Drei Jahre Haft für Messer-Angreifer

Nach der lebensgefähr- lichen Attacke auf dem Zwickauer Georgenplatz müssen beide Angeklagten ins Gefängnis. Dabei hatte nur einer zugestochen.

Zwickau.

Deutlich über den Anträgen der Verteidiger lagen die Urteile, die die Große Jugendstrafkammer am Montag gegen zwei junge Afghanen verhängt hat. Die beiden 19-Jährigen müssen für jeweils drei Jahre ins Gefängnis.

Für das Gericht stand fest, dass beide Männer Schuld daran tragen, dass am Karfreitag auf dem Georgenplatz in Zwickau ein dritter Afghane durch einen Messerstich so schwer verletzt wurde, dass sein Leben nur durch eine Notoperation gerettet werden konnte. Anders als der Verteidiger des jungen Mannes, der damals das Messer führte, sah der Vorsitzende Richter Klaus Hartmann in dem Vorfall keine Notwehr. Jedenfalls nicht auf der Seite des Mannes mit dem Messer in der Hand. Dessen Verteidiger hatte Freispruch gefordert, der Anwalt des zweiten Angeklagten schlug eine maximale Haftzeit von einem Jahr vor.


Während des Prozesses war es um die Frage gegangen, ob der Angeklagte zugestochen hatte oder ob das Opfer ins Messer gerannt war. Nun sagte der Richter, es sei im Grunde genommen egal. Dennoch glaube er nicht an die Ins-Messer-gelaufen-Theorie. Das passe nicht zur Geometrie der Wunden.

Vieles war nach den Zeugenaussagen unklar geblieben - zumal die meisten angehörten Zeugen einer der aneinandergeratenen Gruppen angehörten. Deswegen habe man deren Aussagen auch nur dann in die Urteilsfindung einbezogen, wenn sie durch andere Aussagen gedeckt wurden. So wies Hartmann darauf hin, dass eine Vorgeschichte dazu, warum zwischen einem der Angeklagten und dem späteren Opfer ein Konflikt aufgekeimt war, nicht bewertet wurde. Auch eine - angeblich - den Geschehnissen unmittelbar vorausgegangene Auseinandersetzung wollte Hartmann nicht in die Waagschale werfen.

Was für die drei Berufsrichter und die zwei Schöffen feststeht: Am Karfreitag waren ein Angeklagter und das Opfer aneinandergeraten. Sie prügelten auf dem Georgenplatz nach Leibeskräften aufeinander ein - ohne allzu schwere Verletzungen, aber auch ohne dass der Angeklagte wie erhofft die Oberhand gewinnen konnte. Daraufhin hat er seinen Cousin aufgefordert, ebenfalls zuzuschlagen. Der hatte bislang mögliche Verteidiger des Opfers in Schach gehalten - mit einem Messer.

Dass der kämpfende Cousin das Messer nicht wahrgenommen hat, wie es der Verteidiger nahelegte, wollte das Gericht nicht glauben. Die Aufforderung, in den Kampf einzugreifen, sei der Eskalationspunkt gewesen. Aus diesem Grund haben auch beide jungen Männer eine dreijährige Haftstrafe erhalten - einer brachte das Fass zum Überlaufen, der andere stach zu. Das Messer drang rund zehn Zentimeter in die rechte Brust ein und verursachte eine schwere Blutung. Da diese nicht sofort sichtbar wurde, die Männer aber von ihrem Opfer abließen, ließ das Gericht den von der Staatsanwaltschaft ursprünglich erhobenen Anklagepunkt des versuchten Totschlags fallen.

Im Gefängnis müssen beide dennoch bleiben. Seit April sitzen sie bereits ein. Gegen das Urteil können sie beim Bundesgerichtshof Revision einlegen.

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