Deutsch als Schlüssel und Hindernis

Zur ersten Integrationsmesse des Landkreises kamen deutlich mehr Interessenten als gedacht. Wieder einmal zeigte sich: Alles steht und fällt mit Sprachkenntnissen.

Zwickau.

Die Premiere der Integrationsmesse des Landkreises Zwickau am Samstag im Beruflichen Schulzentrum "August Horch" war ein voller Erfolg. Darin sind sich Veranstalter und die 53 Aussteller, darunter Firmen aus der Region, Schulen und öffentliche Einrichtungen, einig. "Wir hatten mit etwa 350 Besuchern gerechnet", sagte Jörg Hempel vom Ausrichter Krauß Event. Gezählt wurde zwar nicht, aber die Zahl sei mit Sicherheit bereits eine Stunde nach Öffnung der Messe erreicht worden.

Geschätzt haben sich mindestens 75 Prozent der im Landkreis lebenden Flüchtlinge, EU-Zuwanderer und aufenthaltsberechtigten Drittstaatenangehörigen auf der Veranstaltung einen Überblick über den Arbeitsmarkt in der Region verschafft. Simone Bronsert von der Industrie- und Handelskammer (IHK) nannte die Zahl von 1080 Frauen und Männern, die zur Zielgruppe für die Messe gehörten.

An den Ständen wurden nicht nur Auszubildende gesucht, sondern auch junge Fachkräfte. Die konnten sich in einem Workshop unter anderem das Handwerkszeug für eine erfolgreiche Bewerbung holen. Katrin Herold, Projektleiterin an der Euro-Akademie in Zwickau, unterstützte dabei mit ihren Mitarbeiterinnen die Jobsuchenden. "Wir checken die Bewerbungsunterlagen, bei Bedarf übersetzen wir diese auch", sagte sie. In einer guten Bewerbung sieht sie den ersten Schritt, Zuwanderer und Firmen zusammenzubringen. Das sei heute, nicht zuletzt wegen des Fachkräftemangels, wichtiger denn je.

Gero Gottsmann, Geschäftsführer der Zimmerei Gottsmann, hat bereits Erfahrungen mit derartigen Messen. "Wir sind an jungen Fachkräften interessiert", sagte er. Er konnte einige Interessenten begrüßen. Die Sprache sei dabei oftmals das Hauptproblem. "Beherrschen sie jedoch Deutsch, lassen sie sich genausogut einsetzen wie deutsche Mitarbeiter", sagte er.

Die Firma Schnellecke hat mit ausländischen Lehrlingen bereits Erfahrungen gesammelt. Behraz Sajad stand auf der anderen Seite des Tisches. Der Afghane ist im zweiten Lehrjahr und konnte sein Wissen an potenzielle Bewerber weitergeben. "Er ist sehr motiviert", sagte Schnellecke-Personalberaterin Corinna Laqua. Der junge Mann hat unter anderem innerhalb eines Jahres Deutsch gelernt. Das Unternehmen würde gern weitere Flüchtlinge ausbilden.

Der Globus-Markt hatte über die IHK von der Veranstaltung erfahren. "Wir sind an Mitarbeitern interessiert, die gut mit Menschen umgehen können", sagte Personalleiterin Stephanie Götz. Die Sprache dürfe dabei kein Hemmnis sein. Auch Götz sieht daher in einer guten Sprachausbildung eine wesentliche Voraussetzung.

Eine Ausbildung im Handel sucht Naqibullha Amini. Der Afghane, der seit fünf Jahren in Deutschland lebt, würde gern den Beruf eines Verkäufers erlernen. Er sieht das durchaus praktisch - und kann in der neuen Sprache offenbar bereits mit Wortspielen hantieren. "Das ist eine Arbeit, bei der man sich die Hände nicht schmutzig macht", sagte er. Am liebsten würde er in einem Textilgeschäft arbeiten. Derzeit ist er in der Berufsvorbereitung untergebracht.

Gut zu tun hatte Nadin Moser. Sie war eine der zahlreichen Dolmetscher, die im Einsatz waren. Angeboten wurden unter anderem Übersetzungen in Englisch, Spanisch und Arabisch. Die junge Frau, die ehrenamtlich im Sprachen- und Kulturmittlerdienst tätig ist, war für Besucher aus Russland zuständig. "Die Fragen, die Zuwanderer an die Firmen hatten, waren sehr unterschiedlich", sagte sie. Natalia Baeva aus dem russischen Gorki kam ohne Übersetzung aus. Eine Stelle als Hauswirtschafterin oder Altenpflegerin würde sie interessieren. Die Firma K&S, die in Zwickau ein großes Seniorenheim betreibt, stellt auch ungelernte Kräfte ein, wie der Leiter Oliver Illert sagte. "Wir bilden sie dann entsprechend aus", sagte er. "Gern beschäftigen wir aber natürlich auch ausgebildete Fachkräfte." Allerdings müssten diese über die entsprechenden anerkannten Nachweise verfügen.

Die Flüchtlinge waren übrigens nicht per Briefpost von der Messe benachrichtigt worden. "Wir haben die Heime und die Integrationsberatungsstelle informiert", sagte die Pressesprecherin des Zwickauer Landratsamtes, Ilona Schilk. Diese leiteten die Information dann entsprechend weiter.

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