Kinder ernten und kochen dort gemeinsam, hören Geschichten und wachsen als Gruppe zusammen. Der Ort ist Rückzugsraum, Abenteuerspielplatz und Halt zugleich. Doch wie lange noch?
Wenn draußen die Lichterketten leuchten und das Jahr langsam zur Ruhe kommt, blickt Reyk Colditz zurück – und nach vorn. „Weihnachten ist immer so ein Punkt, an dem man innehält“, sagt der Leiter des Freizeitzentrums „Alter Bahnhof“ in Wilkau-Haßlau. „Man schaut, was war – und fragt sich, wie es weitergeht.“ Seine Gedanken wandern dann oft zu einem besonderen Ort: dem Indianercamp in Silberstraße.
Im Sommer knistert dort das Feuer im großen Tipi. Kinder sitzen im Kreis, hören Geschichten, trommeln, lachen. Sie ernten Kartoffeln und Möhren, putzen sie gemeinsam und kochen daraus Suppe über dem offenen Feuer. „Die Kinder haben dann praktisch ein Essen, das sie selbst geerntet und zubereitet haben“, erzählt Colditz. „Das ist wirklich von früh bis spät eine Gesamterfahrung.“
Material in die Jahre gekommen
Jetzt, in der kalten Jahreszeit, liegt das Camp still. Das Tipi ist abgebaut, trocken eingelagert. Doch die Winterpause bringt keine Entspannung. „Man merkt einfach, dass das Material irgendwann in die Jahre kommt“, sagt Colditz. Der Zeltstoff wird spröde, Spielgeräte müssen regelmäßig geprüft werden, neuer Fallschutz ist nötig. „Ohne Spendengelder ist das nicht aufrechtzuerhalten.“
Dabei begann alles mit einer Idee. Anfang der 2000er-Jahre stellte die Stadt dem Sprach-, Bildungs- und Beratungszentrum eine Streuobstwiese zur Verfügung. „Das war ein alter Obsthain, der wurde begradigt und aufgefüllt“, erinnert sich Colditz.
Ein Mitarbeiter erkannte das Potenzial, entwickelte gemeinsam mit der damaligen Geschäftsführung ein Konzept. Stefan Günther, der spätere Camp-Leiter, brachte handwerkliches Können, Erfahrung und Kontakte ein. „Er hat ganz viel rangeschafft – Bauwagen, Spielgeräte, einen Festbau. Damit ging es eigentlich so richtig los.“
Anlage über die Jahre gewachsen
Mit Fördermitteln der „Aktion Mensch“ kam der nächste Schritt. Ein kleines Tipi wurde aufgebaut, später ein großes Sieben-Meter-Zelt. Über Jahre wuchs das Camp Stück für Stück. „Man hat richtig gesehen, wie es immer ein bisschen mehr wurde“, sagt Colditz.
Menschen mit Wissen über Bräuche und Traditionen wurden eingeladen, Kinder bastelten Kopfschmuck, Traumfänger, bemalten Holzpfähle. „Das Camp ist gewachsen – genau wie die Kinder, die hier waren.“
Mehr als bloß Spaß und Erholung
Heute ist das Indianercamp offen für Schulen, Horte, Familien, für Kindergeburtstage, Zuckertütenfeste und Projekttage. Zwischen zehn und 120 Kinder können hier gemeinsam Zeit verbringen. Bogenschießen, Schatzsuche, Barfußpfad – all das gehört dazu. „Das ist mehr als normale Kinder- und Jugenderholung“, betont Colditz. „Man hat Natur, Gruppengefühl und Sinneswahrnehmung. Das ist wirklich ganzheitlich.“
Viele Kinder, die hierherkommen, tragen schwere Rucksäcke. Sie wachsen in schwierigen Familienverhältnissen auf, einige sind traumatisiert. Für sie ist das Camp ein sicherer Ort. „Unser Ziel ist, dafür zu sorgen, dass sie einen ordentlichen Start ins Leben bekommen“, sagt Colditz. Und fügt nachdenklich hinzu: „Den Weltfrieden werden wir nicht retten können – aber man kann seinen Teil dazu tun.“
Wie Leser helfen können
Zum Jahreswechsel wünscht sich der Sozialarbeiter vor allem Gesundheit und neue Kraft. „Und dass wir wirklich eine geeignete Nachbesetzung fürs Indianercamp finden“, sagt er. „Alleine können wir das niemals zusätzlich stemmen.“ Damit das Angebot erhalten bleibt, braucht es finanzielle Hilfe.
Hier setzt die Aktion „Leser helfen“ der „Freien Presse“ an. Gesammelt wird für die Sanierung des in die Jahre gekommenen Spielplatzes im Indianercamp – für mehr Sicherheit, Inklusion und neue Spielgeräte. Damit auch künftig Kinder lachen, spielen und am Feuer sitzen können.
Wenn zu Weihnachten Kerzen brennen, denkt Reyk Colditz an den Sommer. An Kinder im Tipi. Und an die Hoffnung, dass dieses Feuer auch im neuen Jahr weiter brennt. (tc)






