Die verborgenen Seiten von Wildenfels

Seit 25 Jahren wird im September zum Tag des offenen Denkmals eingeladen. Das Interesse vor allem an sonst nicht zugänglichen Objekten ist ungebrochen.

Bürgermeister Tino Kögler (rechts) führte mehrfach durch die Baustelle auf Schloss Wildenfels.
Steffen Pfeifer (rechts) zeigt mit Wolfgang, Johannes und Hanna Schädlich gleich drei Generationen die alte Technik im Wasserwerk.

Für Sie berichtet: Viola Martin

Der Nord- und der Westflügel des Wildenfelser Schlosses sind seit Jahren eine Baustelle. Beide werden saniert und zum neuen Verwaltungssitz der Kleinstadt um- und ausgebaut. Wie weit die Arbeiten fortgeschritten sind, die voraussichtlich im Herbst 2019 abgeschlossen sein sollen, das zeigten am Sonntag Bürgermeister Tino Kögler (parteilos) und Thomas Krügel vom Bauamt bei gut besuchten Führungen.

Während viele Interessierte vor allem aus Wildenfels und dem Kreis Zwickau gekommen waren, hatte sich Ludwig Bachmann sogar aus Chemnitz auf den Weg zum Schloss gemacht. "So eine Baustellenführung ist doch sehr interessant. Vieles, was uns der Bürgermeister hier zeigt, sieht man später gar nicht mehr. Ich finde, die beiden Schlossflügel wieder herzurichten und zu nutzen, ist wichtig. Das viele Geld ist hier gut angelegt", sagte er. Die Sicherung des alten Gemäuers, das zum Hang hin abgesackt war, und seine Sanierung kosten wirklich einen Batzen Geld. "Zurzeit gehen wir von 4,7 Millionen Euro aus", sagte Kögler. "80 Prozent davon fließen als Fördermittel."

Im früheren Waschhaus wird künftig die Bibliothek ihren Platz finden. Der Stadt-Chef informierte, dass nächste Woche die Fußbodenheizung reinkommt, anschließend der Estrich. "Die grauen Stellen am Boden sind Sperren gegen aufsteigendes Radon", erläuterte er. "Wir haben aufwändige Messungen machen lassen und hoffen, dass die Sperren etwas bringen."

Weiter ging es in den Raum, der künftig als Ratssaal dienen und auch für Workshops des Mehrgenerationenhauses genutzt werden wird. "Hier hatten wir das Feuerwehrauto drin, ehe der Raum 1993 gesperrt werden musste", sagte Kögler und berichtete, dass alles nicht nur denkmal-, sondern auch behindertengerecht saniert wird. So werden Rollstuhlrampen genauso eingebaut wie ein Fahrstuhl. Im Gang in der dritten Etage machte der Bürgermeister darauf aufmerksam, dass unter dem Lehm eine Wandheizung installiert worden ist. Die historischen Balken an der Decke seien unter den alten Sauerkrautplatten hervorgeholt worden. In der Etage darunter werde allerdings die Stuckdecke wieder hergerichtet. "So sollen verschiedene Bauepochen dokumentiert werden", sagte Kögler.

Im Wildenfelser Ortsteil Wiesenburg hatte gestern das Wasserwerk geöffnet. Steffen Pfeifer von den Wasserwerken Zwickau, der eigentlich Teamleiter für Hausanschlüsse ist, führte im Laufe des Tages Hunderte durch das technische Denkmal, das über 116 Jahre Zwickau und andere Orte mit Trinkwasser versorgt hatte, ehe es 2006 stillgelegt worden war.

Der Wasserwerker informierte, dass es an der Stelle der Zwickauer Mulde entstanden ist, an der früher ein Sägewerk mit Wasserkraft betrieben worden war. Es wurde als erstes städtisches Wasserwerk gebaut, um den wachsenden Bedarf an Trinkwasser zu decken, der im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung in Zwickau entstanden war. Anfangs wurde neben reinem Grundwasser auch Uferfiltrat gefördert, das ohne weitere Aufbereitungsmaßnahmen an die Verbraucher ging.

Da die ursprünglich für die Versorgung von 80.000 Einwohnern konzipierte Anlage bald an die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit kam, wurde das Grundwasser ab 1909 mit Wasser aus der Zwickauer Mulde angereichert. Als Anfang der 1950er-Jahre das Wasser den hygienischen Anforderungen nicht mehr genügte, wurde im benachbarten Wilkau-Haßlau eine Trinkwasseraufbereitungsanlage gebaut. Nach dem Hochwasser 1954, das viele Anlagen beschädigt oder zerstört hatte, gab es etliche Umbauten.

Begeistert zeigten sich Besucher jeden Alters, als Steffen Pfeifer die Zwillingsplunger-Pumpen, Baujahr 1912, anwarf und sich die großen Transmissionsräder drehten. Zu jenen, die die alte Technik fasziniert, gehört Wolfgang Schreyer aus Zwickau. "Toll, dass man an solchen Tagen sonst geschlossene Denkmale für die Bevölkerung öffnet", sagte er und berichtete, dass er vorher schon den Wasserturm in Oberplanitz bestiegen hatte und noch zum Engländerstolln wolle.

Übrigens: Auch wenn das Wasserwerk inzwischen ein technisches Denkmal ist - die Wasserkraft der Zwickauer Mulde wird nach wie vor zur Stromerzeugung genutzt.

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