Der will nicht nur spielen

Ein Jack-Russell-Terrier hat mehrere Nachbarhasen auf dem Gewissen. Selber schuld, findet sein Herrchen. Der Streit landete gestern vor Gericht.

Mülsen.

Die letzten Lebensstunden des erst zweijährigen Jack-Russell-Terriers in Kurzfassung: Er bricht gemeinsam mit drei anderen Artgenossen aus dem Grundstück seines Herrchens aus und tötet in einer Gartenanlage mehrere Hasen, bevor er am Tatort vom Kaninchenzüchter erschlagen wird. So enden im August 2015 in Mülsen ein Hunde- und neun Hasenleben. Als sich gestern der Hundebesitzer und der Kaninchenzüchter vor dem Zwickauer Amtsgericht wieder treffen, geht es erwartungsgemäß hoch her.

Der Hundehalter - ein 53-jähriger Jäger - weist forsch jede Schuld von sich. Verantwortlich seien alle andern. Erst ein unbeteiligter Nachbar, der den Gartenzaun abgebaut und damit den vier Jack-Russell-Terriern die unverhoffte Freiheit geschenkt haben soll, und dann vor allem der Hasenzüchter selbst. "Meine Hunde gehen nicht auf Hasen", sagt der Jäger. "Sie sind auf Füchse getrimmt." Dass sich die Vierbeiner überhaupt in den Hasenstall verirrten, sei daran gelegen, dass sie dort einen Fuchs gerochen hätten. Und wie sie es erlernten, sollen sie dort etwas gebellt haben. "Dabei sind die Hasen am Herzkasper gestorben", sagt der Jäger.

Ganz anders der Züchter. Er spricht von einem Schlachtfeld, davon, dass seine Hasen regelrecht abgeschlachtet worden seien. "Zerfleischt", grummelt er. "Hier ein Stück Fell, da ein Stück Fell."

Zu allem Überfluss soll sich ihm dann auch noch einer der vierbeinigen Übeltäter mit gefletschten Zähnen genähert haben. "Da hab ich was gegriffen und draufgeschlagen, zwei-, dreimal." Wonach der Terrier verschied. Der Jäger glaubt kein Wort davon. "Meine Hunde beißen keine Menschen", sagt er.

In der Folge versucht der Hundehalter nachzuweisen, dass der Kaninchenzüchter durch sorglosen Umgang mit Hasenkadavern Füchse aufs Gelände gelockt habe, bis Richter Stefan Noback die Verhandlung vertagt. Er wolle erst Polizeifotos vom Tatort ansehen. Außerdem macht dem Richter die Abwägung des Schadens Kopfschmerzen. Zwar gilt der Züchter als der Geschädigte, immerhin verlor er neun Hasen, deren Wert er auf stattliche 1000 Euro taxiert. Bei einem vorhergehenden Angriff derselben Terrier hatte er sich aber mit 80 Euro zufrieden gegeben. Der Hundehalter dagegen behauptet, der erschlagene Jack Russell sei sogar 2500 Euro wert gewesen. Einen Strafbefehl über 150 Euro wollte er zuvor nicht akzeptieren.

Die Streithähne haben noch andere Gefechte auszukämpfen. "Er ist mit dem Hammer auf mich los und hat gesagt, er macht mich kalt", sagt der Hasenzüchter. Im Gerichtssaal versuchte der Jäger gestern, Journalisten einzuschüchtern.

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