Das wandelnde Gedächtnis einer ganzen Stadt

Ehrensache! Engagiert in Westsachsen. Heute: Bernd Bammler, der den Batzendorfer Stammtisch gegründet hat und sich für den Erhalt der Stadtgeschichte einsetzt.

Hohenstein-Ernstthal.

Aufgeschrieben hat er wenig. Wenn Bernd Bammler seine Anekdoten zur Geschichte von Hohenstein-Ernstthal zum Besten gibt, dann kommen die alle aus seinem Gedächtnis. Es gibt kaum etwas, das er nicht über die Stadt weiß. Das sagt er auch selbst. Kein Wunder, dass er auch im Geschichtsverein von Hohenstein-Ernstthal aktiv ist. Mit dem Batzendorfer Stammtisch - benannt nach einer fiktiven Dorfgemeinde in Ernstthal - hat er dort auch einen eigenen Arbeitskreis gegründet.

Jeden letzten Dienstag im Monat, immer um 19 Uhr trifft sich der Stammtisch. Das ist Gesetz - da versteht Bernd Bammler auch keinen Spaß. Die Treffen sind eine Mischung aus Geschichtsvortrag und Freundestreffen. Am Anfang gibt es immer einen Vortrag über irgendein Thema. Meist, so sagt Bammler, hält er diesen selbst. Da geht es mal um die Kneipen der Stadt, mal um Karl May, mal um den Sachsenring. "Nächstes mal geht es um den 90.Geburtstag meiner Mutter", sagt Bammler und fügt hinzu: "Da werden sicher viele alte Geschichten ausgetauscht." Nach dem Vortrag kommt stets der gemütliche Teil. "Da werden dann auch ein, vielleicht sogar zwei Bier getrunken", scherzt Bammlers Frau Ulrike.


Sie selbst, so sagt sie, ist eher im Hintergrund tätig. "Mein Mann kann nicht so mit Computern. Deshalb muss ich für ihn im Internet immer nach Sachen suchen", erklärt sie. Dass ihr Mann kaum etwas aufschreibt, darüber ist sie auch ein Stück weit froh. Denn schon jetzt füllt seine Sammlung an Dokumenten, Bildern und Filmen eine ganze Schrankwand. Ist er in ein Thema vertieft, so sagt Ulrike Bammler, dann ist auch schon mal das ganze Wohnzimmer voller Dokumente. "Ich lasse ihn da aber gewähren", meint sie.

Bernd Bammler weiß, dass sein Wissen einen Wert hat. Deshalb will er es auch teilen. Und tatsächlich denkt er schon seit einer Weile darüber nach, einiges davon in ein Buch zu fassen. "Aber da habe ich ja keine Zeit für", klagt der Ruheständler. Als er in Rente ging, da habe er gedacht, dass er endlich mehr Zeit in die Geschichtsarbeit stecken kann. "Das war ein ganz großer Fehler", sagt er mit einem Schmunzeln.

Immer wieder kommen Menschen mit Bildern und Fragen zu ihm. "Meinen Mann, den kennt hier jeder", sagt seine Frau. Er ist eben ein echtes Original der Stadt. So sieht das auch Silvio Leipziger. Schon als der Stammtisch sich immer im "Kästl", einer inzwischen geschlossenen Kneipe in Hohenstein-Ernstthal getroffen hat, war er immer dabei. "Der Bernd ist für uns wirklich wichtig. Ohne ihn würde der Stammtisch kaum funktionieren", sagt er. Bammler, so sagt Silvio Leipziger, ist nicht nur ein Lexikon. Er baut auch viele Kontakte auf, bekommt so immer wieder neue Geschichten erzählt. Und diese neuen Geschichten ergeben auch immer wieder neue Fragen.

"Das ist eine verzwickte Sache", meint Bernd Bammler. Denn ist eine Frage geklärt, gibt es schon wieder hundert neue. Auch wenn er viel über die Stadt weiß - immer wieder lernt er auch Neues. Genau das, und das Treffen mit dem Stammtisch, ist für ihn auch der Spaß an der Sache.


Die Stadtgeschichte im Fokus

Der Geschichtsverein von Hohenstein-Ernstthal besteht seit 2002. Dessen Ziel ist es nicht nur, die Geschichte der Stadt zu erforschen, sondern die Ergebnisse der eigenen Arbeit auch zu präsentieren. Damit versucht der Verein auch das Geschichtsbewusstsein zu fördern.

Zur Gründung des Geschichtsvereins hat sich Bernd Bammler dafür eingesetzt, dass eine Aufteilung in einzelne Arbeitskreise möglich ist. Einer davon ist der Batzendorfer Stammtisch, den er selbst leitet. Ein weiterer Arbeitskreis beschäftigt sich zum Beispiel mit der Kirchengeschichte der Stadt.

Bei Veranstaltungen präsentiert der Verein die Ergebnisse der eigenen Arbeit. So wird es zum Beispiel am 21. Juli, 19 Uhr, im Textil- und Rennsportmuseum von Hohenstein-Ernstthal einen Vortrag über die Freimaurerloge und deren Weg von Sachsenfeld über Rüsdorf nach Hohenstein geben. (luka)

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