"Das Problem ist: Es rechnet sich nie"

ZEV-Geschäftsführer Volker Schneider über das Nein des Unternehmens zu Aufbau und Betreuung eines Glasfasernetzes in Zwickau

Zwickau.

Die Zwickauer Energieversorgung (ZEV) will kein Glasfasernetz in der Stadt verlegen und betreiben. Michael Stellner sprach darüber mit dem kaufmännischen Geschäftsführer Volker Schneider.

Freie Presse: Herr Schneider, was haben Sie gegen das Internet?

Volker Schneider: Nichts. Ich nutze es ja selbst, wir nutzen es im Unternehmen, alle nutzen es. Ich will nur verhindern, dass die ZEV darunter leidet.

Im Stadtrat wurde nun schon mehrfach vorgeschlagen, ein eigenes Breitbandnetz herzustellen, das von der ZEV ausgebaut und betrieben werden soll. Warum wollen Sie das nicht?

Weil es keinen Sinn ergibt, ein Geschäft zu machen, das sich nicht rechnet. Wir würden in jedem Fall Verluste machen. Das ist aber nicht einmal alles. Im Wesentlichen sprechen drei Gründe ganz entschieden dagegen.

Nämlich?

Der Ausbau wäre erstens nicht wirtschaftlich, er wäre zweitens - wie sich jetzt herausgestellt hat - in dieser flächendeckenden Dimension überflüssig, und drittens kann der Stadtrat solche Entscheidungen für die ZEV überhaupt nicht treffen. Die ZEV gehört schließlich nicht der Stadt alleine.

Warum würde es sich nicht rechnen, ein Glasfasernetz in Zwickau auszubauen und zu betreiben?

Das haben wir in unserer Betrachtung untersucht, die dem Stadtrat vorgelegt wurde. Wir würden nach jetzigem Stand 85 Millionen Euro für den Ausbau bezahlen - wegen steigender Baupreise am Ende wahrscheinlich noch einmal deutlich mehr -, und wir würden alles aus eigener Tasche bezahlen müssen. Dann müssten wir die Kunden auch noch überzeugen, ihrem bisherigen Internetanbieter zu kündigen und zu uns zu wechseln.

Wie viele Kunden bräuchten Sie denn, damit das Projekt wirtschaftlich wird?

Das Problem ist: Es rechnet sich nie. Selbst wenn wir 100 Prozent der Anschlüsse hätten, jeder einzelne Zwickauer Haushalt über die ZEV sein Internet beziehen würde, was natürlich völlig utopisch ist, würden wir auf sehr lange Sicht Verluste schreiben.

Aber Stadtwerke anderer Städte bauen und betreiben doch auch ein eigenes Netz. Chemnitz, Meerane und Plauen zum Beispiel. Wieso können die das?

Dort ist die Situation eine ganz andere. Dort haben die Telekommunikationsanbieter keinen Ausbau angemeldet. In dem Fall greift eine Förderregelung, das heißt, nach einer Wirtschaftlichkeitsanalyse schließen Bund und Land die sogenannte Wirtschaftlichkeitslücke.

Anders gesagt: Dort bezahlt die öffentliche Hand einen Großteil der Kosten für den Ausbau.

In Zwickau ist das aber nicht der Fall. Hier haben die Anbieter einen Ausbau signalisiert, auch wenn der dann lange nicht gekommen ist, aber das ist für die Förderregelung egal. Die ZEV würde also jetzt keinen Cent Fördergeld bekommen, und damit könnten wir die Ausbaukosten nie wieder einspielen. Abgesehen davon ist auch ein Ausbau über Fördermittel immer mit Risiken verbunden, wie man in Plauen sieht.

Sie meinen, weil die dortigen Tiefbaukosten für den Glasfaserausbau aus dem Ruder gelaufen sind und die Stadt und die Envia M 2 Millionen Euro zuschießen mussten.

So etwas macht einen vorsichtig.

Sie haben vorhin außerdem davon gesprochen, dass der Ausbau überflüssig wäre. Warum?

Weil laut Breitbandatlas inzwischen 83 Prozent der Zwickauer Haushalte einen Anschluss von 50 Mbit pro Sekunde und damit sehr schnelles Internet haben.

Reichen 50 Mbit für die Zukunft?

Momentan gibt es in Privathaushalten so gut wie keine Nachfrage nach höheren Bandbreiten. Und bevor wir uns über die Zukunft unterhalten, blicken wir einmal kurz zurück: Wenn ich vor 25 Jahren jemanden angerufen habe, musste ich nicht fragen, wo er gerade ist. Er war zuhause neben seinem Festnetz-Telefon, ganz klar. Dass irgendwann jeder ein Smartphone haben würde, konnte sich keiner vorstellen. Also wenn wir heute über die Zukunft reden, wer sagt uns denn, dass in 25 Jahren Glasfaser überhaupt noch eine Rolle spielt?

Zu dem Zeitpunkt, als der Stadtrat intensiv über eine Beteiligung der ZEV am Glasfaserausbau gesprochen hat, waren viel weniger Haushalte angeschlossen. Hätte sich für die ZEV dann ein Ausbau zu einem früheren Zeitpunkt gelohnt?

Nein, nie. Weil die Situation immer so war, dass die Telekommunikationsunternehmen einen Ausbau in Zwickau signalisiert hatten. Übrigens sind wir, was den Anschluss von Schulen anbelangt, mit der Stadt in intensiven Gesprächen.

Sie haben anfangs noch einen dritten Punkt angesprochen, nämlich dass der Stadtrat solche Entscheidungen für die ZEV gar nicht treffen könne. Weshalb?

Wir haben neben der Stadt noch zwei weitere Gesellschafter, die Envia M und die Thüga AG. Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Aufsichtsrat solchen Plänen zustimmen würde. Denn eigentlich soll er ja Schaden vom Unternehmen abhalten.

Wurde im ZEV-Aufsichtsrat je über eine Beteiligung am Glasfaser-Ausbau gesprochen?

Nein. Da sich diese Frage überhaupt nicht stellt und wir nur Beschlüsse vorbereiten, die wirtschaftlich umgesetzt werden können, gab es dazu bisher keinen Gesprächsbedarf.

1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 8
    2
    Pixelghost
    25.10.2019

    Der in Deutschland am häufigsten verwendete Satzanfang: Das Problem ist...



Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
Mehr erfahren Sie hier...