Die letzte Zwickauer Minoltankstelle "lebt" weiter

In Culitzsch wird am Samstag eine Sonderausstellung anlässlich "70 Jahre Minol" eröffnet. Es soll die einzige ihrer Art in Deutschland sein.

Culitzsch.

Eine Ära endete am 12.Februar 1993 in Zwickau. An der Kopernikusstraße/Ecke Güterbahnhofstraße wurde die letzte Minol-Tankstelle in der Stadt geschlossen, weil sie den Anforderungen nicht mehr gewachsen war. Doch die Tankstelle ist nicht vergessen. Im Oldtimermuseum im Wilkau-Haßlauer Ortsteil Culitzsch, wo ein fast identischer Nachbau existiert, lebt sie sozusagen weiter - auch wenn dort nicht getankt werden kann. Mit dem Neon-T auf dem Dach steht die Tankstelle im Mittelpunkt der Sonderausausstellung "70Jahre Minol", die am Samstag mit einem Museumsfest eröffnet wird.

1949 wurde der Markenname Minol erstmals verwendet. Der Name der DDR-Tankstellenkette setzte sich aus den Anfangsbuchstaben der Begriffe Mineralöl und Oleum (lat. Öl) zusammen. Das Unternehmen selbst wurde als VEB Minol 1956 gründet. Zum Jubiläum wird auch der letzte Betreiber der Tankstelle, Johannes Pirgl, nach Culitzsch kommen, noch einmal in seinen Blaumann schlüpfen, seine Geldtasche umhängen und die alten Tankstellenzeiten mit seinen Erinnerungen wiederbeleben.


Die drei originalen Zapfsäulen des Herstellers VEB Vaka-Werke sind eine Leihgabe des Zwickauer August-Horch-Museums. Die in den 1930er-Jahren errichtete Tankstelle gehörte ab 1956 zum Minol-Netz. Nachdem Karl Weiß in den 70er-Jahren seine Station an Minol verkauft hatte, übernahmen die Zwickauer Adam und Johannes Pirgl die Tankstelle. Bei Wind und Wetter bedienten sie die Kunden - Selbstbedienung gab es noch nicht. Kassiert wurde entweder direkt am Fahrzeug oder in einem kleinen Kassenraum. An den fünf rot-gelben Zapfsäulen gab es Mitte der 80er-Jahre Normalbenzin für 1,50 Mark der DDR pro Liter, Extrabenzin für 1,65 Mark und Diesel für 1,40 Mark. Rund eine Million Liter wurden damals pro Monat verkauft. Kein Wunder: Gleich nebenan befand sich das Auslieferungslager des VEB Ifa-Vertriebes. Wer nach bis zu 15Jahren Wartezeit seinen Trabant, Wartburg, Skoda oder Lada abholen konnte, musste zuerst mal den Tank füllen.

Viele Zwickauer - hier sind nicht nur die Autofahrer gemeint - erinnern sich noch an den Werbespruch "Stets dienstbereit zu ihrem Wohl, ist immer der Minol-Pirol". Zu DDR-Zeiten kannte ihn jedes Kind, vor allem jedoch das rot-gelbe Maskottchen. Der Puppengestalter Heiner Knappe hatte die Figur Anfang der 1960er-Jahre für das Werbefernsehen entwickelt, das es zu dieser Zeit in der DDR noch gab. Auch der Minol-Pirol wird zum Museumsfest in Culitzsch noch einmal zu erleben sein. Wie der Chef des Vereins "Historische Technik Culitzsch", Danny Schwalbe, sagt, wird die Tankstelle wieder so hergerichtet, wie sie zu DDR-Zeiten betrieben wurde - inklusive des alten Zubehörs vom Kassenzettel über alte Schilder bis zur Ölkanne. "Wir zeigen praktisch alles, was es bei Minol gab", sagt Schwalbe. Minol-Tanklastwagen rund das Bild ab. Ein Modellbauer zeigt zudem seine Schätze. Seit 1967 hat er eine Vielzahl an Minolfahrzeugen originalgetreu als Miniaturmodelle nachgebildet.

Am Samstag ist auch Olaf Wagner, der letzte Pressesprecher von Minol, zu Gast. Er weiß vieles über die Firmengeschichte zu berichten. "Es ist die einzige große Feier und Ausstellung zum Minol-Jubiläum in Deutschland", sagte Wagner. Auch der ehemalige Technikchef des DDR-Tankstellenriesen, der Zwickauer Horst Hallbauer, wird anwesend sein. Gezeigt werden in der Sonderausstellung unter anderem auch etwa 300 bisher unveröffentlichte Fotos, die zwischen 1949 und den 2000er-Jahren entstanden sind.

Während des Museumsfestes sind Vorführungen historischer Fahrzeuge, Rundfahrten auf der Geländestrecke sowie ein buntes Kinderprogramm geplant. Auch die Oldtimer der Rundfahrt anlässlich "800 Jahre Oberhohndorf" legen gegen 15.30 Uhr einen Zwischenstopp ein. Am Abend werden Kurzfilme mit originaler DDR-Kinotechnik gezeigt. Zudem gibt es eine Party im Festzelt und ein Feuerwerk. Am Sonntag öffnet das Museum bereits um 11 Uhr. Während des Tages gibt es ein Kinderprogramm.

Minol gibt es übrigens noch immer beziehungsweise wieder. Um die Markenrechte nicht verfallen zu lassen, betreibt der französische Mineralölkonzern Total insgesamt vier Tankstellen in Ostdeutschland.

Die Sonderausstellung ist bis zum 27.Oktober zu sehen. Geöffnet hat das Oldtimermuseum, Hauptstraße 59 a im Wilkau-Haßlauer Ortsteil Culitzsch, an Samstagen, Sonn- und Feiertagen jeweils von 13 bis 18 Uhr. Parkplätze sind ausreichend vorhanden. Der Taktbus verkehrt zwischen Wilkau-Haßlau Stadtzentrum und Culitzsch und zurück an den Wochenenden im Zwei-Stunden-Takt.

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