Die Kette war schon drei Zentimeter eingewachsen: Veterinäramt muss Rind töten lassen

Fliegen, Maden und Eiter in der Wunde: Ein Bulle musste getötet werden, weil sein Halter das Tier über Monate leiden ließ. Dafür wurde der Mann nun bestraft.

Zwickau.

Ein 49 Jahre alter Mann wurde am Mittwoch vom Strafrichter am Amtsgericht Zwickau wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz zu einer Geldstrafe von 1900 Euro verurteilt. Zudem wurde ihm die Haltung von Tieren für die Dauer von zwei Jahren untersagt.

Dem Angeklagten war vorgeworfen worden, auf einer Wiese seines eigenen Grundstückes im Süden des Landkreises Zwickau einen Fleckviehbullen gehalten zu haben. Dem fünf Jahre alten Tier hatte er eine Kette um den Hals gelegt. Weshalb er das tat, hatte der Tierhalter bisher weder dem Veterinäramt noch dem Gericht verraten. Bei einer Routinekontrolle Anfang August 2018 stellten die Veterinäre fest, dass die Kette etwa drei Zentimeter in den Nacken des Bullen eingewachsen war. Die Wunde hatte sich bereits entzündet, es trat übel riechendes Eiter aus. Zudem hatten sich rund um die Kette Insekten und Maden eingenistet. Der Tierarzt stellte fest, dass der Bulle unter großen Schmerzen litt. Da der Angeklagte vor Gericht nicht erschienen war, ließ sich auch nicht feststellen, wie lange das Tier die Kette bereits tragen musste.

Am Tag nach der Kontrolle wies das Veterinäramt den Tierhalter mit einem offiziellen Bescheid an, die Kette zu entfernen und für eine ordnungsgemäße Versorgung der Wunde zu sorgen. Für den Fall, dass sich die Kette nicht ohne erhebliche Schmerzen für das Tier entfernen lasse, solle er innerhalb von sieben Tagen eine Schlachtung veranlassen um das Tier von seinen Schmerzen und Leiden zu befreien. Der Angeklagte kam beidem nicht nach und bat auch nicht um eine Fristverlängerung. Daraufhin führte das Veterinäramt eine sogenannte Ersatzvornahme durch. Der Bulle wurde sieben Tage nach Fristablauf zwangsweise an Ort und Stelle erlegt und in einen Schlachthof gebracht. Die Kosten dafür werden dem Tierhalter auferlegt. Später wurde festgestellt, dass sich die Kette nur mit einem erheblichen Kraftaufwand entfernen ließ.

Der Angeklagte selbst war dem Gerichtstermin ohne Entschuldigung ferngeblieben. Einen neuen Termin wollte Richter Jürgen Dietel nicht ansetzen. Da der Angeklagte bisher nicht vorbestraft ist, verständigte er sich mit Staatsanwältin Waltraud Schnorrbusch auf einen Strafbefehl. Dieser wird ihm in den nächsten Tagen zugestellt, heißt es. Legt er dagegen Widerspruch ein, kommt es erneut zu einem Verhandlungstermin vor dem Strafrichter. Die Mitarbeiter des Veterinäramtes, die als Zeugen geladen waren, mussten unverrichteter Dinge wieder in ihre Dienststelle zurückgeschickt werden. Die Kosten für Arbeitsausfall und Anfahrt zahlt die Staatskasse.

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