Der weite Blick in den Osten

Ein neues Kompetenzzentrum hat sich an der Hochschule gegründet. Es soll um den halben Erdball reichen.

Zwickau.

Es kommt die Zeit, da zieht es Hochschul-Absolventen nicht mehr in den Westen, sondern in den Osten. Nicht nach Hoyerswerda oder Görlitz, sondern noch viel weiter weg: Nach China, Japan oder Korea. Das ist die Region, in der es boomt - davon ist Ralph Wrobel überzeugt.

Wrobel ist Professor für Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftspolitik an der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ) und Experte für die Märkte in Ostasien und den sogenannten Tigerstaaten. Auf seine Initiative hin wurde am gestrigen Donnerstag ein Ostasien-Zentrum an der WHZ gegründet. Das ist kein Raum, sondern ein Gedankengebäude, in dem sich die entsprechenden Kompetenzen, die es in Zwickau gibt, miteinander verbinden sollen. Denn tatsächlich gibt es an der WHZ schon viele Berührungspunkte mit dem Fernen Osten. "Wir stehen in der Region schon gut da. Aber das weiß so gut wie keiner", sagt Ralph Wrobel. Die WHZ pflegt bereits Kooperationen mit Hochschulen und Universitäten in Japan, Südkorea, der Volksrepublik China und der Republik China (Taiwan). Weitere aktive Partnerschaften sollen folgen, verspricht Wrobel, der plant, ein ganzes Semester freizunehmen, um zwei oder drei Kooperationen einzufädeln.


Möglicherweise erstreckt sich das Netz der Partnerschaften auch nach Nordkorea. "Warum nicht?" fragt Bernhard Seliger, der zur Gründungsveranstaltung einen Vortrag gehalten hat. Seliger ist Lehrbeauftragter im Fachprofil Internationale Ökonomie an der WHZ sowie im Büro Korea der Hanns-Seidel-Stiftung tätig. Er sieht das Kompetenzzentrum als eine Chance für die Hochschule, sich unter Studienanfängern einen besondern Stellenwert zu erarbeiten. "Wir fangen jetzt erst einmal an, und ich möchte nicht zu viel versprechen. Aber ich habe schon die Hoffnung, dass dieses Zentrum in die Zwickauer Region ausstrahlt. Ich denke da an Konferenzen, aber auch an die ansässigen Unternehmen", sagt Seliger.

Neue Studienkurse soll es Ralph Wrobel zufolge zunächst nicht geben. "Uns war zuerst einmal wichtig, dass wir selbst einen Überblick bekommen, was an der WHZ bereits alles möglich ist." Als Ergebnis dessen sind auf der Webseite des Ostasien-Zentrums die Lehrangebote der WHZ zusammengefasst. Unter anderem können sich Studieninteressenten dort über die Möglichkeit informieren, eine Ausbildung zu beginnen, die Sprachen, Wirtschaftswissenschaften und Interkulturelle Kommunikation miteinander verbindet und den Schwerpunkt auf den chinesischen Sprach- und Kulturraum legt. Das kann bis zu einem doppelten Masterabschluss führen, der in Deutschland und in China abgelegt wird. Neben den Fakultäten Wirtschaftswissenschaften sowie Angewandte Sprachen und Interkulturelle Kommunikation wollen auch technische Studiengänge künftig in diesem Kompetenzzentrum mitwirken. "Bisher habe ich von allen Kollegen eine sehr gute Unterstützung erfahren", sagt Wrobel über die ersten Schritte des Projektes. www.ostasien-zwickau.de

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