Der Absturz der Sarah P.

Wie wird eine 17-Jährige von einer guten Schülerin zu einer mutmaßlichen Mörderin? Diese Frage versuchte das Landgericht Zwickau gestern zu klären.

Zwickau.

Sarah P. (17) und Johnny H. (20) waren einmal ein Liebespaar. Auf der Anklagebank im Zwickauer Landgericht würdigten sie sich gestern jedoch keines Blickes mehr. Die beiden Zwickauer sind angeklagt, im November in Gera einen Mann getötet zu haben, um in den Besitz seines Autos zu gelangen. Damit wollten sie ihre Flucht in die Schweiz fortsetzen.

Wie das Verhältnis der beiden Angeklagten zueinander wirklich ist, das wollte das Gericht gestern herausfinden. Aus ihrer Gefängniszelle schrieb Sarah P. noch flammende Liebesbriefe an Johnny H., mit Wünschen nach einer gemeinsamen Zukunft und einem Kind. Sie stehe immer an seiner Seite, versicherte sie ihm. Wie aber passt die schriftliche Erklärung dazu, die sie am vorvergangenen Verhandlungstag verlesen ließ? Demnach fühlte sie sich von ihrem Freund bedroht. Er habe ihr sogar mit dem Tod gedroht, weil sie angeblich zur Polizei gehen wollte. Angst habe sie gehabt. Ein Widerspruch, zu dem die Verteidigerin in der Verhandlung noch keine Erklärung abgeben wollte.

Auch als die Angeklagte nach ihrer Festnahme in Frankfurt am Main, der Mord war zu dieser Zeit noch nicht bekannt, wieder nach Hause zurückkehrte, erzählte sie davon kein Wort. Vielmehr, so sagte ihre Mutter im Zeugenstand, sei sie ausgehungert und erschöpft gewesen. Bis zur achten Klasse sei ihre Tochter ein ganz normales Mädchen gewesen, das gute Leistungen in der Schule erbrachte, berichtete sie weiter. Mit dem ersten richtigen Freund hätten die Probleme begonnen. "Sie ist in einen Freundeskreis geraten, der ihr nicht gut getan hat", sagte die Frau. Auch Drogen nahm ihr Kind. Das habe sich im Juli 2017, als Johnny H. auftauchte, offenbar geändert. Die Mutter bildete sich zunächst eine gute Meinung vom neuen Freund, der auch mehrmals bei ihnen zu Hause zu Gast war. Immerhin entfernte sich die Tochter durch die Beziehung mit ihm aus dem Dunstkreis der alten Freunde und damit auch von den Drogen.

Doch das positive Urteil war ein Fehlurteil. Laut einer ehemaligen Freundin von Johnny H. konsumierte der junge Mann fleißig Cannabis. Es habe Zeiten gegeben, da stand der Händler fast täglich bei ihnen vor der Tür. Außerdem habe der Angeklagte selbst groß ins Drogengeschäft einsteigen und am Verkauf kräftig mitverdienen wollen. "Er hatte schon ein Kilogramm Rauschgift bestellt", sagte die junge Frau.

Das Verfahren wird am 13. Juni fortgesetzt, dann wird ein Gutachter gehört.

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