Die Helfer brauchen Hilfe

Die Zwickauer Tafel sucht neue Räume. Denn die Kirche in Neuplanitz musste den Mietvertrag kündigen.

Zwickau.

Wenn Anke Kosak bis zum 1. Januar keine neue Bleibe findet, dann stehen gleich mehr als 100 Menschen auf der Straße. Besser gesagt stehen sie mit leeren Händen da, denn Anke Kosak sucht dringend neue Räume, die sie einmal pro Woche für die Zwickauer Tafel nutzen kann.

Das Hilfsangebot, das zum Verein Gemeinsam Ziele erreichen gehört, sammelt Woche für Woche Lebensmittel, die nahe am Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums sind und von daher nicht mehr verkauft werden. Die ehrenamtlichen Helfer der Tafel tragen diese zusammen und verteilen sie unter den Menschen, deren Geld oft nicht reicht, um genügend Essen und andere Waren des täglichen Bedarfs zu kaufen.

Neun Ausgabestellen betreibt die Zwickauer Tafel in der Kreisstadt, aber auch in der Umgebung - etwa in Hartenstein. Nun droht die Lebensmittelausgabe im Zwickauer Stadtteil Neuplanitz zu verschwinden. Denn die Räume in der Versöhnungskirche sind zum 1. Januar des kommenden Jahres gekündigt worden. Anke Kosak, die Teamleiterin der Zwickauer Tafel, sucht dringend einen Ersatz. Denn in Neuplanitz, sagt sie, gibt es eine ganze Reihe an Hilfsbedürftigen, die Woche für Woche auf die Unterstützung der Ehrenamtler zählen.

45 Tafelpässe gibt es in dem Stadtteil. Das sind Bescheinigungen, die belegen, dass deren Besitzer ein Anrecht auf die Ausgabe von Lebensmitteln hat. Da diese für ganze Familien gelten, werden über diese Pässe in Neuplanitz rund 110 Erwachsene und Kinder versorgt, schätzt Anke Kosak. Insgesamt hat die Zwickauer Tafel etwa 650 bis 670 Pässe ausgegeben und versorgt damit ungefähr 1800 Menschen. Gestemmt wird das von mehr als 50 Ehrenamtlichen, die mit vier Autos regelmäßig Supermärkte oder Bäckereien anfahren und die gesammelten Lebensmittel dann an die Bedürftigen ausgeben.

Da es dafür keinerlei Fördermittel gibt, sind die Helfer komplett auf Spenden angewiesen -und darauf, möglichst preiswert Räume zu finden, die sie einmal pro Woche für wenige Stunden nutzen können. Dass ihnen die Kirchgemeinde gekündigt hat, liegt keineswegs am bösen Willen, sondern am Personalmangel, sagt Pfarrer Thomas Storl. "Es ist einfach keiner mehr da, der während der Ausgabezeiten vor Ort sein kann und hinterher sauber macht", erklärt er. "Unser Hausmeister geht Ende des Jahres in den Ruhestand." Auch sonst sei niemand da, der sich um die Helfer kümmern könnte. Seit 1998 hat die Kirchgemeinde der Tafel einen Raum gegeben. Der Pfarrer ist nicht froh darüber, dass dies nun zu Ende geht.

Auch Anke Kosak ist nicht froh, denn sie braucht dringend etwas Neues. Einen Raum, der nicht viel kostet und im Idealfall über Tische verfügt. "Wir könnten auch selbst Tische mitbringen, würden sie dann aber gern dort stehenlassen, damit wir nicht immer auf- und abbauen müssen", sagt sie. Auch sollte die Unterkunft ebenerdig sein, um den Helfern mit ihren schweren Kisten das Treppensteigen zu ersparen. "Außerdem brauchen wir Toiletten und fließendes Wasser, weil wir den Hygienebestimmungen unterliegen." In der Regel stellen Kirchen oder städtische Einrichtungen ihre Räume zu Verfügung - gesucht sind wieder welche in Neuplanitz. "Doch auch in der Innenstadt gibt es eigentlich noch Bedarf an einer Ausgabestelle."

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