Der Ärger mit dem neuen Plan

Nach dem Beschluss ist vor dem Bau: Mit der Abstimmung über das Turnerheim Cainsdorf im Rat sind noch nicht alle Unklarheiten beseitigt.

Zwickau.

Ortsvorsteher Gerd Drechsler (CDU) versteht das Abstimmungsverhalten von Irina Teichert nicht. Im Ortschaftsrat stimmte die Linke-Politikerin dem Umbau des Cainsdorfer Turnerheims noch zu. Während der Stadtratssitzung kritisierte sie das Projekt.

Auch Irina Teichert versteht so einiges nicht. Die Rätin ist ehrenamtliche Behindertenbeauftragte der Stadt und kennt die Baupläne deshalb besser als viele andere. Allerdings sagt sie: "Die Pläne, die ich unterschrieben habe, sind nicht die, über die abgestimmt wurde." Sie fühlt sich hintergangen. Der Ortsvorsteher ist ebenfalls verärgert, sah er doch zur jüngsten Stadtratssitzung seine Felle davonschwimmen. Fast drei Jahre habe er für den Bau gekämpft, sagt er. Dann schien es so, als fände sich für das Vorhaben keine Mehrheit.

Beide Ärgernisse haben den gleichen Ursprung: Als der Rat vor zwei Jahren beschloss, den maroden Gebäudekomplex zu sanieren, legten sich die Bürgervertreter auf eine Summe von 1,2 Millionen Euro fest. Für eine Komplettsanierung exklusive Keller. Als sich abzeichnete, dass dieses Geld hinten und vorn nicht reicht, bestellte die Stadtverwaltung eine abgespeckte Planung. Ziele: Das Gebäude muss nutzbar sein, und 1,33 Millionen Euro müssen reichen. Nun sieht der Plan einen sanierten Keller und ein teilsaniertes Erdgeschoss vor. Das Obergeschoss und das Dachgeschoss bleiben unangetastet. Der Ortschaftsrat bezieht Büros im Erdgeschoss statt in der ersten Etage. "Damit kann ich gut leben", sagt Gerd Drechsler.

Irina Teichert kann das nicht. "Bis vor kurzem war von einem Kellerausbau nicht die Rede", sagt sie. Stattdessen ging es um das Obergeschoss, wofür sie einen behindertengerechten Aufzug forderte. Der diene nicht nur Rollstuhlfahrern, sondern auch Senioren, die auf einen Rollator angewiesen sind. Letztendlich war diese Forderung ein Grund dafür, dass die Stadt als Bauherr nach einem neuen Konzept suchte. "Der Verzicht auf das Obergeschoss und einen Lift erspart uns eine sechsstellige Summe", sagt Baubürgermeisterin Kathrin Köhler (CDU).

Doch das ist nicht Teicherts einzige Kritik. Sie sieht im nun vorliegenden Konzept neben den Räumen für den Ortschaftsrat nur zwei kleine Vereinsräume - zu wenig für die vielen in Cainsdorf ansässigen Vereine. Der Keller bleibe den Sportlern vorbehalten, seien dort doch hauptsächlich Umkleiden und Sanitäreinrichtungen geplant - ebenfalls nicht behindertengerecht. "Ich bin im Ehrenamt und habe keine Weisungsfunktion", räumt sie ein. "Aber die Oberbürgermeisterin hat angewiesen, mir die Pläne zu öffentlichen Bauvorhaben vorzulegen." Dabei sei sie durchaus zu Kompromissen bereit, aber auch darüber müsse man reden, ehe gebaut wird. "Denn wenn erst einmal was fertig ist, kann man kaum noch etwas tun. Dazu bräuchte man einen langen Atem, einen guten Anwalt und sehr viel Geld."

So dramatisch sieht es die Baubürgermeisterin nicht. Sie sagt, es sei noch gar nichts angebrannt. "Frau Teichert wird weiter mit beteiligt - es ist ja noch gar keine Baugenehmigung erteilt." Den Keller sieht sie nicht als zentralen Punkt im Gebäudekomplex. Vieles werde sich im Erdgeschoss abspielen. "Dort gibt es ja noch zwei relativ intakte Säle, die wir nicht anfassen werden." Allerdings sollen Elektro- und Heizungsinstallationen erneuert werden, sodass etwa die Senioren, die Klöppelfrauen oder die Kaninchenzüchter die Säle mit nutzen können.

Ob nach dieser Sanierung tatsächlich nicht weitergebaut wird - dazu wagt keiner eine Aussage. "Im Moment schätze ich die politische Diskussion so ein, dass es erst einmal keinen Nachschlag gibt", so die Baubürgermeisterin.

Bewertung des Artikels: Ø 3 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...