Domfenster hüten ein Geheimnis

Vor 200 Jahren wurden Glasgemälde aus der Marienkirche verkauft. Jetzt ist ein Teil davon wieder aufgetaucht - in Portugal.

Zwickau.

Fast 200 Jahre ist es her, dass aus der Zwickauer Marienkirche zehn in die Fenster eingelassene Glasgemälde auf mysteriöse Weise verschwanden. Bürgermeister Tobias Hempel und Superintendent Gottlieb Lorenz hatten sie 1819 an die Prinzessin Fanny Biron von Kurland verkauft. Nach dem Abtransport verliert sich jedoch die Spur der Fenster. In den Chroniken ist kaum etwas dazu zu finden. "Wir kennen im Grunde auch nur die Legende", sagt Dombaumeister Michael Kühn. Darüber, weshalb man sich auf das Geschäft eingelassen hatte, kann er nur spekulieren. "Ich vermute, man wollte mehr Licht in der Kirche haben." Tatsächlich waren die Fenster durch normale Butzenscheiben ersetzt worden. Auch heute sind im Dom St. Marien noch Fenster mit den kleinen runden Gläsern eingebaut. "Ich glaube allerdings nicht, dass es noch die Fenster sind, die damals eingesetzt wurden", sagt Kühn. Vermutlich wurden die meisten Fenster beim Umbau der Kirche durch Oskar Mothes in den Jahren 1885 bis 1891 erneuert.

Gesucht wurde nach den Glasgemälden, darunter das Wappenfenster des Adelsgeschlechtes derer von Schönfels, nicht. Dabei könnte eines von einem bekannten Künstler stammen. Michael Kühn vermutet, dass Albrecht Dürer zumindest eines der Glasgemälde entworfen hat. Sehr wahrscheinlich hat Kaufmann Martin Römer seine geschäftlichen Kontakte nach Nürnberg eingesetzt. "Die Fenster stammen aus einer Nürnberger Werkstatt", sagt Kühn. Sie kamen ein paar Jahre nach dem Altar, den der in Nürnberg ansässige Michael Wolgemut um 1479 geschaffen hat, nach Zwickau. Der junge Dürer hatte damals in Wolgemuts Werkstatt gearbeitet.

Inzwischen hat die Geschichte um die verschwundenen Fenster eine Wendung genommen: Vier davon befinden sich im Palacio Nacional da Pena im portugiesischen Sintra, wo sie einer der Nachfahren derer von Schönfels vor Kurzem entdeckte. Die Glasbilder wieder nach Zwickau holen, daran denkt aber niemand. "Der Verkauf ist damals ordnungsgemäß erfolgt", sagt Kühn. Da könne man nichts machen, selbst wenn man es wollte. Insgeheim wird jetzt auf einen weiteren Zufallsfund gehofft. "Irgendwo müssen ja auch die anderen Fenster sein", sagt Kühn. Er hofft, dass sie nicht zerstört wurden.

Inzwischen sind an der Nord- und der Südseite des Gotteshauses wieder jeweils ein Fenster mit neogotischer Glasmalerei zu sehen. "Sie stammen ursprünglich aus dem Freiberger Dom", sagt Kühn. Dort hätten sie im Keller gelegen, bis der Zwickauer Dombauförderverein daran Interesse gezeigt hätte.

Mehr zum Thema lesen Sie hier.

Bewertung des Artikels: Noch keine Bewertungen abgegeben
0Kommentare
Um zu kommentieren, müssen Sie angemeldet und Inhaber eines Abonnements sein.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...