Darum müssen Covid-19-Genesene auf ihre Impfung warten

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Wegen einer neuen Empfehlung der Impfkommission bleiben viele Pflegebedürftige vorerst ohne Immunisierung. Aus dem Zwickauer Impfzentrum gibt es derweil eine gute Nachricht.

Zwickau.

Zwei mobile Impfteams, gestellt vom Arbeiter-Samariter-Bund und von der Johanniter-Unfallhilfe, machen zurzeit täglich in mindestens einem Pflegeheim im Landkreis Zwickau Station. Am Mittwoch war das Kursana-Domizil in der Zwickauer Nordvorstadt an der Reihe. "Für die Bewohner geht damit ein Herzenswunsch in Erfüllung. Sie können nun neuen Lebensmut schöpfen", sagt Einrichtungsleiter Mike Hahn. Er hatte sich seit Anfang Januar darum bemüht, dass ein Impfteam in sein Haus kommt. Der Einsatz am Mittwoch dauerte zehn Stunden, von 85 Bewohnern wurden 55 geimpft. Dass es nicht noch mehr waren, liegt an neuen Vorgaben der Ständigen Impfkommission (Stiko) auf Bundesebene. Seit Ende Januar sollen demnach Personen, die eine Covid-19-Infektion überstanden haben, erst "etwa 6 Monate nach Genesung geimpft werden".

Im Kursana-Pflegeheim gab es im Dezember einen größeren Corona-Ausbruch - trotz strenger Sicherheitsvorkehrungen, wie Hahn betont. Fast die Hälfte der Bewohner infizierte sich, einige Senioren starben an oder mit Covid-19. Diejenigen, die die Krankheit überstanden, durften nun laut den Stiko-Empfehlungen nicht geimpft werden. "Das war eine Enttäuschung für die Bewohner", stellt Hahn fest. Die Stiko-Regelung hat auch Folgen für die Mitarbeiter des Kursana-Pflegeheims, unter denen es ebenfalls Infektionen gab. Von den etwa 85 Beschäftigten in Pflege, Küche und Reinigung wurde am Mittwoch nur etwa die Hälfte geimpft. Die Impfaktion hat nicht zur Folge, dass die Sicherheitsvorkehrungen im Pflegeheim gelockert werden. Besuche sind nach wie vor nur nach Anmeldung und einem Schnelltest möglich. Diese Bestimmungen gehen auf Vorgaben des Freistaates zurück, die unabhängig von Impfungen vorerst in Kraft bleiben.

Die Impfkommission begründet ihre Empfehlung wie folgt: Erstens seien Nebenwirkungen in Form einer Überreaktion des Immunsystems bei einer Impfung von Covid-19-Genesenen nicht auszuschließen. Und zweitens seien "aufgrund der anzunehmenden Immunität nach durchgemachter Infektion" andere Personen zu priorisieren - auch mit Blick auf den Mangel an Impfstoff. Eine Anfrage, ob die Stiko-Empfehlung in Sachsen bindend ist, ließ das Sozialministerium am Donnerstag unbeantwortet.

Unterdessen sind die Erstimpfungen im Impfzentrum in der Zwickauer Stadthalle fast zum Erliegen gekommen. Ihre tägliche Anzahl lag laut Gerd Gräfe, Pressesprecher für das Impfzentrum, in dieser Woche zwischen 10 und 50. Bei der "Freien Presse" melden sich noch immer Senioren, die ihr Unverständnis darüber ausdrücken, dass sie sich online oder telefonisch zwar registrieren lassen konnten, dann aber immer wieder beim Versuch scheitern, einen Termin vor Ort zu vereinbaren. Das ist auf den derzeitigen Impfstoffmangel zurückzuführen. Auch Gerd Gräfe ist mit der Situation sehr unglücklich. "Wir haben die Impfkabinen inzwischen aufgestockt und könnten pro Tag 300 bis 400 Erstimpfungen durchführen", verdeutlicht er die Lücke zwischen Wunsch und Realität.

So verwundert es nicht, dass eine der beiden Impfstrecken in der Stadthalle in dieser Woche nur stundenweise in Betrieb ist. "Auf der anderen Impfstrecke laufen die Zweitimpfungen aber auf Hochtouren", berichtet Gräfe. Und bei den Erstimpfungen ist etwas Besserung in Sicht: Wegen einer erhöhten Impfstofflieferung könnten ab Samstag mehr Termine angeboten werden. Eine genaue Zahl konnte der Pressesprecher noch nicht nennen.

Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes haben im Landkreis Zwickau bis Anfang dieser Woche im Impfzentrum und in den Pflegeheimen etwa 6600 Personen die erste Impfung erhalten, davon gut 2000 auch die zweite. Nicht in den Zahlen enthalten sind die Impfungen des Personals in Kliniken. Sachsenweit lag die Impfquote (erste Impfung) laut Zahlen des Robert-Koch-Institutes bis Mittwoch bei 2,9 Prozent. Das entspricht fast dem Bundesschnitt von genau drei Prozent.

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22 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    0
    Mittelständisch
    12.02.2021

    "Die Impfkommission begründet ihre Empfehlung wie folgt: Erstens seien Nebenwirkungen in Form einer Überreaktion des Immunsystems bei einer Impfung von Covid-19-Genesenen nicht auszuschließen. Und zweitens seien "aufgrund der anzunehmenden Immunität nach durchgemachter Infektion"[...]"

    Diese Aussage muss ich mir noch mal raussuchen und ausdrucken. Als jemand mit einer labortechnisch bestätigen durchlebten Corona Infektion bin ich also einer Geimpften Person gleichzusetzen. Weil wenn dann Impfstoff da ist, sind solche Aussagen schnell wieder vergessen.

  • 9
    2
    gelöschter Nutzer
    12.02.2021

    Nicht ausgelastet und über ein zweites Impfzentrum quatschen....vielleicht noch im Nachbarort.