Droht der Mitteltrasse das endgültige Aus?

Planungen für das Millionen-Projekt wird es auch weiterhin nicht geben. Und: Es ist offen, ob überhaupt jemals gebaut wird. Der Verkehrsminister sagt, die Trasse lohne sich nicht.

Zwickau.

Der Bau der sogenannten Mitteltrasse (S 293), die den Kreisverkehr an der Bundesstraße 175 in Werdau-Sorge mit der Bundesstraße 93 im Zwickauer Stadtteil Crossen verbinden soll, bleibt Bestandteil des Landesverkehrsplanes. Das hat das sächsische Kabinett beschlossen. Im Beschluss enthalten: Das Millionen-Projekt, das seit Mitte der 90er-Jahre vor sich hindümpelt, bleibt in der Prioritätsstufe zwei. Das heißt: Konkrete Pläne wird es bis zum Jahr 2030 nicht geben.

Mehr noch: Die Befürworter der schnellen Verbindung zwischen den beiden Autobahnen müssen sogar das endgültige Aus befürchten. Aus Sicht von Sachsens Verkehrsminister Martin Dulig (SPD) fehlt dem Vorhaben die Wirtschaftlichkeit. Das teilte er dem Zwickauer Landtagsabgeordneten Gerald Otto (CDU) mit. "Die Kosten beim Bau des Ringschlusses der Mitteltrasse sind höher als der Nutzen", fasst Dulig das Problem zusammen. Zudem würden die viel befahrenen innerstädtischen Straßen Zwickaus nur marginal entlastet, heißt es in dem Schreiben. Innerhalb von 24 Stunden würden maximal 1500 Autos weniger durch die Stadt fahren. Zu wenige für eine Investition in dieser Größenordnung. Die neugebaute Westtangente (S 289) sei leistungsfähig genug, den Durchgangsverkehr zu bewältigen. "Mit dem Bau der Mitteltrasse wird der Verkehr von der S 289 abgezogen", so Dulig.


Das sei eine "wenig aufgeschlossene Antwort aus dem Ministerium", meint Gerald Otto. Er ruft die Zwickauer Kommunalpolitiker dazu auf, sich damit nicht zufrieden zu geben, sondern sich weiter für die Trasse einzusetzen. "Für die Anbindung von Industrie- und Gewerbeflächen ist die Fortführung der Mitteltrasse ein wichtiges Zukunftsprojekt", sagt Otto, der gerade um seine Wiederwahl in den Landtag kämpft. Doch auch beim Thema Gewerbe lässt sich Dulig nicht umstimmen. "Maßnahmen zur Verbesserung der Anbindung der Gewerbegebiete sind hoheitliche Aufgabe der Stadt Zwickau", sagt Dulig.

Aufgeben will Otto die Mitteltrasse jedoch nicht. "Die Stadt Zwickau muss sich nun gemeinsam mit den Partnern im Landkreis auf die weitere Planung verständigen", sagt er. Auch für die Stadtratsfraktion von CDU/FDP hängt einiges vom Vorankommen der Mitteltrasse ab. Das Vorhaben ist Bestandteil des Zehn-Punkte-Programms mit Forderungen an die Verwaltung, das gerade erst veröffentlicht wurde.

In der Zwickauer Stadtverwaltung hält man an dem Großprojekt fest. Im Jahr 2016 hatte der Stadtrat, wenn auch mit knapper Mehrheit, für den Bau der Trasse gestimmt. "Damit haben wir einen Arbeitsauftrag", sagt Baubürgermeisterin Kathrin Köhler (CDU). Als nächstes werde der Verkehrswegeplan der Stadt angepasst. Danach könne über die notwendigen Planungen nachgedacht werden. Der bisherige Fraktionschef des Bündnisses für Zwickau (BfZ), Tristan Drechsel, versteht den Rummel nicht. "Der Bau der Mitteltrasse ist doch gar nicht Aufgabe der Stadt, sondern, als Staatsstraße, des Freistaates", betont er. Ratsbeschluss hin oder her. Außerdem, so kann er sich einen Seitenhieb in Richtung der Zwickauer Landtagsabgeordneten nicht verkneifen. "Die hatten viele Jahre Zeit, das Projekt voranzubringen."

Für die Niederhohndorfer, so Tristan Drechsel, sei das immerhin ein kleiner Erfolg. Die Einwohner des Zwickauer Stadtteils hatten sich frühzeitig eindeutig gegen die Trasse ausgesprochen, die direkt an ihren Grundstücken entlang verlaufen würde. Auch der Werdauer Frank Weidenmüller sieht in der Mitteltrasse keinen Sinn und kritisiert damit die Werdauer Stadtverwaltung, die das Vorhaben ebenfalls in der Verkehrsplanung stehen hat. Vorteile findet er in der Trasse nicht. "Die Strecke durch die Ortslage Werdau bleibt auch bei Ringschluss der Mitteltrasse immer die kürzeste Verbindung zwischen der A 4 und der A 72", sagt er. Zudem sei die Strecke mautfrei. Und er stellt noch eine Frage: Warum man auf engstem Raum eine dritte direkte Verbindung zwischen den Autobahnen brauche? "Die Folgen der Weiterführung der Trasse sind absehbar", sagt er. Weidenmüller befürchtet einen massiven Einschnitt in die unberührte Natur, und auch der Dorfcharakter in den Randlagen von Werdau und Zwickau verschwinde.

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1Kommentare
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  • 1
    0
    Freigeist14
    10.08.2019

    Irre führende Überschrift . Es geht um die Verlängerung nach Norden im Schwenk nach Osten. Die bereits bestehende Trasse hat schon genug Ackerboden vernichtet .



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