Die Bedroh(n)ung des Luftraums

Ob Hobbyfotograf, Paketzusteller, Flugtaxi oder Landwirtschaft - die Einsatzbereiche für Drohnen scheinen unbegrenzt. Genau wie die Gefahren.

Zwickau.

Für Joachim Lenk steht fest: Beim Fliegen "unbemannter Flugsysteme" sind genauso Regeln erforderlich wie beim Steuern von Flugzeugen. Lenk ist der Vereinsvorsitzende des Aero-Clubs Zwickau und gleichzeitig der Beauftragte für die Luftaufsicht für den Zwickauer Flugplatz. "Wir sind auf das Thema Drohnen nicht gut zu sprechen, weil sie die Sicherheit unserer Flugzeuge und Piloten bedrohen", sagt er.

Dass in Zwickau bisher kein Vorfall registrierte wurde, ist keine Garantie für die Zukunft. So gab es im Mai gleich zwei Meldungen gefährlicher Annäherungen vom Flughafen in Frankfurt (Main). "Auch unsere Piloten haben hier im Luftraum schon Drohnen in 1000Metern Höhe beobachtet", sagt Lenk. Und genau hier liege das Problem. Obwohl der Nutzung von Drohnen enge Grenzen gesetzt seien, hielten sich vor allem private Nutzer nicht an die Gesetze.


"Wer eine Drohne gewerblich einsetzt, kennt sich meist aus und kümmert sich um die Sicherheit. Die Hobbyflieger machen sich aber keine Gedanken und verletzen den Luftraum", sagt der Fliegerclub-Chef. Das sei vor allem für Kleinflugzeuge sehr gefährlich - eine Kollision würde in diesem Fall höchstwahrscheinlich zum Absturz führen. "Doch wie soll ich als Pilot eines Flugzeuges den Drohnenbediener ausfindig machen und dann noch nachweisen, dass er zu hoch geflogen ist?", fragt Lenk. Als Lösung schlägt er zum einen härtere Strafen bei Verstößen gegen die Luftverkehrsordnung vor. Zum anderen ließe sich Abhilfe schaffen, wenn alle Drohnenpiloten in Aero-Clubs organisiert wären. "Aber daran haben die gar kein Interesse. Da müssten sie ja Beiträge bezahlen."

Sören Sommer kann die Bedenken nachvollziehen. Der Zwickauer fliegt seit zwei Jahren selbst Drohne. Und obwohl sein Exemplar eher klein ist, hat er einen Drohnenführerschein erworben. "Die Prüfung dazu kann online abgelegt werden. Es werden Grundkenntnisse vermittelt, die jeder kennen sollte, bevor er losfliegt." Über die Mitgliedschaft im Deutschen Modellflieger Verband (DMFV) ist auch die Versicherung inbegriffen. "Ich finde es sehr schade, dass das Drohnenfliegen in Verruf geraten ist, weil sich einige nicht an die Regeln halten", sagt der 23-jährige Fachinformatiker. Denn die Nutzungsmöglichkeiten seien vielfältig. "Ich nutze meine Drohne zum Beispiel, um Fotos und Videos aus einer anderen Perspektive aufzunehmen."

Wo geflogen werden darf, ist streng geregelt. Sommer hat dazu über den DMFV eine App auf seinem Smartphone, die alle Flug- verbotszonen in Zwickau anzeigt. Er startet sein Fluggerät am liebsten an der Zellstoffbrücke. "Hier sind keine Hindernisse wie Wohngebiete, Flugplätze oder Stromleitungen im Weg." Zusätzlich warnt die Drohne von selbst, wenn sie in eine Verbotszone fliegt. Auch er wünscht sich eine strenge Kontrolle der Piloten und hat einen Lösungsvorschlag: "Wenn jeder, der eine Drohne erwerben möchte, schon beim Kauf einen Drohnenführerschein vorlegen müsste, würde das viel helfen."


Wer darf was?

Jede Drohne ab einem Gewicht von 250 Gramm muss laut EU- und deutscher Drohnenverordnung mit einer Plakette gekennzeichnet sein, die Name und Adresse des Piloten enthält. Außerdem ist eine Halterhaftpflichtversicherung nötig.

Ab einem Gewicht von zwei Kilogramm müssen besondere Fähigkeiten nachgewiesen werden - dafür legen Drohnenpiloten den Drohnenführerschein ab.

Wiegt die Drohne fünf Kilogramm oder mehr oder steigt in eine Flughöhe von mehr als 100 Meter auf, ist zusätzlich eine Erlaubnis der Luftfahrtbehörde nötig.

Generelle Flugverbotszonen bestehen zum Beispiel über Wohngrundstücken, Menschenansammlungen oder Industrieanlagen. Genauso verboten ist das Fliegen in Kontrollzonen von Flugplätzen oder über Naturschutzgebieten. (psi)

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