Demo-Samstag fällt deutlich kleiner aus

Zum zweiten Mal nach dem gewaltsamen Tod eines Deutschen und den nachfolgenden Ereignissen in Chemnitz demonstrierte in Zwickau die asylfeindliche Bürgeroffensive Deutschland. "Herz statt Hetze" hielt mit dem Grundgesetz dagegen.

Zwickau.

Die asylfeindliche Bürgeroffensive Deutschland um den Meeraner Ralf Großmann hat bei ihrer zweiten Kundgebung nach den Ereignissen in Chemnitz nur noch rund 150 Teilnehmer in Zwickau auf die Beine gebracht. Am 22. September waren es noch etwa 2000 gewesen. Zudem begann die Veranstaltung am Samstagnachmittag auf dem Platz der Völkerfreundschaft mit einiger Verspätung. "Wir hatten Strom angemeldet, aber keinen bekommen", sagte Großmann. Die Organisatoren behalfen sich mit einem Notstromaggregat.

Solche Probleme gab es auf dem Neumarkt nicht, wo zur gleichen Zeit etwa 80 Menschen unter dem Motto "Herz statt Hetze" demonstrierten. Mit dabei auch der Syrer Yousef Ahmad, der gemeinsam mit seiner Frau Hevan einige Lieder vortrug. Der Flüchtling aus Syrien, seit vier Jahren in Deutschland und momentan in einer Ausbildung zum Orthopädietechniker, widmete sich in seiner kurzen Ansprache auch den Demonstranten der anderen Seite. "Es stört mich sehr, dass sie uns Ausländer alle in einen Topf schmeißen", sagte er. So als wären alle Kriminelle oder Terroristen. Es gebe tausende Beispiele von Leuten, die nach Deutschland gekommen sind und hier die Zukunft friedlich gestalten wollen - nicht nur die eigene, sondern auch die der Gesellschaft.

Auf dem Platz der Völkerfreundschaft ging es derweil um das Thema "Gewalt in unserer Gesellschaft", so die Überschrift der Kundgebung. Beklagt wurden Kinder- und Altersarmut, das "marode System" und dass Fremde durchgefüttert würden, statt mehr für deutsche Bürger zu tun. Die Bürgeroffensive, schon vor den Chemnitzer Ereignissen immer wieder mit Kundgebungen in Zwickau aktiv, verwahrte sich zudem erneut dagegen, als Nazis bezeichnet zu werden. Während des anschließenden Demonstrationszuges riefen Teilnehmer Sprüche wie "Merkel muss weg", "Wir sind mehr", "Widerstand" und "Wir sind das Volk".

Beim Passieren des Neumarktes hielten ihnen die dortigen Demonstranten unter anderem Auszüge des Grundgesetzes entgegen; mehrere hatten sich den Mund verklebt. Bis auf einige Beschimpfungen aus den Reihen der Bürgeroffensive blieb es friedlich. Die Polizei hatte diesmal im Vergleich zum 22. September für einen etwas größeren räumlichen Abstand während der Begegnung der beiden Kundgebungen gesorgt. Zur Absicherung waren Zwickauer Beamte sowie Einsatzkräfte der Bereitschaftspolizei Sachsen im Dienst. Angaben zur genauen Zahl der eingesetzten Kräfte wollte die Polizei nicht machen. (mit rpk)

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