"Der Umzug zerreißt mir fast das Herz"

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Autorin und Bloggerin Kristina Zorniger alias "Kristina vom Dorf" über ihre Liebe zu Dänemark und einen Brief aus Westsachsen

Crimmitschau.

Kristina Zorniger befindet sich im Umzugsstress. Die 34-jährige Bloggerin und Autorin, die aus dem Crimmitschauer Ortsteil Langenreinsdorf stammt, ist am Wochenende von Dänemark nach Zypern gezogen. Der Grund: Ihr Mann, Fußball-Trainer Alexander Zorniger, hat eine neue Aufgabe bei Apollon Limassol übernommen. Holger Frenzel sprach mit "Kristina vom Dorf" - so lautet ihr Künstlername - über das Mitspracherecht einer Ehefrau im Profi-Fußball, Buchprojekte und Verbindungen in die westsächsische Heimat.

Freie Presse: Sie ziehen von Dänemark nach Zypern. Was ist das Herausfordernde bei einem solchen Umzug?

Kristina vom Dorf: Der Umzugs-Container ist deutlich größer als beim letzten Mal. Wir sind vor fünf Jahren zu zweit nach Dänemark gezogen, jetzt sind wir zu viert. Außerdem liegen diesmal - statt acht Stunden mit dem Auto von Langenreinsdorf nach Kopenhagen - vier Stunden mit dem Flugzeug von Kopenhagen nach Limassol vor uns. Deshalb gehe ich unseren dritten gemeinsamen Umzug auch anders an. Wir nehmen zum ersten Mal unser Hab und Gut nicht komplett mit. Es wird sortiert - in einen Container, der in Deutschland eingelagert wird, eine Box, die bereits auf dem Weg nach Zypern ist, und Dinge, die auf die Müllhalde kommen. Viele Sachen habe ich verkauft oder verschenkt. Wickeltisch oder Babybett werde ich nach unserer Rückkehr wohl nicht mehr brauchen. Alles verschiffen zu lassen, wäre unbezahlbar und schwachsinnig.

Grund für den Umzug ist die neue Trainerstelle von Alexander Zorniger. Haben Sie als Frau ein Mitspracherecht - bei der Wahl des Arbeitsplatzes und damit auch des Wohnortes?

Ich glaube, auf diese Frage würde mein Mann anders antworten als ich. Aber ja, grundsätzlich diskutieren wir alle Angebote gemeinsam aus. Wenn ich sage, dass unser Umzug nach Zypern eine Entscheidung für unsere Familie war, stimmt er mir sicher zu. Natürlich entscheidet Alex letztlich, welchen Job er antreten möchte und was ihn sportlich reizt. Ich wollte aber schon immer gern in einem warmen Land leben und habe ihm Zypern deshalb, als die Anfrage kam, schmackhaft gemacht. Limassol ist für uns auch eine weitere Chance, im Ausland zu bleiben und noch einmal eine neue Kultur und Sprache kennenzulernen. Die Zeit in Dänemark hat uns so geprägt, dass wir, bevor unsere Tochter in die Schule kommt, unbedingt noch eine Auslandsstation erleben wollen. Und ich denke, bei einer Jahresdurchschnittstemperatur von 20 Grad, Regentagen pro Jahr, die man an zwei Händen abzählen kann, Halloumi-Käse ohne Ende und Bananen- und Granatapfelbäumen im eigenen Garten, können einige unsere Entscheidung verstehen. Am Ende haben das Paket mit der sportlichen Herausforderung bei Apollon Limassol und die Lebensqualität auf einer Urlaubsinsel einfach gepasst.

Wie reagieren die Kinder auf so einen Umzug?

Unsere Tochter Liva wird im November vier Jahre alt und möchte alles zum Thema Umzug verstehen und wissen. Sie freut sich auf das neue Haus, den neuen Kindergarten und das schöne Wetter. Sie spricht fließend Deutsch und Dänisch. Liva weiß, dass in ihrem neuen Kindergarten noch Englisch dazu kommen wird. Sie durfte mitbestimmen, welche Sachen verschifft, verschenkt und verkauft werden sollen. Unser Sohn William ist anderthalb Jahre alt, er interessiert sich mehr für den Inhalt der Kisten.

Was bleibt von der Zeit in Dänemark hängen?

Für mich wird Dänemark immer mein Herzensland bleiben. Als wir vor fünf Jahren nach Kopenhagen gekommen sind, hätten wir nie gedacht, dass wir so lange in Dänemark bleiben und sogar zwei Kinder hier bekommen würden. Ich habe die Sprache gelernt und Freunde gefunden, der Umzug zerreißt mir - trotz aller Vorfreude - fast das Herz. Bevor wir hier gelebt haben, wusste ich absolut nichts über Dänemark, und innerhalb der ersten Tage habe ich mich Hals über Kopf in dieses unglaublich schöne Land mit seinen entspannten Bewohnern verliebt! Im Frühjahr 2022 erscheint mein Abschiedsgeschenk - ein Buch mit dem Titel "Was sie dachten, niemals über Dänemark wissen zu wollen". Darin beschreibe ich die Gewohnheiten, Verhaltensweisen und typischen Eigenschaften der Dänen.

Sie haben 2019 ihr erstes Buch "Auf dem Dorf" herausgebracht. Wie waren die Reaktionen - vor allem aus der Heimat?

Die Reaktionen waren unglaublich. Bei meiner Lesung auf dem Saal in Langenreinsdorf waren über 100 Leute, viele davon haben mein Leben geprägt. Besonders berührt hat mich aber ein Brief einer älteren Dame. Dieser wurde an meine Eltern geschickt und hat so auch den Weg zu mir gefunden. Darin hat sie sich dafür bedankt, dass ich ihre fast schon verstaubten Erinnerungen an ihre Jugend auf dem Dorf wieder hervorgelockt habe und dass sie das Buch großartig findet.

Warum haben Sie sich - trotz der ersten Veröffentlichungen - für ein Studium zur Romanautorin entschieden?

Mein bereits erschienenes Buch und das Dänemark-Buch, welches nächstes Jahr erscheint, sind beides Sachbücher. Ich hatte große Freude beim Schreiben, aber ich wollte herausfinden, ob ich auch Romane schreiben kann. Ich bin ja bereits zur Journalistin ausgebildet, da passt das Sachbuch super dazu. Einen Roman schreiben ist allerdings eine ganz andere Nummer. Um wirklich zu verstehen, was der Unterschied ist und um das Handwerkszeug dafür zu lernen, habe ich mich für das Fernstudium "Prosaschreiben" entschieden.

Welche Buch- und Literaturprojekte treiben Sie voran?

Durch das Studium bin ich nicht nur auf die Idee zu meinem ersten Roman gekommen, sondern habe auch an einem Kurzgeschichten-Wettbewerb teilgenommen. Zu meiner totalen Überraschung habe ich es tatsächlich geschafft, zu gewinnen und nun Teil einer tollen Anthologie zu sein. Diese Sammlung von Kurzgeschichten verschiedener Autoren erscheint noch diesen Monat. Natürlich wird man auf meinem Blog davon lesen.

Wann bleibt - mit einem Mann als Profi-Trainer und zwei kleinen Kindern - überhaupt Zeit zum Arbeiten und Lernen?

Ich nutze die Stunden am Vormittag, wenn die Kinder im Kindergarten sind oder schreibe in der Nacht. Durch den Umzug pausiert das Studium zwei Monate und wird nicht am Roman weitergeschrieben. Aber immer dann, wenn es kleine Zeitfenster gibt, setzte ich mich an meinen Rechner und es sprudelt. Fakt ist auch, dass im Moment andere Sachen Priorität haben. Jetzt müssen wir als Familie in der neuen Heimat starten. Ich hoffe, dass ich spätestens im Oktober in einer Strandbar auf Zypern sitze, mit Blick aufs Meer und meinen Roman vorantreibe. Mein Mann ist dann mit seiner Mannschaft Tabellenführer und unsere Kinder spielen im Kindergarten mit ihren neuen Freunden.

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