Die Spur der Kupferreliefs verliert sich im Bauschutt

Kleine Kunstwerke zierten ab 1979 den Eingang zur bekannten Speisegaststätte "Parkcafé". Doch die meisten sind verschwunden.

Zwickau.

Anita Eichhorn hütet in ihrer Wohnung einen kleinen Schatz. An einer Wand hängt das wahrscheinlich letzte von ursprünglich 24 existierenden Kupferreliefs, die einst den Eingang des "Parkcafés" an der Alten Reichenbacher Straße in Zwickau schmückten. Gestaltet hatte die Kupferplatten, in die diverse Motive in einer Art Ätztechnik eingearbeitet worden waren, der Grafiker und Designer Rolf Uhlmann. 20 dieser Platten mit den Abmaßen 35 mal 90 Zentimetern wurden schließlich im neuen "Parkcafé" in einer Art Band angebracht. Die anderen Platten wurden an verdiente Mitarbeiter der Handels- organisation HO verschenkt.

"Mein Mann hat damals bei der HO gearbeitet", sagte die in Zwickau bekannte Seniorin. Am 11. April 1979 wurden die kleinen Kunstwerke letztmals in einem Bauprotokoll erwähnt - sie waren nicht rechtzeitig geliefert worden. Doch irgendwie hatten es die Verantwortlichen geschafft, den Kupferschmuck bis zur Eröffnung am 1. Mai 1979 an die Wände zu bringen.


Heute, 40 Jahre später, ist davon nichts mehr zu sehen. Der Haupteingang wird nicht mehr genutzt, die Kupfertafeln sind verschwunden, was Anita Eichhorn zur der Frage veranlasst: "Wo sind die Tafeln geblieben?" Sie dürften zwar nicht übermäßig wertvoll sein, aber immerhin seien es kleine Kunstwerke. Als sicher gilt, dass die Platten zur Wende 1990 noch an ihrem Platz hingen. Doch bei der Treuhand, die nach 1990 Eigentümer des Gebäudes war, gibt es keine Unterlagen mehr dazu. "Das ist 20 Jahre her", sagte Pressesprecher Christoph Wilhelm. Derlei spezifische Informationen könnten jetzt nicht mehr herausgefunden werden. 1998 kam es zu einem Brand im Gebäude. Ob die Kupferplatten dabei Schaden nahmen, weiß niemand genau. "Darauf haben wir auch nicht geachtet", sagte ein Feuerwehrmann, der damals mit im Einsatz war. Schließlich verkaufte die Treuhand 1999 die Immobilie. Danach wurde umgebaut. Unter anderem zog in den früheren Haupteingang eine Bäckerei ein. Wurden die Platten damals abgebaut und vielleicht eingelagert oder verkauft? Wurden sie einfach mit den Wänden herausgerissen und landeten im Bauschutt? Der private Eigentümer hat sich dazu nicht geäußert, eine Anfrage blieb ohne Reaktion. Grafiker Rolf Uhlmann, kann sich an die Arbeiten im "Parkcafé" kaum erinnern. "Ich habe damals sehr viel gemacht", sagte der heute 84-jährige, der in Chemnitz lebt. Allerdings könne er ausschließen, dass ihm die Platten zurückgegeben wurden. Damit wird Anita Eichhorns Relief wohl das letzte dieser Art aus dem "Parkcafé" sein.

Das Gebäude wurde 1870 nach Entwürfen und unter der Leitung des Zwickauer Baumeisters Franz Wolf errichtet. Auftraggeber war Carl Goldammer. Ab 1875 wurde das Erdgeschoss zur Konditorei Weißer. 1885 übernahm sie Bruno Hentsch. Er war bis 1920 Inhaber. Ab dem Jahr 1921 ist Emil Ronninger als Betreiber im Adressbuch eingetragen. Am 3. Januar 1949 teilte Oberbürgermeister Paul Müller mit, dass im Gebäude Diensträume der Polizei untergebracht werden. Im November 1951 zogen die Polizisten wieder aus und die Handelsorganisation HO ein. Aus dem Erdgeschoss wurde eine Gaststätte mit 150 Plätzen. Im Stockwerk darüber zog ein Betriebsambulatorium ein.

Nach der Wende ging die Immobilie an die Treuhand. Das Restaurant wurde zunächst weiterbetrieben. Spätestens nach dem Brand im Jahr 1998 wurde jedoch der Betrieb eingestellt. 1999 verkaufte die Treuhand das "Parkcafé" an einen privaten Eigentümer. Es wurden Teile des Gebäudes abgerissen und die Immobilie umgebaut. Seitdem nutzt die Benedict School das Objekt.

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