Die Stimmungskanonen aus Wildenfels

Mit einem Konzert feiern die Wildenfelser Schalmeien am Samstag ihr fünfjähriges Bestehen. Sie haben eine Tradition wiederbelebt, die über mehr als 20 Jahre fast in Vergessenheit geraten war.

Wildenfels.

Ob Familienfest im Tierpark oder Traktorentreffen auf der Lutherhöhe: Wenn die Wildenfelser Schalmeien mit der Titelmusik der bekannten Olsenbande-Filme einlaufen, kommt sofort Stimmung auf, wippen die Zuschauer im Takt und klatschen begeistert mit. Aber auch der "Steigermarsch" gehört zum Repertoire, der ist in der Region ein Muss. Orchesterleiter Jörg Mitzlaff hat die Stücke extra für das Orchester arrangiert. Der Falkensteiner freut sich, dass er in den vergangenen fünf Jahren aus einem bunten Haufen Enthusiasten einen Klangkörper geformt hat, der inzwischen zu vielen Veranstaltungen eingeladen wird, um für Stimmung zu sorgen. Allein im vorigen Jahr hatte er 21 Auftritte.

Mitzlaff war 2014 vom Wildenfelser Gernot Seidel gebeten worden, in der Stadt wieder eine Schalmeienkapelle auf die Beine zu stellen. Die Instrumente waren 1987 verstummt. Damals wurden sie ins Vogtland gebracht, wo sie überholt werden sollten. "Doch die Wartezeiten dafür waren lang. Und als die Instrumente irgendwann nach der Wende aufgearbeitet zurückkamen, hatte sich die Kapelle längst aufgelöst. Keiner zeigte mehr Interesse an den frisch aufpolierten Schalmeien", erinnert sich Bürgermeister Tino Kögler (parteilos).


Bis Gernot Seidel und der Wildenfelser Johannes Heyder bei einem Feierabendbier die Idee hatten, den fast vergessenen Schatz zu heben und das Orchester neu zu gründen. Heute zählt es 20 Mitglieder im Alter von sechs bis 72 Jahren und gehört zum Freundeskreis "Schloss Wildenfels". Anna Schlegel (6) beispielsweise haut mit Begeisterung auf die Pauke. Ihre Mutter Antje spielt Schalmei, genau wie ihre Oma Helga Vogl, die sagt: "Neben dem Spielen will auch das Marschieren während der Auftritte gelernt sein. Es ist gar nicht so leicht, sich auf die Noten und das Spielen zu konzentrieren, dann noch geradeaus zu laufen und den Vordermann nicht in die Haxen zu treten." Die pensionierte Lehrerin schätzt den guten Zusammenhalt im Orchester. "Der ist nicht nur bei den gemeinsamen Proben und Auftritten, sondern auch während der Trainingslager in der Jugendherberge auf dem Aschberg gewachsen", erzählt sie.

Die Beuthners sind ebenfalls gleich mit drei Generationen im Orchester vertreten. "Ich habe die Wildenfelser Schalmeien einmal bei einem Auftritt zu Ostern erlebt und wollte gern mitmachen", erzählt Karla Beuthner (12), die inzwischen fest im Orchester integriert ist, genau wie Mutter Aline und Opa Dietmar (72), der dafür extra vom Akkordeon auf die Schalmei umgestiegen ist.

Jörg Mitzlaff sagt, dass die Schalmei ein gutes Einsteigerinstrument ist, das sich leicht erlernen lässt. "Eigentlich spielen wir auf Hupen. Die Martinstrompeten als Musikinstrumente entstanden ab 1905 und bestehen aus fünf bis 16 gebündelten Einzelhupen, die durch ein Ventilsystem jeweils eine oder drei Schallröhren mit der festgelegten Ton- höhe auswählen", erläutert er.

Beim ihm ist die lange Anfahrt von Falkenstein nach Wildenfels jeden Freitag zu den Proben übrigens immer eine Art Familienausflug. Er kommt gemeinsam mit Ehefrau Katja und den Töchtern Nelly und Laura, die ebenfalls mitspielen. Zur Feier am Samstag sind übrigens mit dem 1. Vogtländischen Schalmeienzug Auerbach weitere Vogtländer dabei. Außerdem gestaltet das Konzert der 1. Vollmershainer Schal-meienzug mit.

Mit einem großen Konzert feiern die Wildenfelser Schalmeien am Samstag ab 17Uhr am Wildenfelser Schloss ihr fünfjähriges Bestehen. Der Eintritt ist frei. Wer Lust zum Mitspielen hat, kann freitags ab 17 Uhr zu den Proben im ehemaligen Jugendcafé, Gartenweg 1 in Wildenfels, kommen.

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