Eidgenossen schätzen westsächsische Präzision

Neue Wandbespannungen und Vorhänge nach alten Originalen sind das Hauptgeschäftsfeld der Seidenmanufaktur Eschke. Doch die Crimmitschauer können noch anderes.

Crimmitschau.

Zu den Feierlichkeiten des 100-jährigen Bestehens des Musikvereins Bünzen im Schweizer Kanton Aargau wird ein Produkt made in Westsachsen der Hingucker sein. In der Seidenmanufaktur Eschke in Crimmitschau wurde in diesen Tagen der Stoff für die Vereinsfahne der Musiker gewebt. Theo Hauser vom Vorstand des Vereins überzeugte sich jetzt selbst davon, dass die 1,50 mal 1,50 Meter große Flagge pünktlich zu ihrer Weihe fertig wird. "Die Fahne wird in Regensburg bei einem unserer Partner endgefertigt", sagt Wolfgang Eschke. "So etwas wie diese Fahnen machen wir hier nicht sehr häufig."

Für die Eidgenossen ist es allerdings schon die dritte Flagge, die in Crimmitschau die Firma verlässt. "Vor anderthalb Jahren haben wir für den Karnevalsverein Luzern eine Fahne mit einem großen Frosch angefertigt. Der Chef war davon restlos begeistert und hat gute Reklame für uns gemacht", erklärt Geschäftsführerin Helga Eschke das Interesse der Schweizer.

Auch für Uta Mehlhorn, die die hochmoderne Webmaschine im Maschinensaal bedient, ist diese Arbeit eine Abwechslung. "Ich bin seit viereinhalb Jahren in der Firma", erzählt die Crimmitschauerin, die gelernte Weberin ist und ständig ein wachsames Auge auf die ausgezeichnete Qualität des Seidenstoffes haben muss.

Der eigentlichen Produktion gingen einige Besprechungen voraus. "Der gezeichnete Entwurf musste umgesetzt werden. Wir haben Muster gemacht, um die Bindung des Gewebes zu prüfen. Auch eine Korrektur der Farbe wurde vorgenommen, sodass die Fahne jetzt nicht mehr so knallig daherkommt wie ursprünglich gedacht", sagt Wolfgang Eschke. In drei Teilen wird das gute Stück gewebt, und die Nähte werden so in das Muster eingepasst, dass sie sozusagen unsichtbar sind und den Gesamteindruck nicht stören. Für das traditionsreiche Unternehmen mit seinen fünf Mitarbeitern sind diese Arbeiten nur ein kleiner, aber anspruchsvoller Teil. In den vergangenen Monaten haben die Crimmitschauer unter anderem seidene Wandbespannungen für zehn Räume des Schlosses Ludwigslust gefertigt. "Derzeit läuft der zweite Bauabschnitt, und wir werden hier weiter zu tun haben."

Für das Museum der Meißner Porzellanstiftung lieferten die Eschkes ebenfalls die Wandbespannung, so wie für das Haus "Hohe Pappel" der Klassikstiftung Weimar. "Hier arbeiteten wir auch die Vorhänge ganz im Stile des belgischen Architekten Henry van de Velde." Sehr individuelle Aufträge gibt es auch, etwa die Wiederherstellung eines farbenfrohen, italienischen Brokatstoffes für einen Kunden aus der Schweiz und die Fertigung einer Bespannung aus Seiden-Woll-Rips für die ehemalige Staatskarosse von Friedrich dem Großen.

Die Seidenmanufaktur wird 1868 von Robert Eschke in Mühltroff als Baumwollweberei gegründet. Seine Söhne Alfred und Richard steigen 1904 in die Firma ein. Erste Brokate werden hergestellt. 1972 wird das Unternehmen verstaatlicht und in VEB Brokat Mühltroff umbenannt. Die Leitung bleibt durch Wolfgang Eschke in Familienhand. 1992 kauft Wolfgang Eschke die Firma zurück, 2003 gründet sie sich neu in Crimmitschau unter Leitung von Helga Eschke.

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