Die Theater, die nie gebaut wurden

Das Zwickauer Gewandhaus war ursprünglich gar kein Bühnenhaus. Daher gab es immer wieder Vorschläge für eine bessere Lösung. Doch umgesetzt wurde keiner.

Zwickau.

Das Zwickauer Gewandhaus wird derzeit für 24 Millionen Euro saniert. Das Gebäude, das von 1522 bis 1525 als Kaufhaus für die Tuchmachergilde errichtet worden war, wurde erst ab 1812 zunächst teilweise und später vollständig für die Kunst genutzt. Seitdem sind mindestens zwölf größere Umbauten im Gebäude und an der Bausubstanz bekannt. Wie viel Geld investiert wurde, um den Theaterbetrieb aufrecht zu erhalten, ist nicht mehr feststellbar. Im den letzten 150 Jahren gab es immer wieder Ideen für Neubauten. Die haben jedoch eines gemeinsam: Sie wurden nie Wirklichkeit.

1853 brachte Oskar Mothes (1828 bis 1903), der später den Dom neu gestaltete, die Idee für den ersten bekannten Neubau ein. Bei der im Stadtarchiv erhaltenen Zeichnung fehlen konkrete Angaben zum Standort. Vermutlich wollte er sein Theater auf dem Ostspiegel des Hauptmarktes errichten und den Platz in Theaterplatz umbenennen. Den Bau wollte die Stadt über Bürgeraktien finanzieren. Doch das Interesse war sehr verhalten. Zur Entscheidung im Rat am 13. Februar 1855 wollte Bürgermeister Friedrich Wilhelm Meyer den Punkt von der Tagesordnung nehmen. Doch die Stadträte entschieden anders und lehnten das Vorhaben ab. Gleichzeitig stimmten die Räte gegen Umbauten im Gewandhaus. Der Aufwand war ihnen zu hoch.

Um 1900 entstand die Idee, auf dem Albertplatz (heute Platz der Deutschen Einheit) ein Schauspielhaus zu errichten. Die Pläne wurden nicht weiterverfolgt. Unterlagen dafür konnten nicht gefunden werden.

Im Mai 1929 sollte wieder neu gebaut werden. Das geht aus einer Rede von Oberbürgermeister Richard Holz hervor, die im Stadtarchiv erhalten ist. Er rief die Räte auf zu prüfen, ob ein Neubau finanziell umsetzbar sei. Holz: "Nach der jetzigen Lage des Stadttheaters ist bestimmt anzunehmen, dass die Stadt Zwickau keinen Zuschuss aufzubringen hätte, wenn ein genügend großes Theater gebaut werden würde." Baupläne lagen vor. Überliefert sind sie jedoch nicht. Vermutlich konnte die Finanzierung nicht gesichert werden. Gebaut wurde jedenfalls nicht.

1935 keimte die Idee vom Theater-Neubau erneut auf. Im Verwaltungsbericht werden die unzureichenden Bedingungen kritisiert. Ein neues Stadttheater sei unausweichlich. 1939 hatte der Münchner Architekt Hermann Alker (1895-1967) seinen Entwurf fertig. Zwei Wochen vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges erteilte Adolf Hitler persönlich die Genehmigung zum Bau des Zwickauer Stadttheaters mit dem Standort Ziegelwiese. Dann ruhte das Projekt. 1943 wurde das Theater-Modell der Öffentlichkeit vorgestellt. Jetzt stand es mitten im neuen Stadtzentrum - Alker wollte es auf dem Hindenburgplatz (heute Platz der Völkerfreundschaft) bauen. Neben dem Theater sollten ein Rathaus, eine Musikschule, eine Stadthalle, ein Kreishaus, ein Haus der NSDAP sowie ein zentrales Heim der Hitlerjugend entstehen. Der Kriegsverlauf brachte auch diese Pläne zu Fall.

Im Jahr 1946 wurde der Architekt Bernhard Sturtzkopf (1900-1972) aktiv. Seine Baupläne für ein neues Stadttheater sind im Stadtarchiv erhalten. Am 12. März 1946 stellte er einen Vorentwurf für den Bau eines Theaters und eines Hotels auf dem Hauptmarkt vor. Bauen wollte er auf dem Areal des 1945 zerstörten Stadthauses III. Sturtzkopf, der 1928 von der Firma Schocken vom Bauhaus nach Zwickau geholt worden war, plante sehr großzügig - unter anderem mit zahlreichen Räumen für die technische Ausstattung des Theaters, das unter anderem eine Drehbühne mit einem Durchmesser von 18 Metern bekommen sollte (1947 wurde eine Zwölf-Meter-Drehbühne ins Gewandhaus eingebaut). Doch nach dem Krieg hatten die Zwickauer zunächst andere Sorgen, zumal im Gewandhaus Theater gespielt werden konnte. Die Unterlagen wanderten ins Archiv.

In den 1950er-Jahren wurde der Ruf nach einem Neubau wieder lauter, zumal sich der Zustand des Gewandhauses deutlich verschlechterte. Fotos im Staatsarchiv Chemnitz belegen das. Doch Stadtverwaltung und Stadtverordnetenversammlung entschieden sich erneut für Umbauten statt für einen Neubau. Mitte der 1960er-Jahre wurde der Anbau geplant und später umgesetzt.

In den 1980er-Jahren stand der Bau eines Opernhauses auf dem Plan. Das geht aus Unterlagen des Rates des Bezirkes Karl-Marx-Stadt hervor, die im Staatsarchiv Chemnitz erhalten sind. Bereits seit 1963 war die Idee im Gebietsentwicklungsprogramm, vergleichbar mit dem heutigen Stadtentwicklungskonzept, für die 1980er-Jahre verankert. In einem Gutachten ist nachzulesen, dass das Gewandhaus zunehmend weniger für den Theaterbetrieb taugte. Doch auch die Planungen für das Opernhaus verschwanden in der Versenkung. Im Stadtarchiv sind weder Baupläne noch Angaben zu einem möglichen Standort zu finden.

Nach der Wende gab es für einen Theaterneubau weder Vorschläge noch Pläne. Allerdings wurde vor der jetzt laufenden Sanierung als Alternative auch ein neues Theater "auf der grünen Wiese" diskutiert. Wie Rathaussprecher Mathias Merz sagte, wurden die Pläne jedoch nicht weiterverfolgt. Zum einen sei das historische Gewandhaus ein traditioneller Standort im Zentrum der Stadt, heißt es als Begründung. Die beiden wichtigsten Punkte dürften jedoch folgende gewesen sein: Einen Neubau hätte die Stadt aus eigener Tasche ohne Fördermittel bezahlen müssen. Und das Gewandhaus hätte wegen seines Zustandes auch dann saniert werden müssen, wenn darin nicht mehr Theater gespielt wird.

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