Der Ziegenspezialist und seine Maren sind untrennbar

Ehrensache! Engagiert in Westsachsen. Heute: Ronny Silbermann ist oft im Tiergehege in Marienthal anzutreffen.

Zwickau.

Ronny Silbermann hat eine heimliche Geliebte, der er fast täglich mehrere Stunden seiner Freizeit opfert. Dabei weiß der 57 Jahre alte Zwickauer genau, dass Maren nur eines von ihm will: ihr tägliches Futter. Maren ist eine Ziege und lebt mit ihren Artgenossen im Tiergehege an der Waldstraße in Marienthal. Obwohl der ehrenamtliche Mitarbeiter alle Ziegen - und nicht nur die - bestens versorgt, ist ihm Maren besonders ans Herz gewachsen. "So genau weiß ich das auch nicht warum, aber es ist eben so", sagte Silbermann. Er pfeift - und Maren kommt. Wo hat man das sonst schon?

"Ronny ist dabei, seit wir als Verein die Anlage vor dreieinhalb Jahren übernommen haben", sagte der Leiter des Tiergeheges, Ralf Hutschenreuter vom Verein "Gemeinsam Ziele erreichen". Silbermann, einer der 15 ehrenamtlichen Mitarbeiter, ist in Wirklichkeit jedoch schon länger dabei. "Ich habe hier schon unter dem vorherigen Betreiber gearbeitet", sagt er. Auf die Anlage war er aufmerksam geworden, nachdem seine Frau dort vor vielen Jahren ein Praktikum absolviert hatte. Für Ronny Silbermann standen am Anfang 18 Monate Bundesfreiwilligendienst. Danach hat ihn das Tiergehege nicht mehr losgelassen. "Es ist für mich wichtig, dass sich die Tiere wohlfühlen", sagt er über seine Motivation. Sechs Tage in der Woche ist der gelernte Lagerist jeweils zwei bis drei Stunden unter den Tieren anzutreffen. Seine Hauptaufgabe: Er schafft das Futter herbei, das als Spenden aus dem gesamten Landkreis nicht nur für die Ziegen, sondern auch für Hasen, Eichhörnchen, Gänse, Enten und Schwäne zur Verfügung gestellt wird. Darüber hinaus mistet er Ställe aus, versorgt die Tiere und schneidet auch mal die Hecke.

Tierliebe und Naturverbundenheit nennt Silbermann als seine Antriebskräfte für die Arbeit im Gehege. "Seine Erfahrung, sein Wissen und seine Kompetenz haben wesentlich zur Entwicklung des Tiergeheges beigetragen", sagte Hutschenreuter.

Vor reichlich einem Jahr war das neue, viel größere Gehege inklusive Ziegenhaus für Maren und ihre Freunde eingeweiht worden. Ronny Silbermann hat die Anlage maßgeblich mitgestaltet und beim Bau selbst Hand angelegt. "Jetzt bin ich so etwas wie der Ziegenspezialist", sagte er schmunzelnd. Für Ralf Hutschenreuter ist Silbermann im Laufe der Jahre nahezu unersetzbar geworden. "Er ist sehr flexibel, und wir können ihn überall einsetzen", sagt Hutschenreuter. "Er weiß, wovon er redet." Außerdem hebt er Silbermanns Hilfsbereitschaft, seinen Fleiß und seine Loyalität hervor.

Ein Haustier hält Ronny Silbermann übrigens nicht. "Dafür braucht man Zeit", sagt er. Dass Hund oder Katze zehn Stunden und mehr allein zu Hause auf ihn warten müssen, das will er den Tieren nicht antun. Und Fische sind ihm zu still. In seiner Freizeit besucht Ronny Silbermann Tierparks und Zoos. "Da sammele ich auch den einen oder anderen Tipp, wie wir unseren Tieren ein noch schöneres Zuhause bieten können", sagt er. Auch Tierdokumentationen im Fernsehen stehen bei ihm hoch im Kurs.

Im Tiergehege will er weitermachen, solange es seine Gesundheit zulässt. "Wir haben in den nächsten Jahren noch einiges vor", sagt er. Silbermann möchte mitwirken, die Pläne zur weiteren Entwicklung des Tiergeheges umzusetzen.


Eine Heimat für Ziegen, Wasservögel, Meerschweinchen und Co.

Das Tiergehege an der Waldstraße in Zwickau-Marienthal ist die einzige Anlage dieser Art in Zwickau. Angelegt wurde das Areal, in dem heute etwa 300 Tiere zu Hause sind, vor etwa 25 Jahren von Günter Till.

Im Sommer 2016 wurde das Gehege vom Verein "Gemeinsam Ziele erreichen" übernommen und so vor der Schließung bewahrt. Derzeit befinden sich im Tiergehege Ziegen, Wasservögel, Hasen, Meerschweine, Katzen, Eichhörnchen und Sittiche.

Hauptaufgabe der Einrichtung ist die Erhaltung und Pflege des kleinen Naherholungsgebietes. In den letzten Jahren wurde hauptsächlich mit Spenden und Fördermitteln des Trägervereins in die Anlage investiert. Weitere Umgestaltungen stehen an. Unter anderem soll im kommenden Jahr einer der beiden Teiche für eine artgerechte Haltung von Enten, Gänsen und Schwänen neugestaltet werden.

Vor allem Kindergärten, Schulen, Einrichtungen für Behinderte und auch Familien, die sich einen Besuch in Tierparks oder Zoos nur schwer leisten können, nehmen das Angebot gern in Anspruch. Verbindlich wird kein Eintritt erhoben, eine kleine Spende ist aber willkommen. (nkd)

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