Die Zwickauer Flugtage haben eine lange Tradition

Alles begann 1909 mit der Gründung des Zwickauer Vereins für Luftschifffahrt. Seither ist viel passiert. Und der Blick geht nach vorn: 2026 soll 100 Jahre Flugplatz gefeiert werden.

Zwickau.

Die große Fliegerei-Fangemeinde hat mit Begeisterung ein Statement von Zwickaus "Chef-Adler" Joachim Lenk zur Kenntnis genommen. Der sagte nach dem Ende der diesjährigen Flugschau am späten Sonntagnachmittag: "Wenn ich gesund bleibe, organisiere ich in zwei Jahren das 20. Flugplatzfest."

Die Erfolgsgeschichte des hiesigen Aero-Clubs wird also fortgeschrieben. Und nicht nur die. Auch die lange traditionsreiche Geschichte der Zwickauer Flugtage hat eine Zukunft. Von dieser Tradition ist in der Öffentlichkeit offensichtlich nur wenig bekannt. "Bedauerlicherweise ist das tatsächlich so", sagt Aero-Club-Chef Joachim Lenk. Und wenn ihm diesbezüglich Flieger-Urgestein Udo Einführer (79), Wahl-Lichtentanner, beipflichtet und das zumindest ein wenig ärgerlich findet, hat das seinen Grund, denn beide spielen in der Tradition der Zwickauer Flugtage eine nicht unbedeutende Rolle.

Alles begann am 11. und 12. Mai des Jahres 1912, als unter alleiniger Regie des erst 1909 gegründeten Zwickauer Vereins für Luftschifffahrt die ersten Zwickauer Flugtage über die Bühne gingen - damals noch auf dem Exerzierplatz in Helmsdorf. Der heutige Flugplatz an der Reichenbacher Straße wurde erst 14 Jahre später, also 1926, eingeweiht. Tausende Besucher waren von den tollkühn-verrückten Aviatikern, wie sich die Flugpioniere nannten, begeistert. Aus dem Erzgebirge und Vogtland kamen Sonderzüge nach Zwickau.

Die beiden Weltkriege - 1914 bis 1918 und 1939 bis 1945 - machten dem Fliegen in Deutschland erst einmal den Garaus. Viele Menschen hatten danach ohnehin die Flugzeuge, die Feuer und Tod vom Himmel brachten, in böser Erinnerung.

In der DDR wurde das Fliegen dann von der Gesellschaft für Sport und Technik (GST) wieder ins Laufen gebracht. Der 8. Mai 1964 ist ein weiteres Schlüsseldatum für den Flugsport in Zwickau, denn an dem Tag fand der erste Großflugtag in Zwickau statt. "Schuld daran" ist Udo Einführer, der nicht locker ließ, eine solche Veranstaltung ins Leben zu rufen. Wer den Mund unüberhörbar aufmacht, der sollte dann eben die Sache auch organisieren - Motorfluglehrer Einführer übernahm diese Aufgabe mit Leidenschaft. "Sturheit bringt auch etwas", meinte er kürzlich und schmunzelte zufrieden. Während dieses Großflugtages herrschte kein gutes Wonnemonat-Wetter. Es war nass und kalt. Wegen Graupel- und Hagelschauern zögerte sich das Fallschirmspringen hinaus. Das störte die Besucher aber nicht. Laut Veranstalter wurden 48.000 Eintrittskarten verkauft.

Mit der friedlichen Revolution 1989 wurde auch im Flugsport (fast) alles anders. 1990 gründeten Zwickaus Adler ihren neuen Verein, den Aero-Club Zwickau, der heute rund 150 Mitglieder zählt. Seit 1992 steht Joachim Lenk ununterbrochen als Vorsitzender an dessen Spitze. Dieses Jahr stellte erneut einen Meilenstein in der Geschichte der Zwickauer Flugtage dar: Das erste Flugplatzfest wurde am letzten Augustwochenende gefeiert. Tausende Fliegerfans kamen, sahen und waren begeistert. Auch hier gab es wieder eine Schlüsselperson. Ähnlich hartnäckig wie Udo Einführer setzte Lenk diese Mammut-Veranstaltung ohne Wenn und Aber durch und suchte sich im Verein - auch für alle weiteren Veranstaltungen dieser Art - besonders aktive Mitstreiter. Kein Zweifel: Ohne Lenk gäbe es die Flugsport-Institution Flugplatzfeste in Zwickau nicht.

So verschieden die Veranstaltungen 1912, 1964 und 1992 auch waren, sie hatten etwas Gemeinsames: Erfolg, weil sie die Menschen begeistert annahmen. Fliegerei hat etwas Anziehendes.

Und nun wurde das 19. Zwickauer Flugplatzfest gefeiert. Unter den Besuchern war auch Udo Einführer. "Ich bin einfach auch begeistert, was dieser Verein ehrenamtlich immer wieder auf die Beine stellt. Unglaublich. Ich wünsche Joachim Lenk und seinem Verein alles Gute", so der 79-Jährige. Ähnlich äußerte sich vor ein paar Tagen Gerhard Mann aus Nürtingen (Baden-Württemberg): "Als ich 2008 mit einer Modellfluggruppe unseres Vereins aus Grabenstetten am 14. Flugplatzfest teilnahm und wir die Flugschau mitgestalten durften, war ich 'baff'. Eine derartige zweitägige Veranstaltung, von einem Verein geplant und durchgeführt, hatte und habe ich nicht wieder erlebt", meinte er. Trotz der circa 450 Kilometer Entfernung zu seinem Wohnort war er mehrmals in Zwickau zu Gast. Den Zwickauer Flugsportfreunden wünscht er für noch viele Feste "Hals- und Beinbruch".

Noch so manches runde Jubiläum kann künftig gefeiert werden. 2026 wird zum Beispiel der Zwickauer Flugplatz 100 Jahre alt. Dann muss aber eine jüngere Generation das Zepter in die Hand nehmen und ihre Ideen bei der Organisierung von Flugplatzfesten einbringen.

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