Das sind die neuen Ortsvorsteher

In zwei der sechs Zwickauer Ortsteilen gibt es neue Ortsvorsteher, viermal wurden die Amtsinhaber wiedergewählt. Eines ist gleich geblieben: Der Chefsessel in den Gemeindevertretungen ist weiter reine Männersache.

Zwickau.

1895 ist Pölbitz nach Zwickau eingemeindet worden. Es folgten Marienthal, Eckersbach, Weißenborn, Schedewitz, Brand, Bockwa, Oberhohndorf, Planitz (Ober- und Niederplanitz), Auerbach, Pöhlau und Niederhohndorf sowie nach der Wende Hartmannsdorf, Rottmannsdorf, Crossen, Schneppendorf, und vor 20 Jahren Cainsdorf, Mosel, Oberrothenbach, Schlunzig, Hüttelsgrün sowie die Freiheitssiedlung. In sechs der nach 1990 eingemeindete Orte gibt es Ortschaftsräte. Deren Vertreter wurden im Mai neu gewählt. Inzwischen haben diese Gremien alle aus ihrer Mitte oder von außen einen Ortsvorsteher gewählt. Das Ehrenamt bleibt eine Männerdomäne.

In Crossen hat es mit Michael Hillert (40) einen Generationswechsel gegeben. "Ich war 15 Jahre lang Ortsvorsteher und bin der Meinung, da sollte jetzt mal ein Jüngerer ran", begründet Stefan Kramer seine Entscheidung, nicht mehr kandidiert zu haben. Der 73-Jährige, der mit 493Stimmen das beste Ergebnis bei der Ortschaftsratswahl eingefahren hatte, wird aber weiterhin aktiv in dem Gremium mitarbeiten. "Und wenn es gewollt ist, gebe ich meine Erfahrungen gern an meinen Nachfolger, Michael Hillert, weiter. Viele Crossener wenden sich noch gewohnheitsmäßig an mich, wenn sie ein Problem haben", so Kramer. Michael Hillert (CDU) sagt, dass er dieses Angebot von Kramer gern annimmt. Er berichtet, dass neben ihm auch Luise Trompelt (Die Linke) zur Wahl ihren Hut in den Ring geworfen hatte. Die Mehrheit entschied sich bei der Wahl des Ortsvorstehers aber für Hillert, der bereits als CDU-Stadtrat in Zwickau kommunalpolitische Erfahrungen gesammelt, bei der jüngsten Stadtratswahl im Mai aber den Wiedereinzug in das Gremium verpasst hat. Als Ortsvorsteher will er sich dafür einsetzen, dass "sich an der Muldenbrücke etwas tut. Außerdem wollen wir als Ortschaftsrat den Schwung der 800-Jahr-Feier nutzen, um das Dorfleben weiter zu fördern. Crossen ist ein beliebter Wohnort. Da gilt es, auch neue Einwohner gut in die Dorfgemeinschaft zu integrieren", sagt er.


In Schlunzig gibt es mit René Kunz ebenfalls einen neuen Ortsvorsteher, nachdem Vorgänger Frank Hochberg nicht wieder zur Wahl angetreten war. Der neue Ortsvorsteher René Kunz ist parteilos und kein Mitglied im Ortschaftsrat. "Die interessante Altersstruktur des neu gewählten Ortschaftsrates - junge Mitglieder und schon erfahrene - hat den Ausschlag dafür gegeben, dass ich der Bitte des Rates nachgekommen bin und den Posten übernommen habe", sagt der 45-Jährige, der als Einkäufer in einem mittelständischen Maschinenbaubetrieb arbeitet. "Ein weiterer Grund ist die gelungene 800-Jahr-Feier in diesem Jahr. Die positiven Eindrücke und den Zusammenhalt im Dorf wollen wir im Ortschaftsrat mitnehmen und fördern. Als absoluter Neuling kann ich noch keine konkreten Vorhaben für die nächsten Jahre nennen. Wir werden eine Ortsbegehung machen und bis zum Jahresende Ziele formulieren."


In Cainsdorf hatte Gerd Drechsler (CDU), der seit 2014 Ortsvorsteher in Cainsdorf ist, bei der Kommunalwahl im Mai mit 1321 Stimmen das beste Ergebnis im Ortschaftsrat eingefahren. Er kandidierte als einziger für den Posten des Ortsvorstehers und wurde einstimmig wiedergewählt. "Unser Ortschaftsrat hat sich vorgenommen, in dieser Wahlperiode das Turnerheim fertig zu sanieren", sagt der 70-Jährige. "Außerdem will ich mich als Stadtrat und Ortsvorsteher für bessere Straßen in Cainsdorf stark machen, wenigstens eine Deckensanierung erreichen."


In Rottmannsdorf hat Eckard Hertel (BfZ) bereits zum fünften Mal das Vertrauen als Ortsvorsteher vom Ortschaftsrat erhalten. Der selbstständige Elektrohandwerksmeister wurde einstimmig wiedergewählt. "Unser Ortschaftsrat will in dieser Wahlperiode den dörflichen Charakter von Rottmansdorf als Satellit der Stadt Zwickau weiter bewahren", nennt der 64-Jährige das wichtigstes Vorhaben für das ehrenamtliche Gremium.


In Mosel ist Reiner Seidel (CDU) einstimmig als Ortsvorsteher wiedergewählt worden. Er bekleidet das Amt bereits seit vielen Jahren. Der 74-Jährige, der mit 773 Stimmen bei der Ortschaftsratswahl das beste Ergebnis erzielt hat, war der einzige Kandidat für das Amt. "Bei einer Ortsbegehung mit Vertretern der Fachämter der Stadtverwaltung Zwickau wollen wir als Ortschaftsrat sehen, was in dieser Wahlperiode in Mosel nötig und machbar ist", sagt der Schlossermeister in Rente, der bis vor Kurzem auch Mitglied im Stadtrat war, bevor er zur Wahl im Mai nicht mehr antrat.


In Oberrothenbach wurde Carsten Schick (Freie Wählervereinigung Oberrothenbach) einstimmig wiedergewählt. Schick ist bereits seit der Eingemeindung 1999 Ortsvorsteher. Außerdem sitzt er für die FDP im Stadtrat, was möglich ist, weil die Oberrothenbacher Wählervereinigung und die FDP bei Wahlen nicht gegeneinander antreten. Der Vorruheständler, der Geschäftsstellenleiter beim RZV Zwickau/Werdau war, hat sich gemeinsam mit dem Ortschaftsrat viel vorgenommen. So will der 61-Jährige die Stadt Zwickau beim Wort nehmen, dass die Freiwillige Feuerwehr 2020 einen neuen Mannschaftstransportwagen und 2021 ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug bekommt. Man sei dabei, die 800-Jahr-Feier für 2021 vorzubereiten. Außerdem will das Gremium dafür sorgen, dass Wanderwege und der Naturlehrpfad erhalten und ausgebaut werden. "Und wir wollen uns dafür einsetzen, dass die Wismut-Sanierung zu einem guten Ende kommt", sagt Schick. Bestürzt sei er darüber, dass nach Borkenkäferbefall ein Großteil des Waldes von Oberrothenbach verschwunden ist. "Mit dem Eigentümer wollen wir erreichen, dass schnell wieder aufgeforstet wird."

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