"Die Moni" gehört halt dort rein

Ehrensache! Engagiert in Westsachsen. Monika Kellmann ist eine von 50 Ehrenamtlern, die im Zwickauer Mütterzentrum tätig sind. Und das seit 18 Jahren.

Zwickau.

Sie nennen sie alle nur "die Moni" - die Dreikäsehochs, mit denen die 68-Jährige noch auf dem Trampolin turnt, ebenso wie die lustige Frauenrunde, mit denen sie mittwochs im Café des Mütterzentrums Rommé spielt. Seit 18 Jahren engagiert sich Monika Kellmann im Mütterzentrum. "Das ist mein zweites Zuhause", sagt die Zwickauerin.

Kellmann, Mutter von zwei Kindern und Großmutter von fünf Enkelkindern, hat in dem Mehrgenerationenhaus an der Kolpingstraße schon beinahe alles gemacht - geputzt, mit Senioren gespielt, mit Schülern Hausaufgaben erledigt, im Café geholfen, Trödelmärkte und Wanderungen organisiert, andere Ehrenamtler angeleitet. Heute hilft sie noch im Café aus, pflegt die gemütliche Damen-Rommé-Runde und hilft vor allem im Kinderbereich mit. Immer zu zweit kümmern sie sich dort um zehn bis zwölf Kinder bis sechs Jahre. Deren Mütter nehmen in der Zeit private Termine in Anspruch oder auch mal nur eine Auszeit, um mit anderen Frauen eine Tasse Kaffee zu schlürfen. "Meine Kinder sind erwachsen, ich habe keinen Partner, keinen Garten, auch keinen Hund mehr - was soll ich allein zu Hause?", sagt Monika Kellmann schulterzuckend. Der Job halte sie zudem fit. "Man lernt immer dazu." Sie hat sich im Umgang mit autistischen Kindern schulen lassen und erst vor Kurzem ihren Erste-Hilfe-Kurs aufgefrischt.


Kellmann absolvierte nach der Schule eine Lehre in der LPG. Tierpflegerin war eigentlich immer ihr Traumberuf. Dann hieß es, im Reichsbahnausbesserungswerk verdient man besser. Sie wechselte dorthin, als Reinigungskraft. Aber sie wusste immer, dass sie mehr wollte. Also machte sie ihren zweiten Facharbeiter und einen Meisterlehrgang in Materialwirtschaft. Sie wurde als Lagermeisterin Chefin von etwa 20Mitarbeitern, bevor sie von einer der Kündigungswellen erwischt und arbeitslos wurde. Kellmann jobbte bei Eismann und Bofrost, bis ihre Nachbarin eines Tages zu ihr sagte: Geh doch mal ins Mütterzentrum, die suchen gute Leute. "Ich dachte mir erst: Du liebe Zeit, ein Haus voller Frauen, das kann ja was werden ... Eigenartigerweise ging das aber wunderbar." 18 Jahre später bereut sie nichts.

Mittwochs, donnerstags und freitags kommt die 68-Jährige jeweils vier Stunden ins Haus, um die Jüngsten zu betreuen. 60 Euro gibt es dafür monatlich. "Ich mach das nicht für Geld." Viel schöner sei es, die Kinder zu sehen, deren Gesichter, wenn sie wissen, dass "die Moni" da ist. Fast bei jedem Wetter geht Monika Kellmann mit den Steppkes raus in den Garten, wo es viel Freiraum, aber auch Grenzen gibt. Es sind Migranten darunter, mit denen die Kommunikation oft ganz lustig, manchmal aber auch schwierig sei. "Wir drücken uns und lachen. Manche der kleinen Mäuse haben ja ganz viel durch."

An den freien Montagen schaut Kellmann oft bei ihrer 91-jährigen Nachbarin vorbei, hilft beim Fensterputzen oder geht mit ihr spazieren. Nur am Dienstag lässt sie sich keine Termine aufbrummen. "Das ist mein Tag", sagt sie und gesteht, das der mit Ausschlafen beginnt.

Kellmann gelingt es nach eigenen Angaben gut, die Sorgen, die die Hausbesucher manchmal mit ihr teilen, nicht mit in ihr eigenen Zuhause zu tragen. Manchmal vertrauen sich ihr Frauen an, die vor ihren Männern auf der Flucht sind. Das sind Geschichten, die auch einer taffen Frau an die Nieren gehen. "Da sage ich mir dann immer: Du hattest eigentlich ein gutes Leben."

Für Nicole Lindner, Koordinatorin im Kinderbereich des Hauses, ist Monika Kellmann eine sehr engagierte, ja beispielhafte Vertreterin der Ehrenamtler. "Ohne die würde unser Haus so nicht funktionieren", sagt Lindner. Rund 50 Ehrenamtler arbeiten im Mütterzentrum, das viele Einsatzmöglichkeiten für ehrenamtliches Engagement bietet. "Egal ob Kinder oder Erwachsene, Monika kann auf alle zugehen und mit Begeisterung dieses Haus vertreten", sagt Lindner. Petra Dinkelmann, seit 13 Jahren Mitarbeiterin im Mütterzentrum, schätzt Kellmann ebenso. "Die Moni ist die Moni, die gehört halt hier rein", sagt sie lachend. Und ein Weilchen möchte "die Moni" noch mitmischen - ob beim Kartenspielen oder beim Trampolinturnen. "Mein 20-Jähriges will ich noch voll machen", sagt die Zwickauerin.


Mütterzentrum ein Mehrgenerationenhaus mit Café, Kursen, Veranstaltungen und Projekten

Das Mütterzentrum des SOS-Kinderdorfs ist ein Mehrgenerationenhaus mit Café, Kursen, Veranstaltungen und mehreren Projekten. Drinnen gibt es ein Spielzimmer für Kinder, draußen einen eigenen Spielplatz. Im Schülertreff können Kinder ab sechs Jahren basteln, werkeln, kochen und backen, bekommen aber auch Hausaufgabenhilfe. Im Garten und im Café gibt es für die Erwachsenen Raum und Gelegenheit, sich seine Sorgen von der Seele zu reden. Im Elterntreff kann man sich beraten lassen. Auch Frauen, die Schutz suchen, finden dort Ansprechpartner.

Zu den Projekten des Hauses gehören beispielsweise die "Nachbarschaftsfrauen". Es sind Frauen aus der ersten Einwanderergeneration, die Neuankömmlingen bei der Integration helfen. Sie verfügen über Erfahrungen, wie man sich erfolgreich einlebt. Das Projekt "Familienpaten" beinhaltet Hilfe für junge Eltern im Alltag. Die Familienpaten sind freiwillige, ehrenamtliche Mitarbeiterinnen. Sie bieten je nach Absprache mit den Familien ein- bis zweimal pro Woche für zwei bis drei Stunden ihre Hilfe an: Sie gehen mit zum Arzt, spielen mit den Kindern oder gehen mit ihnen spazieren, machen kleine Besorgungen oder hören einfach nur zu. (upa)

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