Die Luxusgemeinde

Trotz hoher Einnahmen an Gewerbesteuern hat Hirschfeld kaum Geld, um zu investieren. Dennoch hat der Ort mehr zu bieten als größere Dörfer.

Hirschfeld.

Diese Zahlen können sich sehen lassen: Mit 600.000 Euro an Gewerbesteuer-Einnahmen rechnet Hirschfeld in diesem Jahr. An dessen Ende, so legte es Kirchbergs Kämmerer Frank Hänel jetzt den Gemeinderäten dar, soll die Pro-Kopf-Verschuldung bei genau 238 Euro liegen - und damit in sicherer Entfernung von der Grenze, die zur Haushaltssicherung führt.

Alles gut also? Eher nicht, sagt der Kämmerer. Denn für Investitionen bleibt der Gemeinde kaum Geld. "Eigentlich bleibt nichts übrig. Investitionen bezahlen wir komplett aus Fördermitteln." Außerdem muss die Gemeinde auf die hohe Kante greifen, um zumindest einige Vorhaben umzusetzen - etwa wenn es um Anschaffungen für die beiden Ortsfeuerwehren geht.

Torsten Kleditzsch

Die Nachrichten des Tages:Der „Freie Presse“-Newsletter von Chefredakteur Torsten Kleditzsch

kostenlos bestellen

Was in Hirschfeld ins Kontor schlägt, sind zwei Besonderheiten, auf die die Gemeinde nur zur Hälfte Einfluss hat. Zum einen gilt das sächsische Finanzausgleichsgesetz. Das regelt die Auszahlung von Zuweisungen an die Städte und Gemeinden anhand von deren Einnahmen. Das heißt: Erhält ein Ort wie Hirschfeld viele Gewerbesteuern, gibt es weniger Geld vom Freistatt. Im konkreten Fall sind es 2019 gerade einmal knapp 30.000 Euro. Bürgermeister Rainer Pampel (parteilos) ist damit nicht glücklich. "Es achtet keiner darauf, welche Ausgaben die Kommunen haben." Er hofft darauf, dass das Gesetz geändert wird, sodass es Zuschüsse gibt für traditionell übernommene freiwillige Ausgaben. Damit meint er den Tierpark. Der hat 2018 rund 700.000 Euro an Einnahmen in die Kasse gespült - allerdings auch rund 790.000 Euro gekostet. "Für 2019 planen wir mit 804.000 Euro", so Frank Hänel.

In der Tat gibt Hirschfeld das meiste Geld für Personal aus. Gerechnet auf die Gesamtkosten werden 57 Prozent als Löhne und Gehälter überwiesen. "Im Regelfall liegen die Personalkosten in einer Gemeinde bei 30 bis 40 Prozent", so der Kämmerer. Dazu trägt nicht nur der Tierpark bei. Es gibt in Hirschfeld auch zwei sehr gut ausgelastete Kindertagesstätten sowie zwei Gemeinschaftsküchen, von denen nicht nur die Kinder profitieren, sondern auch die Niedercrinitzer Senioren. "Der Gemeinderat hat sich entschieden, alle Einrichtungen zu behalten", so Hänel. Das führe dazu, dass für Investitionen nicht allzu viel Geld da ist. "Dafür ist Hirschfeld aber ein attraktiver Wohnstandort."

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...