Dem Talent auf der Spur

Die Ausstellungseröffnung "50 Jahre Förderstudio für Malerei und Grafik" lockte mehr Gäste als erwartet in Zwickaus Galerie am Domhof. Ein besonderes "Hoch" wird dort auf die Farben des Lebens ausgesprochen.

Zwickau.

Während sich kurz vor 11 Uhr im Eingangsbereich die Besucher drängen, räumt Gerhard Bachmann im Atelier noch schnell ein Bild zur Seite. Seit rund 30 Jahren ist er Mitglied und seit fast 20 Jahren künstlerischer Leiter des Förderstudios. "Mitglied kann jeder werden, zwischen fünf und 70 Jahren", sagt der Maler und Grafiker. "Natürlich fördern wir die besondere Begabung. Die Natur vergibt Talent nicht mit der Gießkanne. Dieses Geschenk erhalten nur Einzelne."

Während sich die einen auf Beruf und Studium vorbereiten, sind andere Mitglieder aus Leidenschaft und künstlerischem Impuls dabei, berichtet der Studioleiter. Rund 40 Kinder, Jugendliche und Erwachsene erhalten derzeit die Grundlagen im Zeichnen, im Umgang mit Farbe, in der Arbeit an menschlicher Figur und Porträt. Gleichzeitig werden Fantasie und Kreativität befördert. Ziel sei es, Laienkünstler zu wirklich künstlerischer Leistung zu bringen.

Die 100 Sitzplätze im großen Ausstellungssaal reichen nicht aus, als Siegfried Wagner zur Laudatio vor Oberbürgermeisterin, Kulturamtsleiter, Förderstudio-Mitgliedern und Freunden anhebt. Der Vorsitzende des Kunstvereins Zwickau, dem das Förderstudio seit 1991 angehört, ist zugleich auch dessen Gründungsmitglied. Der 79-Jährige "malt" ein vielfarbiges Bild der fünf Jahrzehnte währenden Arbeit, die auch für ihn künstlerisch und menschlich einen Gewinn darstellt.

Der Abriss reicht von der Gründung des Studios 1968 "als ein Kind der DDR-Kulturpolitik, dessen bildnerisches Volkskunstschaffen näher an die Arbeiterklasse angebunden werden sollte", über die Traditionen der Zeichenschule Carl Michels und Produktivität sowie Kolorit künstlerischer Leiter wie Karl Heinz Jakob, Klaus Matthäi und Gerhard Bachmann bis hin zum Arbeiten und Wachsen in der Gemeinschaft. "Von weit über 100 Mitgliedern haben viele einen künstlerischen Beruf ergriffen, sich einen Namen gemacht."

Zu ihnen gehört Caroline Müller-Karl. Sie kam in Vorbereitung ihres Studiums Maskenbild an der Hochschule für Bildende Künste Dresden zum Förderstudio. "Die fundierte fachliche Anleitung in Malerei und Grafik hat mir dabei ausgezeichnet geholfen", so die Zwickauerin. "Außerdem finden hier persönliche Erlebnisse und politische Diskussionen Raum. Die Mitglieder erhalten die Möglichkeit, ihre eigenen Farben im Leben besser wiederzufinden."

Und die Künstler sprechen die Sprache der Zwickauer: Gegen 15.30 Uhr verlassen die letzten Geburtstagsgäste das Haus. Bis Ende Januar laden rund 100 Bilder, Installationen, Bilderfahnen und Puppen ein zu Entdeckung, Erbauung, Erkenntnisgewinn. Die Geburtstagsfeier geht weiter.

Die Ausstellung ist bis 27. Januar 2019 zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und Feiertag von 13 bis 18 Uhr. Schließtage sind der 24. und 31. Dezember sowie der 1.Januar. Eintritt 3 Euro.


Stimmen

Alexandra Hortenbach, Leiterin der Galerie am Domhof (39): "Unsere letzte Vernissage 2018 endet mit der Geburtstagsfeier einer Institution: Das Förderstudio bereichert in besonderer Weise das kulturelle Leben Zwickaus. Unser Haus nimmt noch stärker am Kunstgeschehen teil. Kinder- und Jugendzirkel bringen Schwung in die Galerie - dienstags und mittwochs ist es immer munter und quirlig bei uns."

Mario Schmidt, Förderstudio-Mitglied (33): "Durch einen Tipp meiner Berufsschullehrerin bin ich im Förderstudio gelandet. Farblehre und Inspiration in der Natur - das habe ich hier gelernt. Ich finde es schön, dass die Ausstellung auch dem Kinderzirkel Raum gibt. Erwachsene können sich durchaus auch von kleinen Künstlern etwas abschauen. Sie werden einmal die Erben unseres Förderstudios sein."

Elke Kunze, Besucherin (59): "Die Eröffnung mit dem spritzigen Trio Frauenrausch passt perfekt zu den farbenfrohen Ausstellungsbildern. Interessant auch der historische Abriss Siegfried Wagners. Ich bin hier mit einer Kollegin von der Partner-Uni der Westsächsischen Hochschule in Bischkek und zwei weiteren Gästen aus Kirgisien. Sie sind beeindruckt. Mir geht das Herz auf." (kabu)

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