Die Vorgeschichte des Nettos

Auf dem Gelände des künftigen Einkaufsmarktes in Marienthal sind Archäologen zu Gange. Und sie haben etwas entdeckt.

Zwickau.

Die Einwohner in Marienthal-West müssen noch etwa ein Dreivierteljahr warten, bis sie im neuen Netto-Markt an der Ecke Waldstraße/Heinrich-Braun-Straße einkaufen können. Obwohl die Grundfläche mit Absperrband gesichert ist, ist von Hochbauarbeiten derzeit nichts zu sehen. Das rot-weiße Flatterband haben nämlich nicht Bauarbeiter, sondern Mitarbeiter des Landesamtes für Archäologie angebracht. Sie sind dort bereits seit ein paar Wochen mit Grabungen beschäftigt, die Aufschlüsse über die Geschichte der Gegend liefern sollen.

"Es ist die erste archäologische Grabung in diesem Bereich", sagte der Pressesprecher des Landesamtes, Christoph Heiermann. Eigentlich war die Überprüfung des Areals nur als Routineeinsatz geplant. Dann jedoch trafen die beiden vor Ort tätigen Archäologen im Erdreich auf ein paar Überraschungen. "Das Areal liegt in einer archäologischen Relevanzzone", sagte Heiermann. Historische Karten würden belegen, dass in früherer Zeit auf dem Gelände ein größeres Gehöft existierte. Nach Angaben von Heiermann konnten große Mengen an Keramikfragmenten aus dem 15. Jahrhundert aus dem Untergrund geborgen werden. Außerdem stießen die Mitarbeiter auf Brandschutt, der ebenfalls aus dieser Zeit stammt. "Das lässt tatsächlich auf die Existenz eines Bauernhofes an dieser Stelle schließen", sagte Heiermann.

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Am Dienstag machten die Archäologen einen weiteren interessanten Fund. Am oberen Ende des Geländes grub sich ein Bagger in die Erde. Viel Boden brauchte er aber nicht abzutragen. Schon in geringer Tiefe tauchten dicke Holzbalken auf. Die Fachleute gehen nach einer ersten Einschätzung davon aus, dass sie von einer Scheune stammen, die dort im 19. Jahrhundert gestanden haben könnte. Jetzt arbeiten sich die Archäologen vorsichtig weiter in den Untergrund vor, immer in der Hoffnung, weitere Hinweise auf die frühere Bebauung und Besiedlung des Gebietes zu finden.

Bis Ende Mai, so Heiermann, sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Der Bauherr hat inzwischen mitgeteilt, dass er voraussichtlich Mitte Juni mit dem Neubau beginnen wird. Spätestens im April 2020 soll der Einkaufsmarkt eröffnet werden. Er ist als Ersatz für den im November 2016* geschlossenen Edeka-Markt am Eschenweg geplant. Für diesen hatte sich kein neuer Mieter gefunden. Die Einwohner im westlichen Teil von Marienthal hatten wiederholt darauf gedrängt, wieder eine Einkaufsmöglichkeit im Stadtteil zu haben. Ein privater Investor, die Kirchberger RTLL-Gruppe, hatte schließlich den Standort an der Waldstraße/Ecke Heinrich-Braun-Straße entdeckt, das Grundstück erworben und den Markt geplant.

 

*In einer früheren Version des Textes haben wir berichtet, dass der Edeka-Markt am Eschenweg 2017 geschlossen wurde. Das ist falsch, der Einkaufsmarkt wurde bereits 2016 geschlossen. 

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