahr - da kann es natürlich nicht nur ein paar ausgewählte "Perlen" geben, dafür aber Kinostreifen für jeden Geschmack und dazu auch noch in hervorragender technischer Qualität. Ergänzt wird das im Filmpalast alles durch zahlreiche Extras - darunter das Seniorenkino, das viel, viel besser ist, als es die Bezeichnung vermuten lässt: Es gibt Kaffee und Kuchen zu speziell ausgewählten Filmen. Zudem können Musikliebhaber hier auch wunderbare Konzerte und sogar Opern erleben - als Aufzeichnungen oder Live-Übertragungen wie in der wunderbaren Reihe "MetOpera", die auch einen Blick hinter die Kulissen des weltberühmten Metropolitan Opera House in New York City gewährt.


Etwas Seltsames gibt es speziell im Kino allerdings. Egal, wie gut ein Film ist, wie oft er mit "Oscars" prämiert wurde und wie viel wir dabei gelacht, geweint oder uns vielleicht gegruselt haben: Es wird am Ende nie geklatscht. Ich meine, es gibt nie Applaus. Als das Kino noch laufen lernte und noch nicht sprechen konnte, da gab es am Klavier Livemusik und wohl auch noch den Applaus. Ist ziemlich lange her. Aber wenn man sich so überlegt: Im Flugzeug spielt gar keine Musik, und doch gibt es Applaus - für den Piloten nach der Landung (vor allem von deutschen Passagieren). Es ist sowieso so eine Sache mit dem Applaus. Bei symphonischen Konzerten ist es verpönt, zwischendurch zu applaudieren, bei Jazzkonzerten gehört es zum guten Ton nach den Soli. Auch im Musical darf gerne zwischendurch geklatscht werden, was die Zwickauer beispielsweise auch mit Begeisterung bei den "Love me Tender"-Sommertheater-Vorstellungen des Theaters Plauen-Zwickau zelebrierten.

Das Theater macht zurzeit Fe- rien, das Kino nicht. Vor genau einer Woche eröffnete Regionalleiter Maik Honscha das Kino 1 des Filmpalastes "Astoria" in Zwickau wieder. Hier kommen vor allem in der letzten Sitzreihe des 259 Plätze fassenden Kinosaals die ganz hart gesottenen Cineasten wie Honscha, aber auch alle Action- und Fantasyfilm-Liebhaber auf ihre Kosten. Denn in den 15 sogenannten D-Box-Filmsesseln erleben die Zuschauer seit der Einweihung des Kinos 1 die Filme nicht nur in 3, sondern in 4D. Das heißt: Schaut man einen, sagen wir "Fast & Furios"-Film, fühlt man sich wie der Autofahrer selbst beziehungsweise ein Insasse, der mit rasender Geschwindigkeit versucht, den Verfolgern zu entkommen oder gerade selbst auf einer Verfolgungsjagd ist.

Ich liebe Kino so wie Maik Honscha seit frühester Kindheit. Nun freue ich mich persönlich auf den "König der Löwen". Der läuft seit Donnerstag im Kino - ganz ohne echte Tiere, Dressur und Löwendompteure. Einfach am Computer animiert, erzählt der Film mit modernsten Mitteln eine ergreifende, im besten Sinne cineastische Geschichte.

Kulturbürger des Monats Juli sind die Geschwister Marlis und Heiner Kieft, die sich persönlich um die Modernisierung und die Neugestaltung des Filmpalastes "Astoria" in Zwickau kümmern. Damit setzen sie ihr wichtigstes Vorhaben, das Kino als Kulturstätte zu erhalten und weiterzuentwickeln, in die Tat um.

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