Das harte Geschäft mit dem Rummel-Spaß

Sie bringen Freude und Vergnügen: Schausteller. Doch bei ihnen selbst wächst der Frust. Teure Standgebühren, zu wenig Fahrgäste. Das macht das harte Leben unterwegs noch zermürbender.

Zwickau.

Daniela Krause und Bernd Schnabel wollten nie ein anderes Leben. Das Paar aus dem Erzgebirge betreibt ein Kettenkarussell, das hundert Jahre alt ist - und das sich seit mehreren Generationen im Besitz der Familie befindet. Die Familie lebt mit den beiden Kindern unterwegs im Wohnwagen, zieht von Fest zu Fest. Freie Wochenenden gibt es höchstens im Winter; zwischen Weihnachten und Ostern wohnt die Familie in einer festen Bleibe. "Reich wird man damit nicht", sagt Daniela Krause. "Hinter so einem Betrieb stecken enorme Kosten, die niemand sieht." Allein die Wartung des Karussells, das jährlich vom Tüv geprüft werden muss, koste regelmäßig mehrere Tausend Euro.

Diese Kosten stehen teils unkalkulierbaren Einnahmen gegenüber: Das Wetter kann ein ganzes Festwochenende verderben. In vielen Städten sind die Standgebühren hoch. Auf den Dörfern, wo die Gebühren niedrig sind, bleiben oft die Gäste aus. Gerade im Osten Deutschlands. Wer mit Schaustellern in der Region spricht, hört das oft: Lieber fahren sie in den Westen - dort sitzt das Geld ein bisschen lockerer.


Für die Feste in Westsachsen bedeutet das: Schausteller bleiben aus. In Gersdorf hatten im Juni Fahrgeschäft-Betreiber ihre Dienste zur 850-Jahr-Feier plötzlich abgesagt - der Rummel stand vor dem Aus. Bürgermeister Erik Seidel (parteilos) rief öffentlich um Hilfe, doch die großen Attraktionen mussten ausbleiben. Klaus Illgen vom Mitteldeutschen Schaustellerbund kennt die Probleme natürlich gut. In diesem Juli musste die Kirmes in Glauchau entfallen, weil sich schon im Vorfeld nicht genug Unternehmer fanden, die mit ihren Fahrgeschäften anreisen wollten. Diese waren planmäßig kurz vorher allesamt bei der Annaberger Kät gebunden - eines der wenigen Volksfeste, bei denen der Besucherandrang garantiert ist. Ein Geschäft also, das sich niemand entgehen lässt. Auch das Kettenkarussell von Daniela Krause und Bernd Schnabel drehte sich in Annaberg - zum 74. Mal in Folge. "Glauchau fassen wir aber für nächstes Jahr wieder ins Auge", sagt Illgen. Der Standort dort sei prinzipiell nämlich sehr geeignet. Eine Möglichkeit: Der Rummel in Glauchau könnte in Zukunft vielleicht nur noch alle zwei Jahre stattfinden. Das könnte nach Einschätzung der Experten helfen, die Besucherzahl zu stabilisieren.

Genau darin liegt das Kernproblem, weiß Illgen vom Verband. Mehr Besucher brächten den Schaustellern allerdings nur etwas, wenn die Menschen dann auch bereit sind, die Fahrgeschäfte zu nutzen. Fallen Feste aus, beschweren sich die Leute lautstark, auch in sozialen Medien im Internet - aber genau so oft, sagt Illgen, motzen die Gäste über die Preise der Fahrgeschäfte.

Daniela Krause und Bernd Schnabel versuchen bei allem Stress, sich nicht vom Schausteller-Dasein zermürben zu lassen. Zu leidenschaftlich führen sie dieses besondere Leben, zu eng fühlen sie sich mit der Familientradition verbunden - ihren Kindern jedoch wollen sie Routine und Normalität bieten, so gut es eben geht. Und dafür wiederum nehmen sie weitere Kosten in Kauf: Die Kinder werden jeden Tag zur selben Schule gefahren, müssen nicht ständig wechseln, wie es bei Schaustellerfamilien häufig der Fall ist. "Manchmal fahren wir bis zu 60 Kilometer zur Schule", sagt Mutter Daniela Krause.

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