Das rote Büchermobil rollt weiter

Die Krise und ich: Menschen aus Westsachsen berichten, wie sie der Coronakrise begegnen. Diesmal: Buchhändler Berthold Freitag aus Zwickau.

Zwickau.

Seit acht Jahren ist das Team der Buchhandlung Marx aus Zwickau mit einem rot lackierten Piaggio Ape in Zwickau und Umgebung unterwegs, um die Kunden mit literarischem Nachschub zu versorgen. Doch so oft wie in diesen Tagen hat Berthold Freitag, in vierter Generation Inhaber von Zwickaus ältester Buchhandlung, noch nie den Zündschlüssel des motorisierten Dreirades umgedreht. "Ich schätze, dass wir derzeit viermal soviele Touren absolvieren wir vor der Corona-Krise", sagt der 62-Jährige. Nachdem auch sein Geschäft am 19. März für die Kunden schließen musste, ist der Lieferservice derzeit eine seiner beiden Haupteinnahmequellen. Der andere ist der Onlineshop, die Lieferung übernimmt in dem Fall der Buchgroßhändler.

Wegen rückläufiger Umsätze hat Freitag seine Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Dennoch sieht er in der Krise auch Chancen:  "Wir haben viele Bestellungen von Menschen, die wir bisher noch nicht in unserer Kundenkartei hatten. Ich glaube, vielen ist bewusst, dass wir es alle zusammen in der Hand haben, wie die regionale Wirtschaft nach dieser Krise aussehen wird", sagt der Buchhändler.

Zu Gute kommt Freitag derzeit, dass der Onlineversandhändler Amazon, die Bücher derzeit eher links liegen lässt. "Ich hoffe, dass wir jetzt viele Kunden davon überzeugen können, dass wir mindestens genauso gut sind wie der Onlinebuchhandel", sagt er. Bei der Lieferung per Motor-Dreirad wird eine Plastiktüte an den Kunden übergeben. Die geltenden Hygienestandards werden damit eingehalten.

Während andere Buchhändler davon berichten, dass sich Albert Camus "Die Pest" gerade richtig gut verkauft, haben Kunden aus Zwickau und Umgebung in den vergangenen Tagen in der Buchhandlung Marx Lutz Seilers "Stern 111" besonders oft gekauft. Für dieses Werk hatte Seiler erst jüngst den Preis der ausgefallenen Leipziger Buchmesse erhalten. (kru)

Transparenzhinweis: Der Verfasser dieses Beitrags ist annähernd Stammkunde bei der Buchhandlung Marx, hat sich dennoch um größtmögliche Sachlichkeit bemüht.

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