Der schwierige Weg zurück

Kreissportbundpräsident Jens Juraschka hat die Notoperation nach einem Skiunfall gut überstanden. Zum Problem wurde aber der Transport von Südtirol nach Zwickau.

Zwickau.

Jens Juraschka kann künftig zweimal im Jahr Geburtstag feiern. Einmal an dem Tag, an dem er das Licht der Welt erblickte, und zum anderen am 28. Dezember. An diesem Tag rettete ihm nach einem Skiunfall in Südtirol eine Notoperation das Leben.

"Eigentlich wollte ich nur fünf Tage unbeschwerten Urlaub machen", erzählt der 44-Jährige, der unter anderem Chef des Vereins "Gemeinsam Ziele erreichen", Präsident des Kreissportbundes und Leiter eines Kampfkunstvereins ist. Doch am zweiten Tag geriet er auf eine eisglatte Piste. "Ich habe versucht, mit einem Spagat zu bremsen", sagt Juraschka. Die Folge: In seinem Bauch rissen zwei Arterien. "Ich bin noch bis zur Gondel gelaufen", sagt er. Doch dann merkte er, dass er sich schlimmer verletzt haben musste als zunächst angenommen. Der Rettungswagen, der gerade mit einem anderen Patienten vor der Tür stand, wollte Juraschka allerdings nicht mitnehmen. "Ich sollte auf den nächsten warten", berichtet er. Die angekündigte Wartezeit von 20 Minuten hätte ihn vermutlich das Leben gekostet.


Schon zu diesem Zeitpunkt war sein Bauch nämlich vom auslaufenden Blut verdächtig angeschwollen. Juraschka zwängte sich mit in den Krankenwagen. In Bozen wurde er notoperiert. Erst zehn Tage später erfuhr er, dass die Ärzte das Schlimmste befürchtet hatten und sein Leben an einem seidenen Faden hing. "Das war ein Schock für mich", sagt er.

Mit der erfolgreichen Operation sollten seine Probleme jedoch nicht beendet sein. "Ich war transportfähig und sollte nach Zwickau verlegt werden." Denn die Klinik in Bozen brauchte das Bett. "Im vereinten Europa denkt man, dass ein Krankentransport kein Problem ist", berichtet Juraschka. Doch weit gefehlt. Als gesetzlich Versicherter steht ihm kein Rücktransport zu. Das bestätigt auf Anfrage AOK-Sprecherin Hannelore Strobel. Juraschka hätte eine Zusatzversicherung benötigt. Doch der Zwickauer hatte noch ein Ass im Ärmel: eine Versicherung für Sportunfälle. "Die haben mir auch zugesagt, dass sie die Kosten für den Transport übernehmen", sagt er. Wohlgemerkt: Nur die Kosten! Für den Transport sollte er selbst sorgen. Zudem wurde eine Bescheinigung seiner Krankenkasse gefordert, dass die den Transport ablehnt.

"Wie soll man das aber alles vom Ausland aus machen, wenn man im Krankenhaus ans Bett gefesselt ist?", ärgert er sich. Er telefonierte zwei Tage mit allen möglichen Einrichtungen, die irgendwie mit Krankentransporten zu tun haben. "Der Erfolg war gleich Null", erzählt er. Schließlich hatte er das Geld, aber keiner wollte ihn fahren. "Ich hatte regelrechte Panik." Schließlich rief er in seiner Not den Zwickauer ASB-Chef an - und wurde erlöst. Zwei Sanitäter machten sich auf den Weg. "Ich werde nie den Anblick vergessen, als die beiden Zwickauer in der Tür standen." Nach elf Stunden Fahrt war er im Heinrich-Braun-Klinikum angekommen. Bei aller Freude über die Rettung: Ihn ärgert die Bürokratie der Krankenkassen und Versicherungen. "Ich konnte mir noch helfen", sagt er. Ältere Menschen oder solche, die noch schwerer verletzt sind, können das nicht.

Jetzt hat er noch ein paar Wochen Krankenhaus und dann eine Rehabilitation vor sich. Alle seine Ämter, ob beruflich oder ehrenamtlich, lässt er ruhen. "Ich will mich auf meine Genesung konzentrieren", sagt er, "die zweite Chance, die ich bekommen habe, werde ich nicht verschenken." Zur Stadtratswahl am 26.Mai will der SPD-Mann wieder antreten. Denn, so sagt Juraschka, er möchte noch einiges erreichen.

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