Der Aufbruch der Braunschweiger Jäger

Neun Jahrhunderte, erzählt in einem Jahr - Teil 10: Zwei Anführer, die Napoleon ärgerten.

Zwickau.

Am 9. April 1809 kam es zwischen Frankreich unter Kaiser Napoleon Bonaparte und dem Kaiserreich Österreich, das mit Großbritannien verbündet war, erneut zum Krieg. Auf der Seite der Österreicher kämpfte auch das Freikorps des Herzogs Friedrich Wilhelm zu Braunschweig-Lüneburg, Herzog von Oels und Fürst im Landesteil Braunschweig-Wolfenbüttel (1771-1815). Er war auch als Schwarzer Herzog bekannt. Seine Soldaten wurden wegen ihrer Uniform "die Schwarze Schar" oder "Schwarzes Korps" genannt - und sollten bald auch in Zwickau für einiges Aufsehen sorgen.

Doch der Reihe nach: Napoleon I. hatte im Jahre 1807 das Herzogtum Braunschweig aufgelöst, das gegen ihn gekämpft hatte. Friedrich Wilhelm und Erzherzog Karl von Teschen verpflichteten sich am 25. Februar 1808 in der Konvention von Wien, dass der Herzog eine Truppe von etwa 2000 Mann aufstellen solle, um Österreich im Kampf gegen Frankreich zu unterstützen. Zu dem Korps, das den Namen Herzoglich Braunschweigisches Korps führte, gehörten 1000 Husaren, 1000 Mann leichte Infanterie und 125 Mann berittene Artillerie.


Am 2. Juli 1809 brachen die österreichischen Truppen und ihre Verbündeten auf und marschierten nach Bayern, wo sie sich mit dem napoleonischen Heer mehrere Kämpfe lieferten. Die österreichische Führung hoffte in Süddeutschland auf einen Volksaufstand wie in Südtirol. Die Schwarze Schar ihrerseits kämpfte in Sachsen, Böhmen und Franken. Nach der verlorenen Schlacht bei Wagram (5. und 6. Juli) unter Erzherzog Karl von Teschen und dem Znaimer Waffenstillstand vom 12. Juli 1809 zwischen Österreich und Frankreich sollten die österreichischen Truppen und ihre Verbündeten die Länder, in denen sie standen, eigentlich bis zum 27.Juli verlassen. An diesen Vertrag fühlte sich Herzog Friedrich Wilhelm aber nicht gebunden, weil das Herzoglich Braunschweigische Korps den Befehl erhalten hatte, nach Böhmen zurückzuweichen und sich dort zu ergeben.

Dem widersetzte sich der Herzog. Stattdessen versammelte er seine Truppen bei Zwickau, von wo aus sie Streifzüge unternahmen. Nach einem Gefecht bei Gefrees und der Verfolgung des Gegners bis Bayreuth kehrten die "Schwarzen" am 21. Juli 1809 nach Zwickau zurück. Hier wurden Soldaten für eine zusätzliche Abteilung des Jägerkorps geworben, die von den Zwickauern eingekleidet, bewaffnet und mit Pferden ausgestattet werden mussten. Friedrich Wilhelm beabsichtigte, sich mit seinem Freikorps bis zur Wesermündung durchzuschlagen, um von dort nach England überzusetzen.

Am 24. August 1809 versammelte der Kommandeur auf dem Niederen Anger in Zwickau seine Truppen, die aus drei Bataillonen Infanterie, einem Regiment Husaren, zwei Eskadronen Ulanen, einer Batterie Artillerie mit vier Kanonen und einer Kompanie Scharfschützen bestanden. Bis auf etwa 200 Soldaten und etliche Offiziere folgten die etwa 3000 "Schwarzen", deren Treueschwur "Sieg oder Tod" lautete und die den Totenkopf mit gekreuzten Knochen auf dem Tschako führten, dem Aufruf des Herzogs. Nach einem kampfreichen Marsch (unter anderem gab es Gefechte bei Halberstadt und Ölper) konnte das Schwarze Jägerkorps an der Wesermündung tatsächlich englische Schiffe unter Kapitän George Stuart besteigen, die es nach England brachten. Die Schwarze Schar kämpfte dann unter Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington, in Spanien und nahm an der Entscheidungsschlacht der Alliierten gegen Napoleon I. bei Waterloo (18. Juni 1815) teil.

Auf der Mülsener Höhe bei Zwickau, in der Nähe der Zolleinnahmestelle der Familie Freitag, fand am 29. Mai 1813 ein Gefecht statt, dessen Ausgang Napoleon I. ebenfalls höchst ungelegen kam. Die Freiwillige Jäger-Escadron des brandenburgischen Husaren-Regiments mit Rittmeister Peter von Colomb (1775-1854), den Leutnants von Katte und Eckardt und 92 Husaren unternahm im Hinterland der napoleonischen Truppen Streifzüge. Bei solch einer Gelegenheit überraschte sie eine Abteilung der französischen Armee mit Capitain Bigott, sieben Offizieren und 402 Soldaten.

Die Franzosen, die sich gerade auf dem Marsch von Straßburg nach Dresden befanden, führten 18Kanonen, sechs Haubitzen und 40 Munitions- und Vorratswagen mit, die von den Deutschen bei ihrem Sieg erbeutet wurden. Bei nur einem Toten und sieben Verwundeten auf preußischer Seite verzeichnete die französische Einheit, die mehrheitlich aus Italienern bestand, 32 Verwundete und 305 Gefangene. Die französischen Offiziere kamen in ihrer Heimat vor ein Kriegsgericht. Rittmeister von Colomb stieg später bis zum Generalleutnant - und zur Legende - auf.

100 Jahre später wurde in Zwickau an dieses Gefecht erinnert. Soldaten in den Uniformen der Jäger-Escadron zogen vom Colombstein, dem Denkmal an der Freitagstraße, von zahlreichen Zuschauern bewundert nach Zwickau.

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