"Die Frage ist, woher der Strom kommt"

Zwei Fachmänner im Gespräch über die Elektromobiliät in Westsachsen. Dabei geht es um viel mehr als die ausreichende Anzahl an Ladestationen.

Zwickau.

Der Stand der Elektromobilität in Sachsen war jetzt Thema einer Podiumsdiskussion in der Westsächsischen Hochschule Zwickau (WHZ). Darüber sprach Sara Thiel mit Sven Fischer von der Zwickauer Energieversorgung (ZEV) und mit Thomas Hille, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der WHZ und dort an der Entwicklung eines neuen O-Bus-Konzeptes beteiligt.

Elektromobilität ist in aller Munde, die Stadt Zwickau lässt dazu sogar ein Konzept erarbeiten. Ist sie wirklich das Patentrezept für die Zukunft?


Sven Fischer: Nicht, solange man versucht, das Neue in das Bestehende zu integrieren. Das kann nur schief gehen. Das Nutzungskonzept für E-Mobilität muss vieles beachten - nicht nur die Frage, ob es genügend Standorte für die Ladeinfrastruktur gibt. Wir müssen auch schauen, wie sich das in das Wohnumfeld einfügt, da geht es auch um Fragen des Baurechts. Nur ein Beispiel: Ein Wechselrichter für Schnellladesäulen ist recht laut. So etwas möchte man nicht neben dem Schlafzimmer haben.

Es geht aber darum, dass mehr Elektroautos auf den Markt kommen sollen?

Fischer: Das schon. Es werden weniger Autos mit Verbrennungsmotor gebaut werden. Und wenn das Wissen um die Technologien dafür erst einmal versandet, bekommen wir es auch nicht wieder. Die entscheidende Frage ist: Wie kommt die Energie in den Motor. Da ist schon vieles vorgestellt worden und dann doch in der Schublade verschwunden.

Warum?

Thomas Hille: Reine Elektrowagen sind vielleicht nicht das Mittel der Wahl. Die Menschen müssen sich darüber klar werden, was sie brauchen - das könnte auch ein sehr sauberer Diesel sein. Denn wenn wir uns mal fragen, woher der größte Anteil an Feinstaub kommt - dann stammt der vom Reifenabrieb.

Die haben E-Autos ja auch.

Hille: Eben. Die wichtigere Frage ist, woher der Strom zum Laden kommt. E-Autos sind tatsächlich die saubere Alternative. Aber nur, wenn man die Sache lokal betrachtet.

Sie meinen die Produktion der Akkus?

Fischer: Das auch. Es geht aber auch ums Laden. Das E-Auto wird nicht sauberer, wenn neben der Schnellladestation ein Blockheizkraftwerk steht, das obendrein die Abwärme ungenutzt in die Umwelt bläst. Und das ist kein ausgedachtes Beispiel. Was ich damit sagen will: Es gibt noch viel zu tun, um die Mobilität der Menschen auch in Westsachsen zu verändern. Dazu ist es vor allem aber wichtig, Wissen zu vermitteln. Wir haben bereits damit begonnen. Hille: Es geht aber nicht nur um den Autoverkehr. Wir müssen auch über den Öffentlichen Nahverkehr sprechen. Bei Bussen, die viel mehr unterwegs sind als Autos, sind Elek troantriebe viel günstiger. Allerdings muss man sich da fragen, ob das Schnellladen da angebracht ist. Denn das trägt nicht dazu bei, dass die Akkus lange halten. Wir verfolgen in unserer Gruppe an der Hochschule einen anderen Ansatz: Wir möchten während der Fahrt laden - und das kontinuierlich und schonend für den Akku. Wir brauchen damit weniger Akkukapazität und laden langsamer - das bedeutet, dass die Akkus länger halten.

Sie arbeiten ja an einem System, mit denen moderne O-Busse effizienter an die Stromleitungen ankoppeln können. Geht es dabei darum, dass die Fahrtrouten flexibler gestaltet werden können?

Hille: Bei einer Streckensperrung muss ein herkömmlicher O-Bus durch einen Diesel ersetzt werden. Mit unserem System ist das nicht nötig. Da könnte der Bus auch einen anderen, nicht mit Strom versorgten Weg einschlagen. Fischer: Ich muss aber eines noch sagen: In Zwickau trägt der öffentliche Nahverkehr schon seit Jahrzehnten etwas zum Umwelt- und Klimaschutz bei - mit seinen Erdgasbussen und der Straßenbahnflotte. Das sollte man nicht unter den Tisch fallen lassen.

Bewertung des Artikels: Ø 3.7 Sterne bei 3 Bewertungen
2Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 4
    3
    1371270
    15.07.2019

    @Tauchsieder: Richtig! Davon sind zumindest die Grünen überzeugt!

  • 9
    5
    Tauchsieder
    15.07.2019

    Um mal die Frage aus der Überschrift zu beantworten: - Aus der Steckdose -!



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