Der Plastikgärtner von Kirchberg

Der Drehturm auf dem Altmarkt der Stadt rückt unversehens ins Licht der Öffentlichkeit. Schuld daran sind ein freundlicher, aber offenbar schlecht informierter Helfer und ein Langfinger, der auf Holzlampen steht.

Kirchberg.

Das Leben in einer Kleinstadt besticht immer auch durch einen Hauch von provinziellem Charme. Nicht nur, dass man sich kennt und grüßt. Nein, gelegentlich kümmern sich die Einheimischen sogar um Dinge, die den Bewohnern einer größeren Stadt schlichtweg am verlängerten Rücken vorbeigehen. In Kirchberg ereignete sich jetzt eine kleine Episode, die das eindrucksvoll belegt. Mittendrin Christian Bauer. Er gehört zu einer illustren Truppe, die sich 2011 den Bau einer neuen Pyramide - in Kirchberg Drehturm genannt - auf die Fahne geschrieben hatte. Schon im Folgejahr konnte das gute Stück auf dem Altmarkt erstmals in Bewegung gesetzt werden. Bedingt durch die Sanierung des historischen Platzes musste der Drehturm eine zweijährige Pause einlegen. "Rechtzeitig vor der diesjährigen Adventszeit haben wir den Turm wieder aufgebaut. Seither hat jeden Tag einer aus unserer Truppe mal nach dem Rechten geschaut", erzählt Bauer. Da Anwohner meinten, es gäbe da so ein seltsames Geräusch, wollte er der Sache auf den Grund gehen. Dabei fiel ihm auf der untersten Etage des Drehturms eine kleine Wohnzimmergießkanne auf.

Für den 62-Jährigen lag sofort die Vermutung nahe, dass hier eine hilfreiche Seele am Werk gewesen sein musste. Denn: Auf dem Drehturm befinden sich zwischen den Figuren auch einige Koniferenbäumchen. "Wahrscheinlich hat ein wirklich netter und fürsorglicher Zeitgenosse mitbekommen, dass wir uns nicht um die Pflanzen kümmern, und wollte ihnen einfach ein wenig Wasser zukommen lassen. Irgendwie hat er dann wohl seine Gießkanne vergessen", so Christian Bauer. So löblich das Unterfangen auch gewesen sei, so wenig Erfolg war der Sache beschieden. Denn bei den Koniferen handelte es sich um künstliche Exemplare, die allerdings verblüffend echt aussehen. "Noch bis vor zwei Jahren hatten wir unseren Drehturm wirklich mit echten Bäumchen bestückt. Daher denke ich, hier wollte jemand mit besten Absichten helfen, der das gute Stück schon länger kennt, von unserer kleinen Neuerung aber nichts wusste. Unter diesem Gesichtspunkt ergibt alles einen Sinn."


Christian Bauer, der als Hausmeister an der Kirchberger Grundschule arbeitet, hat die kleine Kanne vorsorglich in Verwahrung genommen. Er würde sie dem Besitzer gern wieder zurückgeben - natürlich ohne das Ganze gleich an die große Glocke zu hängen. Und auch ein anderes Vorkommnis, das leider nicht zum Schmunzeln ist, könnte ohne viel Aufhebens aus der Welt geschafft werden. Seit einigen Tagen fehlt die Froschlampe, die einer der Bergbrüder auf der untersten Etage normalerweise in der Hand hält. Obwohl sich hinter dem kleinen Holzteil kein großer materieller Wert verbirgt, ist sein Verschwinden ärgerlich. "Wir können uns wirklich nicht vorstellen, was jemand mit so einem Stück anfangen will. Und durch die 'Freie Presse' wissen jetzt so viele Leute davon, dass man diese Lampe niemandem zeigen kann, ohne dessen Argwohn zu erregen. Es wäre schön, läge die Froschlampe über Nacht einfach wieder auf der Pyramide. Damit wäre für uns das Problem geklärt", so der Appell von Christian Bauer.

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